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Medizin

Studie: ACE-Hemmer könnte vor Schenkelblock schützen

Dienstag, 28. Juni 2016

San Francisco – Die Behandlung mit Lisinopril hat in der ALLHAT-Studie, der bisher größten Vergleichsstudie zur Behandlung von Patienten mit arterieller Hypertonie, das Auftreten eines Schenkelblocks signifikant gesenkt. Der ACE-Hemmer wäre nach der Analyse in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.2502) das erste Medikament mit einer vorbeugenden Wirkung gegen die häufigen Störungen im Reizleitungssystem des Herzmuskels.

Ein Rechts- oder Linksschenkelblock gehören zu den häufigen EKG-Befunden, deren klinische Bedeutung nicht immer klar ist. Bei Patienten mit isoliertem Rechts- oder Linksschenkelblock ohne Grunderkrankung oder ohne Symptome wird heute meistens von der Implantation eines Herzschrittmachers abgesehen. Es gibt jedoch Hinweise, dass ein Schenkelblock langfristig die Prognose der Patienten verschlechtern könnte. So war in der Health, Aging, and Body Composition Study die Verlängerung des PR-Intervalls, die einen Schenkelblock anzeigt, langfristig mit einer erhöhten Erkrankungsrate an Vorhofflimmern oder einer Herzinsuffizienz verbunden.

Ein Team um Gregory Marcus von der Universität von Kalifornien in San Francisco hat jetzt eine sekundäre Auswertung der ALLHAT-Studie mit der Frage vorgenommen, ob die dort eingesetzten Medikamente das Auftreten eines Schenkelblocks vermindern. Die randomisierte Studie hatte die Wirkung der Antihypertensiva Lisinopril (ACE-Hemmer), Amlodipin (Kalziumantagonist), Doxazosin (Alphablocker) und Chlortalidon (Diuretikum) bei rund 42.000 Patienten mit Hypertonie (Grad I oder II) und einem zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor verglichen. Ein Teil der Patienten war auch mit dem Lipidsenker Pravastatin behandelt worden.

Da der Doxazosin-Arm der Studie vorzeitig abgebrochen wurde, beschränkte Marcus die Analyse auf Patienten, die mit Lisinopril, Amlodipin der Chlortalidon behandelt wurden. Von 21.004 Patienten, für die mehrere EKG-Analysen mit 12 Ableitungen vorlagen und die zu Beginn der Studie keine Überleitungsstörungen aufwiesen, entwickelten 1.114 im Verlauf der Behandlungsphase einen Schenkelblock. Er trat bei Patienten, die mit Lisinopril behandelt wurden, zu 19 Prozent seltener auf als unter der Behandlung mit Chlortalidon. Marcus ermittelt eine Hazard Ratio von 0,81, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,69 bis 0,95 signifikant war.

Dieses Ergebnis war deshalb überraschend, weil Chlortalidon in der Studie die bessere Blutdruck-senkende Wirkung erzielt hatte und die Patienten auch besser vor Herz-Kreislauf-Ereignissen schützte. Marcus schließt daraus, dass Lisinopril eine spezielle protektive Wirkung auf das Reizleitungssystem im Herzmuskel hat. Als mögliche Erklärung vermutet Marcus eine „antifibrotische“ Wirkung von ACE-Hemmern (wobei noch zu klären wäre, ob andere ACE-Hemmer oder AT1-Hemmer eine ähnliche Wirkung hätten wie Lisinopril). Die Einnahme des Kalziumantagonisten Amlodipin senkte in der Studie die Inzidenz von Schenkelblöcken nicht. Auch der Lipidsenker Pravastatin hatte keine präventive Wirkung.

Laut dem Editorialisten David Maron vom Falk Cardiovascular Research Center der Stanford Universität ist Lisinopril damit die erste Substanz, die in einer Studie das Auftreten neuer Schenkelblöcke vermindert. Ob dieser Zusatznutzen eine klinische Relevanz hat, wäre allerdings noch zu prüfen. In der ALLHAT-Studie hatte – auch das damals eine Überraschung – das alte Diuretikum Chlortalidon Herz-Kreislauf-Ereignissen besser vorgebeugt als der moderne ACE-Hemmer Lisinopril oder der Kalziumantagonist Amlodipin. © rme/aerzteblatt.de

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