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Medizin

Depression: Kostengünstigere Alternative zur kognitiven Verhaltenstherapie in Studie gleichwertig

Montag, 25. Juli 2016

dpa

Exeter – Eine einfache und kostengünstige Alternative zur kognitiven Verhaltenstherapie hat in einer randomisierten Vergleichsstudie im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)31140-0) eine gleich gute Wirkung erzielt wie die Standardtherapie.

Eine kognitive Verhaltenstherapie erzielt bei Patienten mit Major-Depression eine gleich gute Wirkung wie Medikamente und im Gegensatz zu den Antidepressiva hält die Wirkung über das Ende der Behandlung hinaus an. Die Wirkung ist jedoch komplex und in hohem Maße von der Erfahrung des Therapeuten abhängig, so dass sie nicht von medizinischem Hilfspersonal durchgeführt werden kann. Die „behavioural activation“ (BA), die aus einer Komponenten-Analyse der kognitiven Verhaltenstherapie entstanden ist, versucht die psychologische Beratung auf einen Kern zu reduzieren.

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Wie die kognitive Verhaltenstherapie sollen die BA-Techniken die depressiven Verhal­tensweisen identifizieren, deren Auslöser und Konsequenzen analysieren und die Patienten zu alternativen Verhaltensweisen motivieren. Deren Ziel es ist dann, die Patienten von dem ständigen Grübeln abzuhalten. Jonathan Kanter von der Universität von Washington in Seattle bringt die Botschaft für den Patienten im Editorial wie folgt auf den Punkt: „Das Leben wird dir immer wieder Hindernisse in den Weg legen, die dich emotional in den Keller ziehen. Wenn dies droht, bleib trotzdem aktiv. Gib nicht auf. Ich werde dir helfen, wieder aktiv zu werden.“

Um diese Botschaft zu vermitteln, muss man kein ausgebildeter Psychotherapeut sein. Die BA-Technik kann auch von Ärzten und vielleicht auch von examiniertem Pflegepersonal erlernt werden. In der britischen COBRA-Studie erlernten Nachwuchs­kräfte (junior mental health workers), die bisher keine Erfahrung in der Psychotherapie hatten, die BA-Technik in einem fünftägigen Seminar. Sie behandelten daraufhin 221 Patienten mit Major-Depression. In einer Vergleichsgruppe erhielten 219 Patienten eine kognitive Verhaltenstherapie von einem ausgebildeten Psychotherapeuten, dessen Kenntnisse in einem Seminar aufgefrischt wurden.

Die Patienten erhielten in beiden Gruppen über einen Zeitraum von 16 Wochen insgesamt 20 Behandlungen – mit der Option von vier weiteren Sitzungen, wenn der Patient dies wünschte. Primärer Endpunkt war die Veränderung im Fragebogen PHQ9, einem Screeninginstrument zur Diagnose der Depression.

Wie David Richards von der Universität Exeter in England und Mitarbeiter berichten, erzielten beide Therapien gleich gute Wirkungen. Ein Jahr nach dem Beginn der Behandlung war der PHQ9-Score in beiden Gruppen bei rund zwei Dritteln der Teilnehmer um 50 Prozent oder mehr gesunken. Auch die Anzahl der Tage, an denen die Patienten depressive Symptome hatten, und die Zahl der Patienten mit Angst­zuständen war in beiden Gruppen gleich. Im BA-Arm unternahmen drei Patienten einen Suizidversuch (2 Überdosierungen, 1 Selbstverletzung), nach der kognitiven Verhaltenstherapie waren acht Personen suizidal (sieben mit Überdosierungen und einer durch Selbstverletzung).

Richards schließt daraus, dass die BA der kognitiven Verhaltenstherapie nicht unterlegen ist (Non-Inferiorität), unter Kostenaspekten könnte es sogar die günstigere Variante sein. Die Kosten für die BA betrugen im Durchschnitt 974,81 Pfund gegenüber 1.235,23 Pfund nach einer kognitiven Verhaltenstherapie. Der eigentliche Vorteil könnte jedoch darin bestehen, dass die Behandlung ohne ausgebildete Psychotherapeuten auskommt, an denen in vielen Ländern ein Mangel herrscht, so dass die meisten Patienten mit Medikamenten behandelt werden müssen. © rme/aerzteblatt.de

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