NewsMedizinChronischer Opioid-Gebrauch: Diese Operationen erhöhen das Risiko
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Chronischer Opioid-Gebrauch: Diese Operationen erhöhen das Risiko

Dienstag, 12. Juli 2016

Knie-OP /dpa

Stanford – Nach einer Operation verlangen Patienten häufiger auch noch Monate später nach Schmerzmitteln – das zumindest lassen Studien aus den letzten vier Jahren vermuten. Gleichzeitig stieg der Verkauf von Opioden in den  USA seit 1999, vor allem bei Nicht-Krebs-Patienten. Welche Eingriffe mit einem erhöhten Risiko für einen anshließend chronischen Opioid-Gebrauch einhergehen und wer besonders gefährdet ist, haben Forscher um Eric C. Sun von der Stanford University in einer retrospektiven Studie untersucht, die heute in JAMA Internal Medicine (doi:10.1001/jamainternmed.2016.3298) erscheint.

Die Ergebnisse geben aber laut der Autoren keinen Anlass dafür, dass Betroffene aus Angst vor einer längerfristigen Opioid-Einnahme auf eine Operation verzichten sollten. Die meisten Eingriffe zeigten kein erhöhtes Risiko. „Ärzte sollten die Opioid-Versorgung aber postoperativ beobachten“, empfiehlt Sun.

Anzeige

Die Forscher untersuchten die Opioid-Versorgung von mehr als 640.000 operierten Patienten, die zuvor noch nicht mit Opioiden behandelt worden waren und verglichen die Daten mit mehr als 18 Millionen nicht-operierten Patienten. Bei den Probanden hatten Ärzte zuvor einen der folgenden elf Eingriffe durchgeführt: einfache Mastektomie, transurethrale Resektion der Prostata (TURP), Katarakt- oder Nasennebenhöhlen-Operation, Kaiserschnittentbindung, offene oder laparoskopische Blinddarm- wie auch Gallenblasenentfernung, Hüft- oder Kniegelenkersatz.

Mit einer Inzidenz von 1,41 % zeigten Patienten nach einer Kniegelenkersatz-Operation am häufigsten einen chronischen Gebrauch von Opioiden. Kaiserschnitt-Patienten hatten mit 0,119 % das geringste Risiko, sogar unter dem Durchschnitt der nicht-operierten Studienteilnehmer, der bei einer Inzidenz von 0,136 % lag. Ein erhöhtes Risiko zeigten zudem diejenigen, die eine künstliche Hüfte erhalten und bei denen Ärzte Brustdrüsen oder die Gallenblase entfernt hatten. Bei den übrigen Eingriffen konnten die Studienautoren keinen überdurchschnittlichen chronischen Opioid-Gebrauch nachweisen.

Gefährdet waren vor allem Männer, ältere Patienten ab dem 50. Lebensjahr und solche, die schon zuvor Drogen- oder Alkoholprobleme hatten. Auch Depressionen in der Zeit vor der Operation, die Einnahme von Benzodiazepinen oder Antidepressiva erhöhten die Wahrscheinlichkeit.

Von einem chronischen Opioid-Gebrauch sprechen die Autoren, wenn die Patienten nach der Operation mindestens zehn weitere Verschreibungen erhalten hatten oder innerhalb eines Jahres mindestens 120 Tage mit den Schmerzmitteln versorgt wurden. Die ersten 90 Tage nach dem Eingriff werden hierbei ausgeschlossen, da Opioide in diesem Zeitfenster erwartungsgemäß häufig zum Einsatz kommen.

Einschränkend sollte erwähnt werden, dass es sich bei der untersuchten Studiengruppe ausschließlich um Privatpatienten im Alter zwischen 18 und 64 Jahren handelte.

© gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

16. September 2019
Bristol – Die Einnahme von Paracetamol in der mittleren bis späten Schwangerschaft, die allgemein als sicher eingestuft wird, war in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Paediatric and Perinatal
Studie: Paracetamol in der Schwangerschaft könnte das spätere Verhalten der Kinder beeinflussen
16. September 2019
New York – Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma, gegen den fast 2.300 Klagen wegen seines süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin anhängig sind, hat Insolvenz beantragt. Mit dem Insolvenzverfahren
Purdue Pharma beantragt Insolvenzverfahren wegen Opioidklagen
10. September 2019
Berlin – Eine in weitem Umfang überarbeitete Leitlinie der Stufe S2k „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“ hat die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)
Neue S2k-Leitlinie zu Diagnose und Therapie neuropathischer Schmerzen
3. September 2019
Leipzig – Ein neues Angebot für Patienten mit chronischen Schmerzen hat das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) eingerichtet. Eine neue Schmerz-Tagesklinik soll die Lücke zwischen ambulanter und
Universitätsklinikum Leipzig eröffnet Schmerz-Tagesklinik
29. August 2019
San Diego – Das Schmerzmittel Tramadol, das zunehmend als sichere Alternative zu anderen Opioiden betrachtet wird, kann offenbar schwere Hypoglykämien auslösen. Dies kam in einer Analyse von
Tramadol könnte Hypoglykämien auslösen
28. August 2019
New York – In der Opiatekrise in den USA ist der Pharmakonzern Purdue einem Medienbericht zufolge zu einer Milliardenzahlung bereit, um einen Großprozess zu vermeiden. Der Sender NBC News berichtete
Purdue wegen Opiatekrise offenbar zu Milliardenzahlung bereit
27. August 2019
Washington – In den USA ist erstmals ein Pharmakonzern im Zusammenhang mit der Opiatekrise zu Schadenersatz verurteilt worden. Ein Gericht im Bundesstaat Oklahoma verurteilte den Hersteller Johnson
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER