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Politik

Diskussion um Abschaffung des DRG-Systems

Montag, 27. Juni 2016

Potsdam – Der Vorstandsvorsitzende der Sana Kliniken AG hat den geplanten Umbau des DRG-Systems kritisiert. „Wenn wir jetzt Vorgaben dazu bekommen, wie viel Pflegepersonal wir einstellen müssen, mache ich mir Sorgen um das DRG-System. Dann sollten wir uns vielleicht fragen, ob wir das System nicht gemeinsam beerdigen wollen“, sagte Michael Philippi in der letzen Woche auf dem Bundeskongress des Bundesverbandes Deutscher Privatkliniken (BDPK) in Potsdam. Derzeit werde ordnungspolitisch an jeder Schraube in dem System gedreht, „auf das wir alle mal stolz waren“.

Mit dem Krankenhausstrukturgesetz (KHSG) hat die Bundesregierung verschiedene Umstrukturierungen des DRG-Systems angestoßen. Zum einen sollen künftig DRGs mit einem hohen Sachkostenanteil niedriger und DRGs mit einem hohen Personal­kostenanteil höher vergütet werden. Einen entsprechenden Vorschlag hat das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) vorgelegt.

Zudem sollen mehr private Krankenhäuser verpflichtet werden, an der Kalkulation der DRGs teilzunehmen. Und schließlich prüft derzeit eine Expertenkommission, ob im DRG-System der Pflegebedarf in Krankenhäusern sachgerecht abgebildet ist. Dabei wird auch über Mindestvorgaben von Pflegepersonal im Krankenhaus diskutiert. In einem vor Kurzem zwischen Verdi und der Charité geschlossenen Tarifvertrag sind Mindestbesetzungen für die Intensivpflege, die Kinderheilkunde und die stationäre Erwachsenenpflege vorgeschrieben.

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„Das Vertrauen in die Krankenhausmanager ist nicht mehr da“
Solche Vorgaben auf alle Bereiche im Krankenhaus auszuweiten, hält auch Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband für falsch. „Dann wäre die unternehmerische Freiheit für die Krankenhäuser weg“, sagte er in Potsdam. Aber zu sagen, Vorgaben zu machen passe grundsätzlich nicht zum DRG-System, sei nicht richtig. „Vorgaben führen nicht zum Ende des Systems“, betonte Leber. „Aber die Qualitätskriterien müssen klug erdacht werden.“

Das Vertrauen, die Krankenhausmanager machten von sich aus alles richtig, das es zur Einführung des DRG-Systems gegeben habe, sei nicht mehr da. „Wir müssen jetzt weitere Sicherheitslinien einsetzen“, meinte Leber und verglich das Krankenhaus mit dem Cockpit eines Flugzeugs. „Es ist beruhigend, wenn im Cockpit ein Co-Pilot sitzt, wenn das Flugzeug abhebt“, sagte er. „Die meisten Stationen haben um Mitternacht aber keine Co-Piloten.“ Der Schlüssel zur Lösung des Problems liege darin, Struktur- und Prozessvorschriften in qualitätskritischen Bereichen zu implementieren.

Leber räumte ein, dass es keine harten Daten dazu gebe, dass private Kranken­hausträger zu wenig Pflegepersonal beschäftigen. „Man hört aber viel davon, dass die privaten Träger mehr Pflegepersonal abgebaut haben, als gut ist“, sagte er. Wenn es hier tatsächlich kein Problem gebe, sei es an den privaten Krankenhausträgern, ihre entsprechenden Daten vorzulegen. „Sie müssen gegen die Vermutung anarbeiten, dass Sie zu viel Pflegepersonal abgebaut haben“, sagte Leber. © fos/aerzteblatt.de

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