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Politik

Braucht Deutschland eine Zucker-Fett-Steuer?

Freitag, 8. Juli 2016

In den europäischen Ländern und auch in Deutschland wird immer lauter über die Einführung einer Fett- und Zuckersteuer nachgedacht. Einige Länder haben sie bereits eingeführt und teilweise auch schon wieder abgeschafft. Die meisten besteuern dabei den Zuckergehalt in Softdrinks. Finnland, Dänemark, Ungarn und Mexico haben Erfahrungen mit Steuern auf Süßigkeiten, gesättigte Fette oder Fastfood. Lettland hingegen hat sich für einen anderen Weg entschieden. Sie verbieten die ungesunden Dickmacher an Schulen und Kindergärten gänzlich. Die Befürworter der Steuer versprechen sich dadurch, die Verfügbarkeit ungesunder Lebensmittel zu reduzieren und so Adipositas und deren Folgeerkrankungen, wie etwa Diabetes Typ 2 langfristig einzudämmen. Aber nicht jeder ist mit dieser Vorgehensweise einverstanden.

Dietrich Garlichs: Alkopop Getränke verschwanden praktisch vom Markt, als sie mit einer Steuer belegt wurden
 

Unsere Gesellschaft macht es dem Einzelnen extrem schwer, sich gesund zu ernähren. Fastfood und Snacks gibt es an jeder Ecke. Coca-Cola, Ferrero und McDonalds werben als Partner der Fußballnationalmannschaft und stellen ihre Produkte als gesund, sportlich und sexy dar. Das Ergebnis dieser „adipogenen“ Umwelt ist bekannt: Wir essen doppelt so viel Zucker, Fett und Salz, als uns guttäte. Alle Appelle an die Vernunft, sich gesünder zu ernähren, sind gescheitert.

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Dietrich Garlichs,
Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft.
/DDG Hoffotografen

Die Erfahrungen mit der Besteuerung von Zigaretten und Alkopops zeigen, dass eine Zucker-/Fett-/Salzsteuer helfen könnte. Durch deutliche Preissignale konnte der Anteil der Jugendlichen, der zur Zigarette greift, in den letzten zehn Jahren halbiert werden, und die Alkopops verschwanden praktisch vom Markt, als sie besteuert wurden. Die Einführung einer Softdrinksteuer in Mexiko hat den Absatz gezuckerter Getränke deutlich reduziert und den Absatz von Wasser erhöht. Aus anderen Ländern gibt es ähnliche Beispiele.

Dabei ist es wichtig, dass es um keine Steuererhöhung geht, sondern um eine Neugestaltung der Mehrwertsteuer. 0 % auf gesunde Lebensmittel, dafür aber den vollen Satz von 19 % auf verarbeitete Lebensmittel mit hohem Fett-/Zucker- oder Salzanteil. Am Ende soll keiner mehr Steuern zahlen müssen.

Diese Steuerumschichtung ist weder bevormundend noch sozial ungerecht. Die Verbraucher können weiterhin frei wählen, nur wird der Fokus auf die gesunden Lebensmittel gelenkt und die Lebensmittelindustrie erhält Anreize, ihre Produkte gesünder zu machen. Dabei profitieren insbesondere die sozial schwächeren Schichten, da sie überproportional häufig von chronischen Krankheiten betroffen sind.

Kordula Schulz-Asche: Wir müssen in langfristige Maßnahmen in Kitas, Schulen, Betrieben und Stadtteilen investieren
 

Wenn wir die Gesundheit der Menschen verbessern wollen, müssen wir nach Lösungen im Kern des Problems suchen – und nicht bei den Steuern.

Kordula Schulz-Asche MdB,
Bündnis 90/Die Grünen, Sprecherin für Prävention und Gesundheits­wirtschaft, Sprecherin für Bürgerschaftliches Engagement.
/Stefan Kaminski

Wir wissen, dass gesunde Ernährung, mehr Bewegung und eine gute Stressbewältigung dazu beitragen, lange gesund zu bleiben und bis ins hohe Alter mobil zu sein. Doch was sich so einfach anhört, ist im Alltag mit Zeitdruck und Hektik in der Schule, am Arbeitsplatz, bei der Kindererziehung oder dem intensiven Pflegen von Angehörigen oft schwer umsetzbar.

Unsere Umwelt ist unserer Gesundheit Schmied. Wenn wir die Gesundheit aller wirklich dauerhaft fördern wollen, müssen wir in langfristige Maßnahmen in der Kita, Schule, Betrieb und Stadtteil investieren, damit diese Orte ein gesundes Leben überhaupt ermöglichen können. Denn da sind die Menschen auch am stärksten verwurzelt – in der Stadt, der Kommune, dem Quartier.

Also sollten wir zuerst darauf setzen, durch verstärkten Fokus auf die Gesund­heits­förder­ung, die Kompetenzen, das Selbstwertgefühl und die Selbstachtsamkeit der Menschen zu steigern und die aktive Teilhabe und Teilnahme an der Gestaltung der eigenen Umwelt zu ermöglichen. Wir brauchen langfristige Maßnahmen, die gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet und realisiert werden.

