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ARMIN: Arzt und Apotheker kommunizieren über gemeinsamen Server

Dienstag, 28. Juni 2016

/dpa

Berlin – Zum 1. Juli wird die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen (ARMIN) die elektro­nische Kommunikation zwischen Ärzten und Apothekern bei der Erstellung eines Medika­ti­ons­plans der gemeinsamen Patienten starten. Das erklärten die Projekt­beteiligten heute vor Journalisten in Berlin.

Für die in das Projekt eingeschriebenen Patienten erstellt der Apotheker zunächst im Rahmen des Medikationsmanagements eine komplette Liste aller Arzneimittel, die der Patient einnimmt. Die Liste stellt er auf einen Server, auf den auch der Hausarzt des Pa­tienten über das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Zugriff hat. Der Hausarzt überprüft die Liste auf mögliche Wechselwirkungen und passt sie gegebe­nenfalls an, im Zweifel nach Rücksprachen mit fachärztlichen Kollegen, die dem Patien­ten Medikamente verordnet haben.

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„Am Ende steht der vollständige neue Medikationsplan auf dem gemeinsamen Server“, erklärte die 1. Vorsitzende des Vorstandes der KV Thüringen, Annette Rommel. „Auf diesen kann dann wieder der Apotheker zugreifen und den Wirkstoffen die entsprechen­den Medikamente zuordnen.“ Schließlich erläutere der Arzt dem Patienten den neuen Medikationsplan.

„Mit dem Medikationsmanagement haben wir etwas geschaffen, was bisher im deutschen Gesundheitswesen kaum realisiert wurde. Zwei Heilberufler unterschiedlicher Profession können auf elektronischem Wege unter Beachtung des Datenschutzes sensible Patien­tendaten austauschen“, betonte der Vorstandsvorsitzende der KV Sachsen, Klaus Hecke­mann.

Knapp 100 Euro für die Erstberatung
ARMIN fußt auf einem Konzept der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. Die Initiative startete im Jahr 2014 zunächst mit der Wirkstoffverordnung und dem Medikationskatalog. Die teil­neh­men­­­­den Ärzte verpflichten sich dabei, überwiegend Wirkstoffe zu verordnen und sich bei deren Auswahl an einem Medikationskatalog zu orientieren, der für häufige Indikatio­nen Wirkstoffe der ersten Wahl und Reservewirkstoffe enthält. Träger von ARMIN sind die KVen Sachsen und Thüringen, die Apothekerverbände beider Länder und die AOK Plus. Mit dem Medikationsmanagement startet nun das dritte Modul des Projektes. Die Erstbe­ratung der Patienten wird dabei mit 97,30 Euro vergütet, die Folgequartale mit 22 Euro.

Rommel betonte, dass die technischen Anforderungen für das Medikationsmanagement sehr hoch gewesen seien. Jetzt funktioniere es aber reibungslos. „Wir wünschen uns aller­dings, dass noch mehr Hersteller von Praxissoftware die Technik schneller integrie­ren“, sagte sie.

Der Vorstandsvorsitzende des Thüringer Apothekerverbandes, Stefan Fink, betonte, dass die technische Umsetzung in der jeweiligen Arztsoftware stattfinde und es kein Extramodul gebe. „Das war uns wichtig“, sagte er.

Durch ARMIN sollen Klinikeinweisungen reduziert werden
„Das Modellprojekt richtet sich an die mehr als 300.000 chronisch kranken Versicherten der AOK Plus ab 18 Jahren, die gleichzeitig mindestens fünf Arzneimittel dauerhaft einneh­men“, erklärte Rainer Striebel, Vorstandsvorsitzender der AOK Plus. Durch ARMIN werde sich sowohl die Lebensqualität der Patienten erhöhen. Zudem würden Kranken­haus­kos­ten für die Kasse durch weniger Klinikeinweisungen zurückgehen. „Auf Dauer erwar­ten wir, dass sich 75.000 unserer Versicherten bei ARMIN einschreiben“, so Striebel.

Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen: „Der Patient gewinnt ganz klar“

Eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern soll die Arzneimitteltherapie chronisch Kranker sicherer machen. Hausarzt Axel Stelzner und Apothekerin Anja Leistner aus dem sächsischen Lichtentanne sind überzeugt von dem Modell. Es ist ein trüber Dienstag im Herbst. 

