NewsÄrzteschaftNur zehn Prozent der Senioren gegen Pneumokokken geimpft
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Nur zehn Prozent der Senioren gegen Pneumokokken geimpft

Donnerstag, 30. Juni 2016

/dpa

Berlin – Nur wenige Senioren in Deutschland nutzen die Möglichkeit, sich gegen Pneu­mo­kokken impfen zu lassen. Das berichten Wissenschaftler des sogenannten Versor­gungsatlas in Berlin. Bei ihrer Untersuchung haben die Forscher die Behandlungsdaten von mehr als 500.000 gesetzlich Versicherten ausgewertet, die 2010 60 Jahre alt gewor­den waren. Das Team überprüfte, ob diese Menschen zwischen 2010 und 2014 die em­pfoh­lene Impfung gegen Pneumokokken erhalten hatten.

Das Bakterium Streptococcus pneumoniae kann schwere Infektionen bis hin zu Todes­fällen verursachen. Gefährdet sind vor allem Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere Menschen. Die Erreger verursachen nicht invasive Erkrankungen wie Nasenneben­höhlen-, Mittelohr- und Lungenentzündungen. Gelangen die Bakterien ins Blut, können sie invasive Erkrankungen auslösen, unter anderem Sepsis, Meningitis oder schwere Pneumonien.

Anzeige

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt neben der Grund­immun­i­sierung für Säuglinge und Kleinkinder die Impfung für Erwachsene ab dem Alter von 60 Jahren. Altersunabhängig sollten sich Menschen mit bestimmten Grunder­krankungen impfen lassen. Die Auswertung der Forscher des Versorgungsatlas zeigt, dass Ende 2014 nur 9,3 Prozent der Männer und 10,2 Prozent der Frauen in der untersuchten Gruppe gegen Pneumokokken geimpft waren.

Allerdings unterscheiden sich die Impfungsraten regional sehr deutlich: Am geringsten sind die Impfquoten im Süden und Südwesten der Republik, nämlich in Baden-Württem­berg (4,6 Prozent), Rheinland-Pfalz (4,7 Prozent) und Bayern (5,7 Prozent). In den neu­en Bundesländern sind die Impfraten mit 20 bis 25 Prozent am höchsten.

Die Zahlen zeigen den Forschern zufolge auch: Tritt eine chronische Erkrankung auf, verdoppelt sich die Chance der betroffen Patienten, eine Impfung zu erhalten. „Um die Impfraten zu verbessern, müssen die Zielgruppen insbesondere in den alten Bundes­län­dern intensiver über die Bedeutung dieser Schutzimpfung aufgeklärt werden“, forderte Jörg Bätzing-Feigenbaum, Leiter des Versorgungsatlas.

Wichtigster Ansatzpunkt dafür seien die Ärzte, die den Gesundheitszustand ihrer Patien­ten sowie Notwendigkeit und Risiken einer Impfung am besten einschätzen könnten. Die Wissenschaftler empfehlen, aufgrund der nahezu identischen Indikationen bei älteren Erwachsenen, die eine Influenza-Impfung erhalten, auch gleichzeitig den Status der Pneumokokken-Impfung abzufragen und falls indiziert die Impfung zu empfehlen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. Dezember 2018
Berlin – Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) hat heute Impfempfehlungen für Herpes Zoster beschlossen. Darauf hat das RKI hingewiesen. Der STIKO zufolge sollten künftig
Ständige Impfkommission empfiehlt Impfung gegen Gürtelrose
12. Dezember 2018
München – Betriebsärzte können Versicherte der Barmer ab dem 1. Januar 2019 im Unternehmen impfen. Möglich macht das der bundesweit erste Selektivvertrag zur Regelung von Schutzimpfungen durch
Betriebsärzte können Barmer-Versicherte impfen
10. Dezember 2018
Stuttgart – Kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg, Landesapothekerverband Baden-Württemberg und AOK Baden-Württemberg haben sich als Konsequenz aus den Versorgungsproblemen mit
Baden-Württemberg plädiert für Versorgungsreserve für Impfstoffe und Arzneimittel
10. Dezember 2018
Kopenhagen – Dänische Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz, die an der jährlichen Grippeimpfung teilnahmen, hatten in einer landesweiten Kohortenstudie in Circulation (2018; doi:
Grippeimpfung könnte Sterberisiko von Patienten mit Herzinsuffizienz senken
7. Dezember 2018
Brüssel – Die EU-Staaten wollen mit mehr Informationen gegen Falschinformationen von Impfgegnern kämpfen. Die Sozialminister der Mitgliedstaaten sprachen sich bei einem Treffen in Brüssel heute dafür
EU will gegen Kampagnen von Impfgegnern vorgehen
6. Dezember 2018
Berlin – Die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV) ist nun auch für Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren eine Leistung der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV). Der entsprechende Beschluss des
Krankenkassen bezahlen HPV-Impfung jetzt auch für Jungen
30. November 2018
Potsdam – Die Landesärzte- und die Landesapothekerkammer Brandenburg haben sich gegen das Angebot von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) zur Durchführung von Impfungen in der Apotheke sowie
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER