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Wissenschaftsrat: Augsburg soll Universitätsmedizin erhalten

Montag, 11. Juli 2016

Berlin – An der Universität Augsburg soll eine medizinische Fakultät durch die Umwand­lung eines kommunalen Krankenhauses in eine Universitätsklinik in staatlicher Träger­schaft entstehen. Bereits ab 2018 sollen an dieser – dann 39. Medizinischen Fakultät in Deutschland – im Rahmen eines Modellstudiengangs die ersten Medizinstudierenden aus­gebildet werden.

Diesem bayerischen Projekt erteilte der Wissenschaftsrat bei seiner Sommersitzung in Kiel einstimmig grünes Licht. „Gelingt es, das Konzept wie vorgesehen umzusetzen, ver­bindet sich mit dem Aufbau die Chance, einen in Umweltmedizin und Medizin- und Bio­informatik profilierten, auf eine innovative Ausbildung und die Förderung wissenschaft­lichen Nachwuchses ausgerichteten neuen Standort zu etablieren. Dieser kann zudem Anknüpfungspunkt für eine forschungsnahe Industrie sein, die ärztliche Ausbildungs­kapazität in Deutschland erhöhen sowie die medizinische Versorgung der Region verbessern“, sagte Manfred Prenzel, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, heute in Berlin. Die neue Universitätsmedizin Augsburg habe mittel- und langfristig das Potenzial, die bereits bestehenden fünf universitätsmedizinischen Standorte in Bayern „komple­mentär zu ergänzen“.

Lehrkonzept überzeugte
Prenzel hob dabei insbesondere das Lehrkonzept hervor, das den Rat überzeugt habe. Im Großen und Ganzen setzt es die Empfehlungen des Beratergremiums zur Weiterent­wicklung des Medizinstudiums aus dem Jahr 2014 um. Konkret will die neue medizinische Fakultät in Augsburg bei der Ausbildung von künftigen Ärztinnen und Ärzte von dem klassischen Aufbau eines Medizinstudiums abweichen: Das von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelte „Kompetenzorientierte Augsburger Medizinische CurriculuM“  (KAMM) soll sich in erster Linie an den ärztlichen Rollen und ihren Kompetenzen orientieren und nicht an den traditionellen Fächern.

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Die Vermittlung der Studieninhalte soll fächerübergreifend sowie organ- und themen­zentriert erfolgen. Dabei soll der Studiengang nicht in eine vorklinische Phase und eine klinische Phase gegliedert werden, sondern beide Abschnitte sollen miteinander ver­zahnt werden. Für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sieht das Kon­zept die Etablierung eines strukturierten Promotionsprogramms und eines „clinician scientist“-Programms vor. Dies alles sind Eckpunkte, die der Wissenschaftsrat vor zwei Jahren in seinem Papier zum Aufbau des Medizinstudiums empfohlen hatte.

Innovative Konzepte
Universitätspräsidentin Sabine Doering-Manteuffel sieht in dem positiven Votum des Ra­tes eine Bestätigung für das innovative Lehr- und Forschungskonzept der Universität Augsburg. Für den Aufbau der neuen Universitätsmedizin hatte die Universität Augsburg gemeinsam mit dem Klinikum Augsburg, dem Bayerischen Wissenschaftsministerium und einem internationalen Expertengremium neben dem Lehrkonzept nämlich ferner ein Forschungskonzept entwickelt, das sich an aktuellen Entwicklungen in der Medizin orien­tiert. Die innovativen Forschungsschwerpunkte seien „Medical Information Sciences“ und „Environmental Health Sciences“, erläuterte sie. Sie würden ergänzt durch klassische klinische Bereiche wie die Vaskuläre Medizin oder die Tumormedizin sowie die Transla­tions­forschung.

