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Politik

Arbeitsbelastung für Pflegekräfte drastisch gestiegen

Mittwoch, 13. Juli 2016

/dpa

Berlin – Die Arbeitsbelastung für Pflegekräfte an deutschen Krankenhäusern ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen. Das geht aus der Antwort des Statistischen Bundesamts auf eine Anfrage der Linken-Fraktionsvize Sabine Zimmermann hervor. Die Auswertung liegt dem Deutschen Ärzteblatt vor.

Demnach ist die durchschnittliche Fallzahl pro Pflegekraft und Jahr in den Kliniken von 1994 bis 2014 von 45 auf 60 gewachsen. Das ist eine Zunahme der Belastungssteige­rung um 32,7 Prozent. Zugleich ging im selben Zeitraum die Zahl der Pflegekräfte um knapp 7 Prozent von 342.324 auf etwa 318.749 zurück.

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Besonders stark sind die Fälle pro Pflegekraft den Angaben zufolge in Niedersachsen gestiegen, wo die Zahl um knapp 39 Prozent auf 63 zunahm. In Nordrhein-Westfa­len kletterte der Wert um fast 36 Prozent auf 61 und in Brandenburg um rund 30 Prozent auf 61 Fälle pro Pflegekraft.

Parallel sank die Zahl der Pflege-Beschäftigten in Niedersachsen um 15 Prozent auf etwa 26.600 und in Nordrhein-Westfalen um 8,2 Prozent auf rund 73.700 im Jahr 2014. In den Kliniken in Bayern, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern war zwischen 1994 und 2014 hingegen ein leichter Anstieg des Pflegepersonals zu verzeichnen – und zwar um 1,6 bis 3,5 Prozent.

Verfehlte Krankenhauspolitik
Zimmermann warf der Bundesregierung angesichts der Zahlen Fehler in der Kranken­haus­politik vor. „Der Kosten- und Wettbewerbsdruck im Gesundheitssystem wird einseitig zulasten des Pflegepersonals ausgetragen“, sagte sie. Das gehe auf Kosten der Pa­tien­ten. Die steigende Arbeitsbelastung für die Pflegekräfte nannte Zimmermann „un­ver­antwortlich“. Sie betonte, zu einer guten Gesundheitsversorgung im Kranken­haus gehö­re nicht nur die Behandlung durch Ärzte, sondern auch die Patientenversorgung davor und danach – und die werde „von den Pflegekräften geleistet“. „Eine bessere Personal­ausstattung in den Krankenhäusern ist daher dringend nötig“, so Zimmermann.

Sie verwies darüber hinaus auf eine Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeits­me­dizin, die anhand von Daten aus dem Jahr 2012 zeige, dass rund drei Viertel der Kranken­pfle­gekräfte verschiedene Arbeiten gleichzeitig erledigen müssten. Rund zwei Drittel arbeiteten unter starkem Termin- und Leistungsdruck.

Den Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge ist die Zahl der Krankenhausbetten seit 1994 um 19 Prozent auf 500.680 (2014) und die Zahl der Kliniken um 15,3 Prozent auf 1.980 (2014) zurückgegangen. Gleichzeitig stiegen die Fallzahlen von 1994 auf 2014 um rund 23,5 Prozent auf 19,15 Millionen. Die durchschnittliche Verweil­dauer der Patien­ten sank von 12 (1994) auf 7,4 Tage (2014). © may/afp/aerzteblatt.de

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