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Medizin

CAR-T-Zellen: Neue Krebsbehandlung könnte auch bei Autoimmunerkrankung helfen

Sonntag, 3. Juli 2016

Philadelphia - Eine „Aufrüstung“ von T-Zellen mit sogenannten chimärischen Antigen-Rezeptoren (CAR), ein derzeit in der Krebstherapie viel beachteter Ansatz, könnte auch für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen genutzt werden, wie US-Forscher in Science (2016; doi: 10.1126/science.aaf6756) am Beispiel des Pemphigus vulgaris zeigen.

Pemphigus vulgaris ist eine lebensbedrohliche Autoimmunerkrankung der Haut. Ursache ist die Bildung von Antikörpern gegen Desmoglein-3 (Dsg3), einem Bestandteil der Desmosomen, die in der Haut die Keratinzyten miteinander verbinden. Beim Pemphigus vulgaris geht dieser Zusammenhalt verloren. Die Folge ist eine blasenförmige Abhebung von Haut und Schleimhäuten.

Ein zielgerichteter Behandlungsansatz wäre die Beseitigung der B-Zellen, die die Autoantikörper bilden, besser noch der Gedächtniszellen, die für den chronischen Verlauf der Autoimmunerkrankung verantwortlich sind. Dies ist teilweise mit Rituximab möglich. Die Wirkung ist allerdings begrenzt. Rituximab greift zudem die B-Zellen unabhängig davon an, welche Antikörper sie bilden. 

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Die sogenannte CAR-Technologie könnte die gezielte Elimination der B-Zellen ermöglichen, die einen bestimmten Antikörper bilden. Sie nutzt die Tatsache, dass alle B-Zellen auf ihrer Oberfläche spezielle Rezeptoren haben. Diese B-Zell-Rezeptoren sind mit Antikörpern versehen, die sie im Fall einer Entzündung freisetzen sollen. Der Antikörper am B-Zell-Rezeptor dient dabei als Antenne, die verdächtige Antigene aufspürt. Beim Pemphigus vulgaris ist dies Dsg3.

Die CAR-Technologie macht den B-Zell-Rezeptor selbst zum Angriffsziel. Die Angreifer sind dabei T-Zellen. Ihre normale Aufgabe im Immunsystem besteht in der Vernichtung von Zellen, die mit Viren infiziert sind oder durch neue Antigene als Tumorzellen erkennbar werden. Die T-Zellen erkennen diese Zellen mit Hilfe des T-Zell-Rezeptors. Die CAR-Technologie besteht nun darin, normale T-Zellen des Patienten im Labor mit einem chimärischen Antigen-Rezeptor (CAR) zu versehen, der die Zielzellen erkennt. Um die B-Zellen des Pemphigus vulgaris zu beseitigen mussten die Forscher die T-Zellen mit Dsg3 versehen.

Diese CAR-Technologie wird derzeit in der Behandlung von hämatologischen Tumoren erprobt. Dort werden CAR-T-Zellen so konstruiert, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen. Dies hat bei Leukämien und beim Multiplen Myelom zu ersten Erfolgen geführt.

Ein Team um Aimee Payne und Michael Milone von der Universität von Pennsylvania und Philadelphia hat die Technik jetzt auf den Pemphigus vulgaris angewendet. Ihre CAR-T-Zellen wurden im Labor auf den Angriff von B-Zellen vorbereitet, die auf ihrer Oberfläche Antikörper gegen Dsg3 haben.

Die Forscher führten ihre Experimente an einem Mäusemodell des Pemphigus durch. Bei den Tieren kam es nach der Behandlung zu einem deutlichen Abfall von Dsg3-Antikörpern im Serum und auch in der Haut der Tiere verschwanden die Antikörper, die dort normalerweise die Keratinozyten für das Immunsystem markieren und dadurch die Autoimmun-Attacke auslösen. Auch ein Test, der die Neigung der Haut zur Blasenbildung misst, fiel nach der Behandlung mit den CAR-T-Zellen wieder normal aus. 

In einem nächsten Schritt ist die Behandlung von Hunden geplant. Dort gibt es eine dem Pemphigus vulgaris des Menschen vergleichbare Erkrankung. Sollte die Therapie hier erfolgreich sein, stünde ersten klinischen Studien am Menschen vermutlich nichts im Weg. © rme/aerzteblatt.de

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