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Medizin

Herzinfarkt: Höhere Bildung kann vor Herzinsuffizienz schützen

Donnerstag, 21. Juli 2016

Bergen/Norwegen – Menschen mit einem niedrigen Bildungsniveau kommen offenbar mit den Folgen eines Herzinfarktes schlechter zurecht als andere. Laut einer Studie im European Journal of Preventive Cardiology (2016; doi: 10.1177/2047487316655910) entwickeln sie häufiger eine Herzinsuffizienz, die in bildungsfernen Schichten dann mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden ist.

Die Erfolge in der Behandlung des Herzinfarktes, der dank Stents und Medikamenten häufiger überlebt wird, hat dazu geführt, dass mehr Menschen später eine chronische Herzinsuffizienz entwickeln. Sie ist Folge eines narbigen Umbaus des Herzmuskels (Remodeling), der durch Stents und Medikamente nicht verhindert werden kann.

Ein gesunder Lebensstil und die konsequente Behandlung von Begleiterkrankungen kann nach Überzeugung vieler Kardiologen jedoch helfen, die Spätfolgen des Herzinfarktes wenn nicht zu vermeiden, so doch hinauszuzögern. Menschen mit geringem Bildungsniveau gelingt dies offenbar nicht so gut, wie eine Analyse des CVDNOR-Projekts (für Cardiovascular Disease in Norway) zeigt.

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Die Studie umfasst 70.506 Patienten im Alter von 35 bis 85 Jahren, die in den Jahren 2001 bis 2009 in einem norwegischen Krankenhaus behandelt wurden und zu Beginn nicht an einer Herzinsuffizienz litten. Später wurde die Komplikation dann bei 17,7 Prozent der Patienten diagnostiziert.

Die Analyse von Gerhard Sulo, Universität Bergen, und Mitarbeitern ergab nun, dass Patienten, die die Oberstufe oder eine Berufsschule erfolgreich abgeschlossen hatten, zu 9 Prozent seltener an einer Herzinsuffizienz erkrankten (Inzidenzrate IRR 0,91; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,87-0,94). Bei Hochschulabsolventen war das Risiko sogar um 20 Prozent (IRR 0,80; 0,75-0,86) vermindert.

Bei weiteren 11,8 Prozent der Patienten war es zu einem fortgeschrittenen Herz­versagen oder zum Herztod gekommen. Patienten mit sekundärem Bildungsabschluss erlitten dieses Schicksal zu 14 Prozent seltener (Hazard Ratio HR 0,86; 0,82-0,91), bei einem tertiären Bildungsabschluss war das Risiko um 27 Prozent (HR 0,73; 0,66-0,80) vermindert.

Bildung schützt natürlich nicht per se vor Spätkomplikationen des Herzinfarktes, schreibt Sulo, sie stehe jedoch für eine Häufung von ungünstigen Merkmalen. Patienten mit geringerer Bildung würden die medizinische Versorgung zögerlicher in Anspruch nehmen oder sie hätten einen schlechteren Zugang zu einer Facharztbehandlung. Bildungsmangel gehe aber auch häufig mit einer ungesunderen Lebensweise und häufigeren Begleiterkrankungen einher, die das Risiko auf die Entwicklung einer Herzinsuffizienz erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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