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Vermischtes

Ärger bei der Stiftung Gesundheitswissen

Donnerstag, 14. Juli 2016

Berlin – Erst im Oktober 2015 hat der Verband der privaten Kran­ken­ver­siche­rung (PKV-Verband) die gemeinnützige Stiftung Gesundheitswissen ins Leben gerufen. Nun steht sie vor einem Scherbenhaufen: Wie jetzt bekannt wurde, ist Anfang der Woche nicht nur der gesamte wissenschaftliche Beirat geschlossen zurückgetreten. Auch der stell­ver­tretende Vor­sitzende des Stiftungsrates, der Berliner Ärztekammerpräsident Günther Jo­nitz, hat seinen Rücktritt erklärt. Voraus­gegangen waren interne Querelen, die dazu ge­führt hatten, dass sich die Vorstands­vor­sitzende der Stiftung, Odette Wegwarth, und der Träger, der PKV-Verband, von­einander getrennt hatten.

PKV vergibt „einmalige Chance“
„Die PKV hat eine einmalige Chance vergeben, das Problem zu bekämpfen, dass große Teile der Bevölkerung nur über ein unzureichendes Gesundheitswissen verfügen und zu­dem oftmals irreführend informiert werden“, sagte Gerd Gigerenzer, ehemaliger Vor­sitz­ender des wissenschaftlichen Beirats, auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblatts. Der Direktor des Harding Zentrums für Risikokompetenz am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsfor­schung betonte, der wissenschaftliche Beirat fühle sich von der PKV „ge­täuscht“ und „hinters Licht geführt“.

Laut Gigerenzer haben sich die Forscher für die Mitarbeit im wissenschaftlichen Beirat vor rund einem Jahr nur bereiterklärt, weil mit Wegwarth eine ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der Vermittlung von Gesundheitswissen an der Spitze der Stiftung gestanden habe. Zudem habe der PKV-Verband auf Nachfrage des wissenschaftlichen Beirats ver­sichert, dass die Stiftung vollständig unabhängig arbeiten könne. Diese beiden Gründe fie­len nun weg, so Gigerenzer.

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Nachfolger kommt aus dem PKV-Umfeld
Er betonte, mit der geplanten Nachfolge, dem bisherigen Vorsitzen­den der PKV-eigenen Stiftung Zentrum für „Qualität in der Pflege“, Ralf Suhr, kämen nun alle drei Vorstände der Stiftung aus dem Kreis der PKV. Zudem verfüge Suhr nicht über die notwendige wissenschaftliche Exper­tise. Noch vor einem Jahr hatte der PKV-Verband betont, die Stiftung stehe als gemeinnützige Einrichtung „für die Unabhängigkeit von Interessen“. Dies sieht der wissenschaftliche Beirat nun als nicht mehr gegeben an.

Der PKV-Verband habe erfolglos versucht einen internen Konflikt mit Wegwarth, einer international angesehenen Wissenschaftlerin auf dem Gebiet der „Health Literacy“, am Stiftungsrat vorbei zu lösen, bemängelte auch der Berliner Ärzte­kammerpräsident Gün­ther Jonitz. Es sei beim Träger ein „Defizit an Kommunikation und Führungsfähigkeit offen­kundig geworden“. Das habe ihn zum Rücktritt vom stellvertre­tenden Vorsitz des Stiftungsrats bewogen.

Stiftung sucht neue wissenschaftliche Leitung
Der PKV-Verband erklärte sich auf Anfrage für nicht zuständig, zu den Trennungs­grün­den Stellung zu beziehen. Die Stiftung sei unab­hängig, hieß es. Die Stiftung selbst äußerte sich ebenfalls nicht. Man wolle eine neue wissenschaftliche Leitung und qualifizierte Mitarbeiter einstellen, um die wissenschaftliche Arbeit an den Gesund­heitsinformationen fortzuführen, hieß es in einer Mitteilung zur künftigen Aus­richtung. Auch an der Unabhängigkeit soll sich nach Stiftungs­angaben nichts ändern.

Die Stiftung, die mit rund 7 Millionen Euro ausgestattet ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Patientenkompetenz zu stärken. Sie sollte verständ­liche Entscheidungshilfen über Diagnostik- und Therapie-Möglichkeiten anbie­ten, die auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeitet werden. Vorsitzender des Stiftungs­rats ist Rainer Hess, ehemaliger unpartei­ischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundes­ausschusses (G-BA). © may/aerzteblatt.de

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