Derzeit sind in Thüringen 361 der circa 1.500 Hausärzte sowie 471 der 565 Apotheker eingeschrieben. In Sachsen sind es mit 215 Ärzten etwa ein Zehntel der Hausärzte sowie 501 der insgesamt etwa 1.000 Apotheker. „Die Einschreibequote der Apotheker ist höher als die der Ärzte. Das ist für uns aber kein besonderes Problem“, sagte Striebel. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Ärzte bei solchen Projekten etwas zögerlicher sind und zunächst die Erfahrungen ihrer Kollegen abwarten wollen. Wenn jetzt das Medika­tions­management läuft, werden sich auch mehr Hausärzte einschreiben. Wir haben Geduld.“

ARMIN-Layout bildet die Grundlage für bundesweiten Medikationsplan
Gemäß E-Health-Gesetz haben Patienten, die mindestens drei verordnete Medikamente gleichzeitig einnehmen, ab Oktober bundesweit einen Anspruch auf die Erstellung und die Aktualisierung eines Medikationsplans, der zunächst noch in Papierform ausgefertigt wird. Die KBV, die Bundes­ärzte­kammer und der Deutsche Apothekerverband haben im April die dafür notwendige Rahmenvereinbarung getroffen.

Das Layout von ARMIN bilde die Grundlage dieser Vereinbarung, erklärte Heckemann. Damit könnten ARMIN-Ärzte ihren ARMIN-Patienten schon jetzt einen E-Health-konfor­men Ausdruck ihres Medikationsplans mitgeben. Zudem seien sie schon auf die erst ab dem Jahr 2018 geltende Regelung vorbereitet, den Medikationsplan elektronisch zu bearbeiten. © fos/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 29. Juni 2016, 13:05

Wo ist die ARNIM-MediPlan-Abbildung?

Das Deutsche Ärzteblatt nimmt ausführlich Bezug auf das ARMIN-Medikationsplan-Layout, ohne dieses genau abzubilden. Damit soll verschleiert werden, dass ARMIN mittels r e i n e r Wirkstoffverordnung
- ärztliche "(non) aut-idem"-Möglichkeiten aushebelt,
- Patienten durch wechselnde Generika-Ausgaben verunsichert,
- Generika-Quoten ohne medizinische Indikation erhöht,
- Verschreiben von Originalpräparaten einschränkt bis verhindert,
- freie Apotheken-/Arztwahl durch fixe Kooperation einschränkt.

Die Generierung eines Mehrwerts für die Arznei­mittel­therapie­sicherheit lässt ARMIN nicht erkennen. Ein als Beispiel gezeigter und publizierter ARMIN-Medikationsplan mit 7 verschiedenen Generika-Präparaten, einem hoffnungslos unterdosierten Antibiotikum Clarithromycin 250 mg (hoffentlich nicht bei einer Virusinfektion) und einem niemals doppelblind bzw. im "head-to-head" Vergleich geprüften Gelomyrtol mit 3x2 Dosierung verwirrt unsere Patienten nur. Abbildung siehe
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910704/medikationsplan-patient-redet.html

Sieben Wirkstoffverordnungen pro Quartal, morbiditäts- und leitliniengerecht bzw. evidenzbasiert für unsere GKV-Patienten verordnet, bedeuten je nach Marktlage bis zu a c h t u n d z w a n z i g verschiedene Generika-Verpackungen, -Logos, -Tabletten-Formen und -Farben, -Herstellernamen oder -Reimporte aus EU-Ländern in einem e i n z i g e n Behandlungsjahr.

Damit muss der ARMIN-Medikationsplan bis zu 28-mal im Jahr um- und neu geschrieben werden, weil jedes mal ein anderer, geheimer Rabattvertrag bei einem zum Wirkstoff passenden Generikum greift bzw. die Hersteller gar nicht immer liefern können.

Auf der beratungs- und versorgungs-fernen pharmazeutischen Suche nach tagesaktuellen Medikamenten-Höchstrabatten ist dies nichts weiter als ein "Medikations-Destabilisations-Management" (MDM) mit erhöhten Arzneimittelrisiken durch Verringerung von Compliance und Adhärenz bei unseren Patientinnen und Patienten.

Die "Versorgungs-Experten" von Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV), Bundesärztekammer (BÄK) und Deutschem Apothekerverband (DAV) haben darüber mit den versorgungsnahen Patienten und Ärzten gar nicht erst wirklich gesprochen?
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/rezepte/article/910475/medikationsplan-aerzte-apotheker-einigen.html

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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