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Neue S3-Leitlinie für die Diagnose der fetalen Alkohol­spektrum-Störungen

Donnerstag, 30. Juni 2016

/dpa

Berlin/Düsseldorf – Mütterlicher Alkoholkonsum während der Schwangerschaft führt be­kannt­lich häufig zu Schäden beim ungeborenen Kind. Die jungen Patienten werden aber bislang oft nicht richtig oder fehldiagnostiziert. Dem soll jetzt eine neue S3-Leitlinie ent­ge­gen­wirken. Sie richtet sich an Ärzte, aber auch an Psychotherapeuten, Hebammen, Sozialarbeiter und andere Gesundheitsberufe, die mit den Kindern und ihren Familien arbeiten.

Die fetalen Alkoholspektrumstörungen (FASD) entsprechen einem sogenannten hirn­or­ganischen Psychosyndrom oder einer sogenannten statischen Encephalopathie. „Dabei ist jedoch zu beachten, dass die cerebrale Schädigung durch intrauterine Alkoholex­posi­tion zwar statisch ist, die Funktions- und Alltagsbeeinträchtigung der betroffenen Kinder jedoch durch frühe und individuelle Förderung deutlich beeinflussbar sind“, heißt es in der Leitlinie.

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„Durch einheitliche, wissenschaftlich basierte, diagnostische Kriterien für FASD, die in der jetzigen S3-Leitlinie bereitgestellt werden, können betroffene Kinder und Jugend­liche in Deutschland frühzeitiger diagnostiziert, in ihrer Entwicklung gefördert und damit deren Langzeit-Outcome hinsichtlich des alltäglichen Funktionsniveaus in der Gesell­schaft ver­bessert werden“, sagte Mirjam Landgraf vom Dr. von Haunerschen Kinderspital der Lud­wig-Maximilians-Universität München. Sie hat zusammen mit ihrem Kollegen Florian Hei­nen die Arbeit an der Leitlinie koordiniert.

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hatte bereits 2010 ein Projekt zur Er­stellung einer diagnostischen Leitlinie des fetalen Alkoholsyndroms für Deutschland initiiert. Dieses Syndrom ist das Vollbild der FASD. Die jetzt vorliegende Leitlinie behan­delt auch die anderen Entitäten der FASD: das partielle fetale Alkoholsyndrom, die alko­holbedingte entwicklungsneurologische Störung und die alkoholbedingten angeborenen Malformationen.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), betonte das Anlie­gen der Politik, die Versorgung und Integration der betroffenen Menschen zu verbes­sern. „FASD ist zu 100 Prozent vermeidbar, wenn während der Schwangerschaft konse­quent auf Alkohol verzichtet wird. Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, müssen wir alles tun, den Betroffenen optimale Hilfe anzubieten“, sagte sie.

Neben einer Lang- und einer Kurzfassung der Leitlinie ist auch ein sogenannter Pocket-Guide verfügbar, der das wichtigste aus der Leitlinie für die Kitteltasche parat hält. © hil/aerzteblatt.de

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