NewsMedizinEMA: Grünes Licht für Truvada in der Präexpositions­prophylaxe
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

EMA: Grünes Licht für Truvada in der Präexpositions­prophylaxe

Freitag, 22. Juli 2016

dpa

London – Vier Jahre nach der US-amerikanischen FDA hat auch die Europäische Erzmittel-Agentur EMA die Zulassung der Kombination Emtricitabin/Tenofovir (Truvada) für die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zugelassen.

Die Zulassung von Truvada zur PrEP war lange überfällig. Die iPrEx-Studie hatte bereits 2010 gezeigt, dass HIV-negative Männer oder Transgender, die Sex mit Männern haben, ihr Infektionsrisiko um 44 Prozent senken können, wenn sie täglich eine Tablette Truvada einnehmen (NEJM 2010; 363:2587-2599). Später hatte die Partners PrEP-Studie gezeigt, dass sich auf diese Weise auch Heterosexuelle vor einer Ansteckung schützen können. Truvada senkte hier das Infektionsrisiko um 75 Prozent (NEJM 2012; 367: 399-410). 

Anzeige

Anders als in den USA wurde in Europa jedoch lange auf die „Vernunft“ gesetzt. Die Risikopersonen sollten sich regelmäßig testen lassen und eine Infektion durch die konsequente Verwendung von Kondomen verhindern. Die Erkenntnis, dass die HIV-Epidemie auf diese Weise nicht zu stoppen ist, setzte sich erst langsam durch. Off-Label war die PrEP in Europa schon seit längerem möglich. Tenofovir ist seit 2002 und Emtricitabin seit 2003 zugelassen, die Kombination Truvada kam 2005 auf den Markt.

Die Deutsche AIDS-Hilfe begrüßte die Entscheidung der EMA. Sie bilde die Grundlage dafür, dass die PrEP auch in Deutschland verfügbar wird. Die Geschäftsführerin Silke Klumb kritisierte gleichzeitig die hohen Kosten der Behandlung, die die Betroffenen vermutlich selbst tragen müssen. Die Packung Truvada mit 30 Tabletten kostet derzeit 819,49 Euro, was für die meisten nicht erschwinglich sein dürfte. Die Aids-Hilfe forderte den Hersteller deshalb zu einer Preissenkung auf.  

Laut dem Hersteller ist Truvada derzeit in Australien, Kanada, Kenia, Peru, Südafrika und den USA zur Präexpositionsprophylaxe zugelassen. In Brasilien, Taiwan und Thailand werde eine baldige Entscheidung der Behörden erwartet.

Auf der 21. International Aids Conference in Durban hatten mehrere Länder über positive Erfahrungen mit der Präexpositionsprophylaxe berichtet. So sanken in San Francisco und in New South Wales die Infektionszahlen unter Männern, die Sex mit Männern haben. Thailand kündigte an, sein Programm ausbauen, Südafrika bietet die Präexpositionsprophylaxe mittlerweile für Sexarbeiterinnen an. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

27. August 2020
Boston – Eine 66-jährige Frau aus Kalifornien könnte der dritte Mensch sein, der eine HIV-Infektion überwunden hat. Anders als der Berliner Patient Timothy Brown und der Londoner Patient Adam
Ist eine Spontanheilung von HIV möglich? Elite-Controller schicken Virusgene in die Wüste
24. August 2020
Wiesbaden – In Hessen sind im laufenden Jahr bis Mitte Juli knapp 100 neue Diagnosen einer HIV-Infektion registriert worden. Das teilte das Sozialministerium in Wiesbaden auf eine parlamentarische
Knapp 100 HIV-Neudiagnosen in Hessen
30. Juli 2020
Berlin – Trotz der schwelenden Pandemie sollte Prostitution aus Sicht der Deutschen Aidshilfe zügig wieder erlaubt werden – in Bordellen, mobil und auf der Straße. Entsprechende Hygienekonzepte lägen
Aidshilfe: Prostitution trotz Corona wieder zulassen
14. Juli 2020
Paris – Die Coronapandemie könnte in ärmeren Ländern nach Einschätzung von Experten zu einem drastischen Anstieg der Todesfälle auch durch Malaria, HIV und Tuberkulose führen. In Gebieten, in denen
Experten befürchten allgemeinen Anstieg tödlicher Infektionskrankheiten
10. Juli 2020
Berlin – Die Deutsche Aidshilfe hat zum Ende der Internationalen Aids-Konferenz „AIDS2020: virtual“ vor einer Katastrophe im weltweiten Kampf gegen HIV gewarnt. Der Vorstand der Deutschen Aidshilfe
Aidshilfe warnt vor Katastrophe im Kampf gegen HIV
6. Juli 2020
Genf – Die Weltgemeinschaft hat ihre selbst gesetzten Ziele im Kampf gegen HIV und Aids verfehlt. Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus
Kampf gegen HIV und Aids: Nicht auf Kurs
17. Juni 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat die S1-Leitlinie „Neurosyphilis“ neu aufgelegt. Grund sind steigende Zahlen. 2018 hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 7.332 Fällen einen
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER