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Medizin

Studie: Kartenspielen kann Schlaganfall-Reha unterstützen

Dienstag, 28. Juni 2016

Wii-Spiele sind im Reha-Bereich eine Alternative zu Karten- oder Ballspielen. /dpa

Toronto – Einfache Freizeitaktivitäten wie Karten- oder Ballspielen haben die Reha­bilitation von Schlaganfall-Patienten mit Defiziten in den oberen Extremitäten in einer randomisierten Studie in Lancet Neurology (2016; doi: 10.1016/S1474-4422(16)30121-1) genauso gut unterstützt wie ein Training mit der Spielkonsole Wii.

Die Rehabilitation von Schlaganfall-Patienten setzt auf das Training der in der Bewe­gung eingeschränkten Gliedmaßen. Repetitive Bewegungen gelten hier als ein wirksames Mittel, um verloren gegangene Fähigkeiten zurückzugewinnen. Eine relativ neue Strategie nutzt dabei die Spielkonsole Wii, bei der die Spieler durch ausladende Armbewegungen mit dem Controller, einer Art Fernbedienung, die Aktionen auf dem Bildschirm steuern.

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Auch in Deutschland haben Reha-Einrichtungen Wii-Geräte in ihr Behandlungskonzept integriert. Nach den Ergebnissen einer randomisierten Studie, die Gustavo Saposnik und Mitarbeiter vom St. Michael’s Hospital in Toronto an 14 Zentren in Kanada, Argentinien, Peru und Thailand durchgeführt haben, hätten sie genauso gut in Karten-, Brett- oder Ballspiele investieren können.

An der Studie nahmen 141 Patienten teil, bei denen es nach einem Schlaganfall zu Einschränkungen in der Beweglichkeit von Armen und Händen gekommen war (3 oder mehr Punkte im Chedoke McMaster Arm- und Handaktivitätsinventar). Die Hälfte der Teilnehmer absolvierte zehn 60-minütige Übungseinheiten mit der Wii-Konsole, die andere Hälfte durfte sich während der Zeit mit Kartenspielen, Bingo, Jenga (Turmbau aus Holzsteinen) oder Ballspielen (Werfen von Papierknäueln in einen Eimer) „vergnügen“. Saposnik hatte wie vermutlich die meisten Reha-Experten angenommen, dass das strukturierte Training an der Wii-Konsole bessere Ergebnisse erzielen würde. Dies war allerdings nicht der Fall.

Endpunkt der Studie war die Verbesserung im Wolf Motor Function Test, der aus einer Reihe von Aufgaben für die oberen Extremitäten besteht. Die Teilnehmer des Wii-Trainings verbesserten sich im Durchschnitt von 43,7 auf 29,7 Sekunden (relative Reduktion: 32,0 Prozent). Die konventionelle Spielgruppe verkürzte die Zeit von 38,0 auf 27,1 Sekunden, (relative Reduktion 28,7 Prozent). Der Unterschied war nicht-signifikant und beide Reha-Methoden deshalb gleichwertig.

Drei Komponenten sind laut Saposnik entscheidend für den Erfolg eines Reha-Konzepts. Das erste ist die häufige Wiederholung von bestimmten Bewegungen. Dieser Punkt kann durch Wii-Übungen gut optimiert werden. Hinzu komme aber als zweiter Punkt die Aktivierung von Spiegelneuronen. Kartenspieler können allein durch die Beobachtung ihrer Mitspieler einen Gewinn erzielen. Die dritte Komponente ist die Motivation, also die Aktivierung des Belohnungssystems im Gehirn. Auch hier könnten Kartenspiele und andere Aktivitäten, die die Patienten aus ihrem früheren Leben kennen, im Vorteil sein. © rme/aerzteblatt.de

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TobiO
am Mittwoch, 29. Juni 2016, 14:04

Statistik

Falls kein Test für Äquivalenz gerechnet wurde, wovon man nicht ausgehen kann, ist es schlichtweg falsch im Fazit von der Gleichwertigkeit der beiden Methoden zu sprechen. Diesen groben Fehler findet man immer wieder in medizinischen Publikationen. Meist geht man bei der Hypothesenerstellung jedoch von einer Überlegenheit einer der beiden Methoden aus. Darauf wird dann auch getestet. Ein nicht signifikantes Ergebnis bedeutet lediglich, dass man in der Stichprobe keinen Unterschied finden konnte und nicht zwangsläufig, dass beide Methoden gleich gut sind. "The Absence of Evidence is not the Evidence of Absence"
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