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Zika: Erstes Baby mit Schädelfehlbildung in Europa geboren

Montag, 25. Juli 2016

Barcelona – Erstmals ist in Europa ein Baby mit den typischen Missbildungen nach einer Zika-Infektion der Mutter geboren worden. Es handele sich um den ersten Fall eines Neu­geborenen mit der vom Zika-Erreger verursachten Mikrozephalie in Europa, sagte der Leiter der Neonatologie-Abteilung des Krankenhauses, Félix Castillo, gestern der Nachrichtenagentur efe. Das Kind sei in Barcelona mit einer Schädel- und weiteren Fehlbildungen auf die Welt gekommen, teilten die zuständigen Ärzte der Entbindungs­station des Krankenhauses Vall d'Hebrón in der nordostspanischen Stadt mit.

Die Mutter habe sich auf einer Lateinamerikareise mit dem von Mücken übertragenen Erreger infiziert, hieß es. Sie habe nicht abtreiben wollen. Die Fehlbildungen bei dem Ungeborenen seien bereits im Mai während der 20. Schwangerschaftswoche festgestellt worden.

Das Baby sei per Kaiserschnitt zur Welt gekommen und befinde sich, ebenso wie die Mutter, in gutem Zustand. Das Gehirn des Kindes werde aber „wahrscheinlich nicht gut funktionieren“, so dass es „auf Betreuung angewiesen“ sein werde, so Castillo. Das Ausmaß der neurologischen Schäden könne man allerdings noch nicht vorhersagen.
Um die Intimsphäre der Familie zu schützen, wurden unter anderem weder die Identität noch das Geschlecht des Kindes bekannt.

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Forscher hatten gestern in einer im Fachmagazin Nature Microbiology veröffentlichten Studie (doi: 10.1038/nmicrobiol.2016.126darauf hingewiesen, dass wegen des Zika-Virus zehntausende Kinder mit Miss­bildungen auf die Welt kommen könnten. Bis zum Ende der derzeitigen Epidemie könnten sich 93,4 Millionen Menschen mit dem Virus infizieren, unter ihnen 1,65 Millionen schwangere Frauen, heißt es in der Studie.

In den besonders gefährlichen ersten Wochen einer Schwangerschaft würden ein bis 13 Prozent der Föten von infizierten Frauen eine sogenannte Mikrozephalie oder andere Komplikationen entwickeln, schreiben die Forscher aus den USA, Großbritannien und Schweden. Das bedeute, dass in Lateinamerika und in der Karibik „zehntausende“ Babys betroffen sein könnten, sagte Alex Perkins von der Universität Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana.

Die auf einem mathematischen Modell beruhende Schätzung sei ein „Worst-case-Sze­na­rio“, sagte Perkins. Es sei aber „realistisch“. Die Zahlen seien zwar nicht sehr konkret, gä­ben aber immerhin eine Vorstellung von der Größenordnung der Folgen der Zika-Epi­­demie.

Das durch Stechmücken übertragene Zika-Virus grassiert derzeit in Süd- und Mittel­amerika, besonders betroffen ist Brasilien. Das Virus kann bei ungeborenen Kindern unter anderem Mikrozephalie auslösen, eine Fehlbildung, bei der Babys mit einem ab­normal kleinen Kopf und damit einhergehenden Hirnschäden auf die Welt kommen. Allein in Brasilien kamen bislang 1.700 Babys mit Missbildungen auf die Welt.

Die Epidemie hat auch gewaltige Sorgen mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro geweckt. Aus Angst vor dem Zika-Virus ergreifen viele Länder Vor­sichts­maßnahmen, mehrere prominente Sportler sagten aber auch schon ihre Teilnahme des­wegen ab. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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