Im Forschungsfeld „Environmental Health Sciences“ sollen medizinische und umwelt­wissenschaftliche Disziplinen gemeinsam den Zusammenhang zwischen spezifischen Krankheiten und Umweltfaktoren, wie Luftschadstoffen oder Klimawandel, analysieren. Ziel ist es, positive wie negative Einflüsse aus der Umwelt auf die Gesundheit zu identi­fizieren und Präventionsansätze zu entwickeln. Dabei sollen auch gesellschaftliche Einflüsse auf die Entstehung, den Verlauf und die Behandlung von Krankheiten berücksichtigt werden.

Beim Forschungsschwerpunkt „Medical Information Sciences“ soll insbesondere der Gesundheitssektor in der klinischen Forschung und in der Biotechnologie im Fokus stehen. Ein Thema soll unter anderem der Aufbau von neuen, internetbasierten Infra­strukturen für ein lernendes Gesundheitssystem sein.

Der Studienbetrieb soll zum Wintersemester 2018/19 für zunächst 84 Studierende der Humanmedizin beginnen. An die im Jahr 2017 neu zu gründende medizinische Fakultät sollen bis 2023 91 Professorinnen und Professoren berufen werden. In etwa zehn Jahren – in der Endausbaustufe – sollen an der Universitätsmedizin Augsburg etwa 1.500 zu­sätzliche Studierende von etwa 100 zusätzlichen Professoren ausgebildet werden. Dazu soll direkt neben dem jetzigen Klinikum auf einem freien Feld ein neuer Medizincampus entstehen. Dafür rechnet der Freistaat Bayern allein mit Baukosten von 270 Millionen Euro. Zudem sind für das kommende Jahrzehnt 70 bis 100 Millionen Euro jährlich für Stellen und Sachmittel eingeplant.

Politik freut sich über die Entscheidung
Die Politik in Bayern zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Wissenschaftsrats. „Das ist ein sehr positives Votum“, urteilte Bayerns Wissenschaftsminister Ludwig Spaen­le (CSU). Denn die Gründung der medizinischen Fakultät war schon länger ein Wunsch von Augsburg, das die Verantwortung für das kommunale Klinikum abgeben wollte.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprach nach der Entscheidung von einem „Jahrhundertprojekt, das seine Strahlkraft in Schwaben und weit darüber hi­naus entfalten wird“. Nun gelte es, die nächsten Schritte „entschlossen anzugehen“. Er hatte bereits 2009 signalisiert: „Die Uni-Klinik kommt.“ Auch vor einem Jahr versprach er noch­mals öffentlich: „2018 wird der Freistaat die Trä­ger­schaft des Klinikums überneh­men.“ Formell könnte dies sogar noch in diesem Jahr, nach der Zustimmung des baye­rischen Kabinetts, geschehen.

Neue Uniklinik darf nicht zu Lasten bestehender gehen
Die SPD-Fraktion in Bayern begrüßte das positive Votum des Wissenschaftsrats. Der Augsburger SPD-Abgeordnete Harald Güller betonte, nun müssten Kabinett und Land­tag die notwendigen Beschlüsse fas­sen und auch für die Gründung notwendige zusätz­liche Finanzmittel zur Verfügung stel­len. „Wichtig ist für uns nämlich, dass die Neugrün­dung nicht zu Lasten der bestehenden fünf anderen Universitätskliniken in Bayern geht“, mahnte er. „Wir fordern die Staatsregierung auf, spätestens 2017 den Gesetzesentwurf vorzulegen. Und im Entwurf des Doppelhaushalts 2017/18 müssen benötigte Gelder be­reits enthalten sein.“

Zugleich macht sich Güller für die Belange der bisherigen Beschäftigten des Klinikums Augs­burg stark: „Für uns Sozialdemokraten ist besonders wichtig, dass der Freistaat bei der Übernahme der derzeit rund 5.400 Personen seiner Verpflichtung als guter Arbeitge­ber nachkommt“, betonte er. Es dürfe keine Flucht aus Tarifverträgen zum Beispiel durch Outsour­cing von Küche und Reinigungsdienstleistungen geben.

© ER/aerzteblatt.de

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