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Medizin

HIV: Antiretrovirale Behandlung kann Infektion des Partners auch bei Risiko-Sex verhindern

Mittwoch, 13. Juli 2016

dpa

London – In einer europaweiten Kohortenstudie ist es unter fast 900 serodifferenten Paaren – einer war HIV-infiziert, der andere nicht – in keinem Fall zu einer HIV-Übertragung gekommen, obwohl die Paare auf Kondome verzichteten und teilweise riskante Sexualpraktiken betrieben. Die im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 316: 171-181) publizierten Ergebnisse bestätigen die Erkenntnisse aus früheren Untersuchungen, schließen jedoch ein Restrisiko nicht aus.

Die Eidgenössische Kommission für Aidsfragen hatte 2008 als erste darauf hingewiesen, dass ein HIV-Infizierter durch die konsequente Einnahme antiretroviraler Medikamente seinen Partner vor einer Übertragung schützen kann – sofern keine anderen genitalen Infektionen vorliegen, die die HIV-Übertragung begünstigen. Diese Einschätzung sorgte damals weltweit für Aufsehen und die Centers for Disease Control and Prevention sahen sich zu einer Gegenposition veranlasst.

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Spätere Studien bestätigten jedoch die Einschätzung der Schweizer Aids-Experten. Die HPTN 052-Studie, an der 3.500 Paare aus Afrika, Südasien und den USA teilnehmen sollten, wurde 2011 sogar vorzeitig abgebrochen, nachdem eine Zwischenauswertung auf eine 96-prozentige Schutzwirkung hingewiesen hatte. Eine spätere Analyse ergab, dass die wenigen aufgetretenen Infektionen vermutlich auf eine unzuverlässige Medikamenteneinnahme zurückzuführen waren.

Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der PARTNER-Studie bestätigen diese Ergebnisse auch für serodifferente Paare mit einem erhöhten Infektionsrisiko. An der Studie hatten an 75 europäischen Zentren (darunter Berlin, Hamburg, München Köln und Bonn) 1.116 serodifferente Paare teilgenommen, die auf die Verwendung von Kondomen verzich­teten – auch beim Analverkehr, bei dem das HIV-Übertragungsrisiko besonders hoch ist.

Bedingung für die Teilnahme an der Studie war eine effektive Virussuppression durch die Medikamente mit einem Abfall der Viruskonzentration auf unter 200 Kopien/ml. Die Teilnehmer waren sich der Notwendigkeit einer zuverlässigen Einnahme der Medika­mente bewusst, die im weiteren Verlauf der Studie jedoch nicht durch Bluttests überprüft wurde.

Das Team um Alison Rodger von University College London konnte 888 Paare (zu 62 Prozent heterosexuell und zu 38 Prozent Männer, die Sex mit Männern haben, MSM) über einen Zeitraum von 1,3 Jahren beobachten. Während dieser Zeit hatte die Gruppe der MSM etwa 22.000 ungeschützte Sexualkontakte, bei den heterosexuellen Paaren waren es 36.000 ungeschützte Sexualkontakte.

In keinem Fall kam es zu einer Übertragung des HI-Virus. Zehn MSM und ein hetero­sexueller Partner infizierten sich allerdings bei außerpartnerschaftlichen Sexual­kontakten, was durch die genetische Untersuchung der Viren bestätigt wurde. Rodger gibt die Übertragungsrate unter serodifferenten Partnern deshalb mit 0 an. Aufgrund der begrenzten Teilnehmerzahl ist die statistische „Power“ jedoch begrenzt.

Die obere Grenze des 95-Prozent-Konfidenzintervalls schließt nicht aus, dass es bei heterosexuellen Paaren, von denen der Mann HIV-positiv und die Frau HIV-negativ ist, jährlich zu 0,97 Infektionen auf 100 Paare kommt. Bei HIV-positiven Frauen wären in diesem statistischen Worst-Case-Szenario 0,88 Infektionen auf 100 Paare und Jahr möglich. Bei MSM wären es 0,84 Infektionen auf 100 Paare. Die größte Unsicherheit besteht beim rezeptiven Analverkehr mit Ejakulation ins Rektum. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reicht bis 2,7 Infektionen auf 100 Personen und Jahr. Nach zehn Jahren würde das Risiko auf 27 Prozent akkumulieren.

Konkret dürfte das Übertragungsrisiko von der zuverlässigen Einnahme der Medika­mente abhängen. Die Adhärenz war in der Studie  mit 93 bis 97 Prozent sehr hoch, ein Wert, der nach Ansicht vieler Experten in der Praxis selten erreicht wird. Ein anderer Faktor dürfte die partnerschaftliche Treue beziehungsweise die konsequente Benutzung von Kondomen bei außerpartnerschaftlichen Sexualkontakten sein. © rme/aerzteblatt.de

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