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Ärzteschaft

Ambulante Ethikberatung für Ärzte und Patienten in Hessen

Donnerstag, 7. Juli 2016

/dpa

Frankfurt am Main – Eine Initiative zur Beratung bei ethischen Konflikten in der ambulan­ten Versorgung hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen zusammen mit anderen Partnern gegründet. Der Verein „Ambulante Ethikberatung in Hessen“ soll eine Anlaufstelle für ethi­sche Fragestellungen sein. Alle Betroffenen sollen dort Hilfe und Beratung erhalten – ob Patienten, Ärzte, Pfleger oder Angehörige.

Multiprofessionelle Teams aus Vertretern verschiedener ärztlicher Fachrichtungen und Pflegeberufen, ferner Juristen und Theologen, werden nach den Sommerferien zunächst in den hessischen Regionen Marburg/Biedenkopf (modellhaft für einen ländlich struktu­rier­ten Raum) sowie Frankfurt am Main/Offenbach (modellhaft für ein Ballungszentrum) ihre Arbeit ehrenamtlich aufnehmen. Bislang haben sich laut Kammer 27 Personen zu ethischen Beratern qualifizieren lassen.

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„Während Ethikkommissionen in Kranken­häusern inzwischen ihren festen Platz haben, fehlen adäquate Angebote auf ambulanter Ebene“, sagte Kammerpräsident Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, zugleich Vorsitzender des neuen Vereins. Er wies gegen­über dem Deutschen Ärzteblatt daraufhin, dass es gerade in der ambulanten häuslichen Betreu­ung Schwerstkranker immer wieder zu Konflikten zwischen Ärzten, Patienten sowie Be­treu­ern und nahen Angehörigen bei wichtigen Entscheidungen komme, etwa bei The­ra­pie­zieländerungen am Lebensende. Auch bei Betroffenen selbst, deren Tagesablauf aufgrund ihrer Situation oft fremdbe­stimmt sei, entstünden Ängste und Aggressionen.

Hier gelte es, frühzeitig ein Beratungsangebot zu unterbreiten, mit dem die möglichen Interessen des Patienten, aber auch die Vorstellungen derer, die sich um ihn kümmern, herausgearbeitet würde. Eine solche Rolle sollen die allesamt ehrenamtlich tätigen Ver­eins­mitarbeiter nun übernehmen. Sie wurden dazu auf der Grundlage des bundesweit anerkannten Curriculums für stationäre Ethikberatungen geschult. Der Lehrplan wurde den Bedingungen der ambulanten Ethikberatung angepasst.

Vorgesehen ist, dass die Mitarbeiter in kleinen Teams beraten, in dem eine Person die Moderation, eine weitere die Protokollierung des Gesprächs übernimmt. Diese werden den Ratsuchenden zur Verfügung gestellt sowie bei der Lan­des­ärz­te­kam­mer unter Verschluss genommen. Sie dürfen ausschließlich von den Beratern, etwa im Rahmen von Supervisionen, eingesehen werden.

„Die Berater werden unter anderem mit Fragen zu ethischen Konfliktfällen am Lebens­ende von Patienten konfrontiert werden. Auch Uneinigkeiten bei der Behandlung oder in Versorgungsfragen werden auftreten“, so die Einschätzung von Boris Knopf, geschäfts­führender Teamleiter des PalliativTeams Frankfurt gemeinnützige GmbH und Verant­wort­licher für die Modellregion Frankfurt am Main/Offenbach. Als Beispiele nannte er die Ernährung am Lebensende und das Unterlassen von lebensverlängernden Maßnahmen.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen wird den Verein bei der Annahme und Vermittlung von Anfragen unterstützen. Vorausgegangen ist eine rund vierjährige Vorbereitungszeit. Bei der Konzipierung des Projektes standen unter anderem Vertreter von Krankenhaus-Ethikberatungen in Frankfurt und Marburg zur Seite. Das Projekt wird evaluiert. © hil/litt/aerzteblatt.de

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