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Medizin

Auch natürliche Killerzellen haben ein immunologisches Gedächtnis

Dienstag, 28. Juni 2016

Bonn – Wissenschaftler der Universität Bonn und der Ludwig-Maximilians-Universität München haben einen Mechanismus entschlüsselt, über den das Immunsystem die Pigmentzellen der Haut angreifen kann. Sie konnten damit zeigen, dass auch sogenannte natürliche Killerzellen über ein immunologisches Gedächtnis für das körpereigene Gewebe verfügen. Die Arbeit ist im Journal Immunity erschienen (2016; doi: 10.1016/j.immuni.2016.05.008).

Bei der sogenannten Weißfleckenkrankheit (Vitiligo) greift das Immunsystem Pigmentzellen in der Haut an. Die Folge sind pigmentfreie Flächen auf der Haut. Studien haben gezeigt, dass Menschen mit Vitiligo ein geringeres Risiko haben, am schwarzen Hautkrebs zu erkranken. Der Ansatz der Forscher um Jasper van den Boorn vom Institut für klinische Chemie und klinische Pharmakologie der Universität Bonn war, mit einem sogenannten Tyrosinase-Blocker namens „Monobenzon“ Vitiligo aktiv auszulösen. „Man möchte also eine weniger schlimme Erkrankung als Waffe gegen den schwarzen Hautkrebs einsetzen“, erläutert er.

„Allerdings war bislang der anfängliche Mechanismus unklar, wie das Immunsystem die Monobenzon-exponierten Pigmentzellen als gefährlich erkennt und angreift“, berichtet Veit Hornung, der von der Universität Bonn kürzlich an die Ludwig-Maximilians-Universität München gewechselt ist.

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Die Forscher testeten den Mechanismus an Mäusen und waren verblüfft: „Normalerweise mobilisiert das Immunsystem eine Mischung verschiedener weißer Blutzellen“, berichtet van den Boorn. Die mehrfache Monobenzon-Exposition brachte in ihrer Studie aber nur die natürlichen Killerzellen dazu, Pigmentzellen zu erkennen und zu attackieren. Natürliche Killerzellen gehören zum angeborenen Immunsystem und töten abnormale Zellen wie Krebszellen oder virusinfizierte Zellen. Bisher wurde ihnen laut der Arbeitsgruppe in Abrede gestellt, über ein immunologisches Gedächtnis für körpereigene Gewebe zu verfügen, und diese spezifisch attackieren zu können. Dieses Phänomen wurde bislang nur den T- und B-Lymphozyten zugeschrieben.

„Unsere Ergebnisse zeigen jedoch eindeutig, dass die natürlichen Killerzellen ebenfalls eine nachhaltige und effektive Immunreaktion gegen körpereigene Pigmentzellen und damit auch gegen schwarze Hautkrebszellen bewerkstelligen können“, erläutert Gunther Hartmann, Direktor des Instituts für klinische Chemie und klinische Pharmakologie der Universität Bonn. Diesen Beweis erbrachten die Forscher, indem sie den Versuch an Mäusen wiederholten, die keine T- und B-Lymphozyten bilden konnten. Trotzdem kam es bei den Tieren zu den weißen Flecken im Fell sowie zur Vernichtung von schwarzen Hautkrebszellen, weil die natürlichen Killerzellen die Pigmentzellen angriffen.

Die Resultate eröffnen laut der Arbeitsgruppe neue Therapieoptionen für die Behandlung des schwarzen Hautkrebses, zeigen eine neue Art der Immunerkennung und könnten neue Einblicke in das Entstehen der Vitiligo liefern. © hil/aerzteblatt.de

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