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Immer mehr Menschen chatten bei der Telefonseelsorge

Dienstag, 28. Juni 2016

/Screenshot Ärzteblatt

Aachen – Immer mehr Menschen lassen sich bei der Telefonseelsorge lieber über Chats beraten statt im direkten Gespräch. Zwar biete die Seelsorge vor allem Anrufern ihre Hilfe an, doch nehme die Beratung über Kurzmitteilungen zu, sagte Stefan Schumacher, der Präsident von IFOTES (International Federation of Telephone Emergency Services) heute in Aachen. Dort beginnt in rund einem Monat der Weltkongress der Telefonseel­sorger. Die Tagung wird von IFOTES und der Telefonseelsorge veranstaltet.

Zum Aachener Weltkongress vom 19. bis 22. Juli werden 1.600 Teilnehmer aus 33 Län­dern erwartet. Im Mittelpunkt der Konferenz mit dem Thema „Damit das Leben weiter­geht...“ steht die Auseinandersetzung mit Menschen in suizidalen Situationen. Unter an­derem werde auf dem Treffen Teresa Enke erwartet, deren Mann – Fußballnationaltor­wart Robert Enke – sich 2009 das Leben nahm, kündigte Pfarrer Frank Ertel an, der die Veranstaltung mitorganisiert.

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Bei der Telefonseelsorge sind rund 7.500 Ehrenamtliche engagiert. „Die meisten können inzwischen beides, Telefon und Internet“, sagte IFOTES-Präsident Schumacher. Ehren­amtliche sollten in allen Medien zu Hause sein. „Deshalb werden auch Ältere mitgeschult zum Thema Internet, die Jüngeren haben es leichter.“

Per E-Mail oder Chat wird bereits seit 1995 beraten. Erkennbar sei, dass die hohe Ano­nymität im Netz den Menschen helfe, auch Themen anzusprechen, die für sie mit Scham oder Angst besetzt seien, sagte Ruth Belzner, die Vorsitzende der evangelischen Konfe­renz für Telefonseelsorge. Dazu zählten sexuelle Gewalt, Suizidalität oder Selbst­ver­letz­un­gen. Sie sprach zugleich von steigenden Anforderungen. Der Bedarf an Beratung sei höher, als es die Telefonseelsorge leisten könne.

Der Sprecher der Katholischen Konferenz für TelefonSeelsorge und Offene Tür, Michael Hillenkamp, verwies auf einen großen Einsatz der Helfer. Jedes Jahr würden 500 neue ehrenamtliche Seelsorger ausgebildet. „Nur wenn sie die Arbeit weiterhin als sinnvoll erleben, werden sich genügend von ihnen bereitfinden, Tag und Nacht, auch an Weihnachten die Ohren voll zu kriegen.“

Hillenkamp kritisierte, dass Psychotherapeuten, Kliniken oder Betreuungseinrichtungen zur eigenen Entlastung zunehmend auf die Telefonseelsorge verwiesen, etwa an Wochenenden. Telefonseelsorge könne Mängel im Gesundheitswesen aber nicht aus­gleichen. „Seelische Verbandsplätze allein reichen zur Unterstützung vielfach belasteter Menschen aber nicht aus“, sagte er.

Telefonseelsorge kommt aus England
Die Idee, Menschen per Telefon in Notsituationen zu helfen, holte der evangelische Pfarrer, Arzt und Psychotherapeut Klaus Thomas aus England nach Deutschland. 1956 richtete er in Berlin die „Ärztliche Lebensmüdenbetreuung“ ein. Bereits in den 1980er Jahren waren die Seelsorger am Telefon auch in ländlichen Gebieten Westdeutschlands nahezu flächendeckend zu erreichen. Seit 1997 können Anrufe gebührenfrei geführt werden, weil die Telekom die Kosten übernimmt. 2015 wandten sich Ratsuchende rund 1,8 Millionen mal über Festnetz oder Handy an die Berater; rund 6.300 Ratsuchende nutzten den Mailkontakt. Die Zahl der Chat-Termine wuchs stark auf 9.800 an. © dpa/kna/aerzteblatt.de

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