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Medizin

Antiretrovirale Therapie verhindert HIV-Übertragung beim Stillen

Mittwoch, 20. Juli 2016

dpa

Baltimore – Zwei antiretrovirale Behandlungen haben in einer größeren Feldstudie in Afrika eine Mutter-Kind-Übertragung des HI-Virus weitgehend verhindert. Die Ergeb­nisse, die jetzt auf der 21. International AIDS Conference in Durban/Südafrika vorgestellt wurden, bestätigen die Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), die in ressourcenarmen Ländern HIV-infizierte Mütter trotz des Infektionsrisikos zum Stillen ihrer Kinder ermuntern.

Bei HIV-positiven Frauen ist das HI-Virus regelmäßig in der Muttermilch nachweisbar. Ohne Behandlung der Mutter infizieren sich zwischen 15 und 45 Prozent der Kinder während der Stillzeit. In den entwickelten Ländern wird HIV-infizierten Müttern deshalb dringend geraten, ihre Babies nicht zu stillen. In vielen Entwicklungsländern steht jedoch den Frauen keine Babyersatznahrung zur Verfügung oder es fehlt an sauberem Wasser, um eine hygienisch einwandfreie Babynahrung zuzubereiten. Außerdem benötigen die Kinder in ärmeren Ländern dringend den Immunschutz der Muttermilch. Er ist auf die endemischen Keime angepasst, gegen die die Mutter Antikörper entwickelt hat, die sie an den Säugling weiter gibt.

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Die WHO rät deshalb seit einiger Zeit den HIV-infizierten Müttern in ressourcenarmen Ländern, ihre Kinder zu stillen. Die von den US-National Institutes of Health gesponserte PROMISE-Studie sollte zeigen, ob das Infektionsrisiko durch eine antiretrovirale Thera­pie vermindert werden kann. An der Studie nahmen zwischen Juni 2011 und Oktober 2014 in Südafrika, Malawi, Tansania, Uganda, Sambia, Simbabwe und Indien insgesamt 2.431 HIV-infizierte Mütter und ihre bei Geburt nicht HIV-infizierten Säuglinge teil.

Wegen des hohen Infektionsrisikos wurde in der Studie auf einen Placebo-Arm verzichtet. Statt dessen wurden mehrere unterschiedliche Strategien verglichen, in denen eine antiretrovirale Therapie der Mutter mit einer präventiven Therapie des Säuglings kombiniert wurde.

In einem Behandlungsregime wurden die Mütter auch über die Geburt des Kindes hinaus mit drei antiretroviralen Medikamenten behandelt. Zusätzlich wurde der Säugling in den ersten drei Wochen mit Nevirapin behandelt. In einem zweiten Behandlungs­regime wurde die antiretrovirale Therapie der Mutter eine Woche nach der Entbindung abgesetzt. Das Kind wurde ab der ersten Woche bis zur Ende der Stillzeit mit Nevirapin behandelt.

Beide Strategien waren nach den von Mary Glenn Fowler, Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore, und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen effektiv. In den ersten sechs Monaten infizierten sich 0,3 Prozent der Säuglinge. Nach dem ersten Jahr war die Übertragungsrate lediglich auf 1 Prozent gestiegen. Zwischen den beiden Strategien bestanden keine signifikanten Unterschiede.

Beide Strategien waren auch für die Säuglinge gut verträglich, berichtet die Forscherin. Die Nebenwirkungen für Mutter und Kind seien gering gewesen und fast 99 Prozent der Kinder hätten ihren ersten Geburtstag erlebt, was in den Ländern, in denen die Studie durchgeführt wird, normalerweise auch bei Kindern nicht-infizierter Mütter selten ist. Die gute medizinische Betreuung, die die Mutter-Kind-Paare im Rahmen der Studie erhalten haben, dürfte hier eine Rolle gespielt haben. © rme/aerzteblatt.de

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