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Kinderlose sind ab 40 häufiger krank

Mittwoch, 29. Juni 2016

TK-Pressefoto

Berlin – Mit Kindern lebt es sich gesünder als ohne, aber erst ab dem 40. Lebensjahr. So lautete das Fazit des Gesundheitsreports 2016, den die Techniker Krankenkasse (TK) heute in Berlin vorgestellt hat. Berufstätige mit Kindern waren im letzten Jahr seltener krankgeschrieben als jene ohne Kinder. Sie bekamen auch seltener Medikamente verschrieben, allen voran weniger Psychopharmaka. Jens Baas, Vorsitzender der TK erklärt sich den Zusammenhang wie folgt: „Familie und Kinder wirken wie ein Schutzfaktor gegen Stress.“ Trotz einer höheren Belastung könne daher der empfundene Stress niedriger sein.

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Der aktuelle Gesundheitsbericht befasst sich mit Menschen zwischen 30 und 44 Jahren. Sie stehen mitten im Leben. „Bei vielen kann man von einer Dreifachbelastung durch Familie, Beruf und zu pflegenden Eltern sprechen“, beschreibt Jens Baas die sogenannte Sanwichgeneration. Diejenigen mit familienversicherten Kindern fehlten mit 14,3 Tagen – Krankheit mit Kind ausgeschlossen – 2,3 Tage weniger als jene ohne Kinder. Der Durchschnitt der Krankschreibungen bei den 4,6 Millionen TK-Versicherten Erwerbspersonen lag 2015 bei 15,4 Tagen und ist somit im Vergleich zum Vorjahr um 0,63 Tage gestiegen.

Ab 40 leben Eltern zunehmend gesünder
„Auffällig ist allerdings, dass sich dieser Trend erst ab dem 40. Lebensjahr abzeichnet und von da an zunimmt“, sagte Thomas Grobe vom Institut für Angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (AQUA-Institut), der die Daten der TK ausgewertet hat. In jüngeren Jahren lägen die Fehlzeiten bei Eltern noch höher als bei Kinderlosen. „Bei den über 55-Jährigen beträgt die Differenz mehr als eine Woche.“ Die Ursachen hierfür wurden nicht untersucht. Grobe schließt aber aus, dass es mit einer erhöhten Infektionsrate der jungen Eltern durch potenziell übertragene Keime aus Kitas und Kindergärten zu tun hat. „Ich vermute, dass jüngere Eltern mehr Stress haben.“ Eventuell bekämen auch jene in jüngeren Jahren Kinder, die früher die Schule abschließen und mit größerer Wahrscheinlichkeit körperlich belastenden Berufen nachgehen.

Fast jede zweite Pille beim Mann ist ein Herz-Kreislauf-Präparat
Eine weitere Erkenntnis des Reports war, dass Väter und Mütter mit familienversicherten Kindern weniger Psycho­pharmaka verschrieben bekommen als Erwerbsper­sonen ohne Kinder – unabhängig vom Alter. Zur Behandlung des Nervensystems wurden bei Frauen 26,1 Tagesdosen verordnet. Bei Männern sind es weniger. Das Verordnungsvolumen dieser Arzneimittel ist seit 2006 deutlich gestiegen, von 12,8 Tagesdosen auf 22. Geschlechtsübergreifend zeigt sich der bedeutsamste Anstieg seit 2000 bei kardiovaskulär wirksamen Medikamenten, was vorrangig aus Verordnungen blutdrucksenkender Medikamente resultiert. Während im Jahr 2000 48,8 Tagesdosen verordnet wurden, waren es 2015 88,5 je Versicherungsjahr, was einer Zunahme um 81 Prozent entspricht. Noch stärker stieg das Verordnungsvolumen der Arzneimittel aus der Gruppe „Alimentäres System und Stoffwechsel“, von denen 2015 durchschnittlich 36,1 Tagesdosen je Erwerbsperson verordnet wurden. 

2004 waren es 16,1. „Mitverantwortlich für den Anstieg ist die vermehrte protektive Gabe von Protonen­pumpenhemmern bei Verordnungen nichtsteroidaler Antiphlogistika“, erklärte Grobe.

Mangelnde Wertschätzung belastet Erwerbstätige
Parallel zum Gesundheitsreport hat die TK die Studie „Job und Gesundheit“ vorgestellt, um mögliche Ursachen für steigenden Krankenzahlen zu finden. Ihr liegt eine Mitarbeiterbefragung der TK-Berater für Betriebliches Gesundheitsmanagement der vergangenen zwölf Jahre zugrunde.Mehr als 8.500 Fragebögen aus dem ganzen Bundesgebiet flossen in die Analyse mit ein.

Zwar sind sieben von zehn Befragten mit ihrer Jobsituation zufrieden. Jeder zweite gab dennoch an, dass der Belastungslevel steigt. Gut 60 % fühlten sich gestresst. Die Hälfte der Befragten bewertete den eigenen Gesundheitszustand als gut oder sehr gut, 15 % fühlten sich weniger gut oder schlecht. Auf die Frage, wie den Erwerbstätigen geholfen werden kann sagte Arbeitsmediziner Klaus Jumpertz aus Hamburg: „Wir brauchen nicht noch mehr Verhältnisprävention, sondern Verhaltensprävention.“

TK-Infografik
Herz-Kreislauf-Präparate

Mitarbeiter müssten befragt werden, was sie belastet. „Häufig reicht es schon aus, wenn Vorgesetzte einmal am Tag ihren Mitarbeitern Wertschätzung entgegen bringen würden.“ Denn 30 % der Befragten erhielten nicht genügend Anerkennung und jeder vierte war aufgrund mangelnder Wertschätzung belastet.

© gie/aerzteblatt.de

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