Die Gesund­heits­förder­ung hat in der Politik seit Jahren nicht den Stellenwert, den sie verdient bzw. den es benötigen würde. Wäre dies anders, wären die Überlegungen für eine Zucker-Fett-Steuer gar nicht notwendig. Um auf Zuckerbomben und Dickmacher besser aufmerksam zu machen, wäre ein erster Schritt die Ampelkennzeichnung. Leider hat das bisher die Bundesregierung versäumt. © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #731292
cis2000
am Sonntag, 5. August 2018, 23:21

Braucht Deutschland eine Zucker-Fett-Steuer?

Ohne Begründung. Nein!
Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Montag, 11. Juli 2016, 18:00

@Verodoc, völliger Quatsch, wer so etwas schreibt, ist weder Arzt noch ein Sozialpolitiker

die Dame ist ja selbst deutlich übergewichtig.
Nahrung ist kein Schadstoff wie Alkohol und Nikotin.
JEDER MENSCH muss essen.
Die wirklich krankhaft Übergewichtigen sind nach wie vor eine MINDERHEIT.
Steuern wären daher eine völlig assoziale Kollektivbestrafung!
Da hat auch Salz und Fett nichts verloren,
es sei denn das gesundheitsschädlich "gehärtete Pflanzenfett",
eine Schande dass das noch nicht verboten ist.
Eine medizinische Rechtfertigung kann es nur für KÜNSTLICH gesüßtes geben,
besonders bei Getränken und allerhand Leckereien, die sicher auch Frau Kordula Schulz-Asche MdB vertilgt .
Das sind keine "Grundnahrungsmittel".
Ich habe schon vor 40 Jahren auf Einladung im Kindergarten einen Vortrag zum Süßigkeitsverzicht gehalten mit dem schönen Kinder-Film "Karius und Bactus".
Nur hält sich bis heute das PERSONAL überwiegend NICHT daran.
Da gibt es auch Zuckerwatte im Kindergarten, toll.
Die DGE und ihre Ampel mit der unsinnigen KH-Schlagseite hat ihre Kompetenz längst verloren,
das hat sich nun wirklich langsam rumgesprochen,
auch hier im Ärzteblatt.
Also wenn schon:
KEINE Grundnahrungsmittel und kein Salz!
Sondern nur künstlich gesüßte Leckereien, oder auch entsprechende Verbote an die Hersteller.
Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Montag, 11. Juli 2016, 18:00

@Verodoc, völliger Quatsch, wer so etwas schreibt, ist weder Arzt noch ein Sozialpolitiker

die Dame ist ja selbst deutlich übergewichtig.
Nahrung ist kein Schadstoff wie Alkohol und Nikotin.
JEDER MENSCH muss essen.
Die wirklich krankhaft Übergewichtigen sind nach wie vor eine MINDERHEIT.
Steuern wären daher eine völlig assoziale Kollektivbestrafung!
Da hat auch Salz und Fett nichts verloren,
es sei denn das gesundheitsschädlich "gehärtete Pflanzenfett",
eine Schande dass das noch nicht verboten ist.
Eine medizinische Rechtfertigung kann es nur für KÜNSTLICH gesüßtes geben,
besonders bei Getränken und allerhand Leckereien, die sicher auch Frau Kordula Schulz-Asche MdB vertilgt .
Das sind keine "Grundnahrungsmittel".
Ich habe schon vor 40 Jahren auf Einladung im Kindergarten einen Vortrag zum Süßigkeitsverzicht gehalten mit dem schönen Kinder-Film "Karius und Bactus".
Nur hält sich bis heute das PERSONAL überwiegend NICHT daran.
Da gibt es auch Zuckerwatte im Kindergarten, toll.
Die DGE und ihre Ampel mit der unsinnigen KH-Schlagseite hat ihre Kompetenz längst verloren,
das hat sich nun wirklich langsam rumgesprochen,
auch hier im Ärzteblatt.
Also wenn schon:
KEINE Grundnahrungsmittel und kein Salz!
Sondern nur künstlich gesüßte Leckereien, oder auch entsprechende Verbote an die Hersteller.
Avatar #702131
Verodoc
am Montag, 11. Juli 2016, 14:01

Träum weiter Kordula Schulz-Asche ...

Ich gehöre noch zur Generation, die die Einführung des Sicherheitsgurtes 1974 beim Autofahren erlebt hat...Eine Maßnahme, die uns heute beim Autofahren ins Blut übergegangen ist.
Eine dreijährige staatliche "Aufklärung" des mündigen Bürgers mit 8 Millionen Mark - wer erinnert sich noch an die Plakate - "nicht oben ohne" - führte zu einem dramatischen Anstieg des Anschnallens um einige Prozent. Nach Einführung eines Bußgeldes 1976 sprang die Benutzung des Gurtes schlagartig von 15 auf fast 90 %.
Intensive Aufklären (haben wir alles schon gehabt..) wird das Gro
der Bundesbürger nicht schlanker machen. Hier hilft nur die Vorsorgepflicht des Staates, z. B. durch eine sinnvolle Besteuerung von Zucker und Einführung eines Ampelsystems,das auch der Dümmste versteht.
FS
LNS

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