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Medizin

Chemotherapie: Olanzapin verbessert Wirkung von Antiemetika

Freitag, 15. Juli 2016

dpa

South Bend – Die zusätzliche Gabe von Olanzapin, einem zur Behandlung der Schizophrenie zugelassenen atypischen Neuroleptikum, hat in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2016; 375: 134-42) die Wirkung einer antiemetischen Therapie der Zytostatika-induzierten Übelkeit verbessert. 

Olanzapin ist aus pharmakologischer Sicht ein unpräziser Wirkstoff. Zu den Angriffs­punkten gehören neben zahlreichen Dopamin-Rezeptoren (D1, D2, D3 und D4) auch die Serotonin-Rezeptoren 5-HT 2c, 3 und 6, der alpha1-adrenerge Rezeptor, der muskarinische Acetylcholinrezeptor und der Histamin 1-Rezeptor. Einige dieser Rezeptoren (insbesondere D2 , 5-HT2c und 3) sind auch an der Pathogenese von Übelkeit und Erbrechen beteiligt, unter der viele Krebspatienten während einer Chemotherapie leiden.

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Die Zytostatika-induzierte Übelkeit wird heute mit einer Kombination aus einem NK1-Rezeptor-Antagonisten (Aprepitant oder Fosaprepitant), einem 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten (wie Ondansetron) und Dexamethason behandelt, die jedoch bei vielen Patienten Übelkeit und Erbrechen nicht verhindert. Nicht wenige Patienten brechen deshalb eine Chemotherapie vorzeitig ab.

Eine vom US-National Cancer Institute finanzierte Studie hat jetzt untersucht, ob eine zusätzliche Gabe von Olanzepin die Ergebnisse verbessern kann. An der Studie beteiligten sich an 46 US-Zentren insgesamt 380 Patienten, die aufgrund einer Krebserkrankung eine hoch-ematogene Chemotherapie erhalten sollten. Alle Patienten wurden vorsorglich mit einer Kombination aus einem NK1-Rezeptor-Antagonisten, 5-HT3-Antagonisten und Dexamethason behandelt. Die Hälfte der Patienten wurde zusätzlich mit Olanzapin (10 mg/die an den ersten vier Tagen des Chemotherapie-Zyklus) behandelt. Primärer Endpunkt der Studie war die Vermeidung einer Nausea.

Dieses Ziel wurde, wie Rudolph Navari von der Indiana University School of Medicine in South Bend und Mitarbeiter mitteilen, bei einer zusätzlichen Gabe von Olanzapin in den ersten 24 Stunden nach Chemotherapiebeginn von 74 Prozent der Patienten erreicht gegenüber 45 Prozent in der Vergleichsgruppe ohne Olanzapin. Auch im Zeitraum von 25 bis 120 Stunden erhöhte Olanzapin (auf 42 Prozent versus 25 Prozent) die Zahl der Patienten, die nicht unter Übelkeit litten. Im gesamten Untersuchungszeitraum von 120 Stunden waren 37 Prozent versus 22 Prozent frei von Übelkeit. 

Auch im sekundären Endpunkt (keine Emesis und keine Verwendung von Notfallme­dikation) war in den drei Zeitspannen ein klarer Vorteil durch Olanzapin erkennbar: 86 versus 65 Prozent, 67 versus 52 Prozent und 64 versus 41 Prozent der Patienten blieben ohne Erbrechen und sie benötigten keine Notfallmedikamente.

Der einzige Nachteil von Olanzapin scheint eine Sedierung zu sein. Etwa 5 Prozent waren am Tag 2 der Chemotherapie stark benommen. Die anderen bekannten Nebenwirkungen von Olanzapin wie eine Gewichtszunahme und ein Typ 2-Diabetes dürften bei der geringen Behandlungszeit keine Rolle spielen. Navari hält Olanzapin deshalb für eine wertvolle Ergänzung in der antiemetischen Therapie, die vielen Krebspatienten Übelkeit und Erbrechen während der Chemotherapie ersparen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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