NewsMedizinTau-Proteine wandern über den extrazellulären Raum
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Tau-Proteine wandern über den extrazellulären Raum

Dienstag, 26. Juli 2016

New York – Die bei der Alzheimerkrankheit typischen Tau-Proteine wandern über den extra­zellulären Raum und könnten so andere Zellen infizieren. Möglicherweise spielt dies eine Rolle bei der Pathogenese der Erkrankung, meinen Forscher um Karen Duff vom Taub Institute for Research on Alzheimer's Disease and the Aging Brain. In Nature Neu­ro­science berichtet die Arbeitsgruppe entsprechende Ergebnisse (2016; doi: 10.1038/nn.4328).

Neben den typischen Amyloidablagerungen im Gehirn bilden sich beim Morbus Alzheimer auch sogenannten neurofibrilläre Tangles aus Tau-Protein. Das Protein stabilisiert physiologischerweise Neurofilamente. Im Krankheitsfall kommt es zu einer Hyperphosphorylierung der Proteine, sodass sie aggregieren und die Zellfunktion stören. Bisher bleibt unklar, ob diese Proteinablagerungen eine relevante Rolle beim Neuronenuntergang spielen oder lediglich eine Folge von diesem sind. Es gibt jedoch laborexperimentelle Hinweise, dass hyperphosphorylierte Tau-Proteine, ähnlich wie Prionen, anderen Proteinen ihre Form aufzwingen und den Krankheitsprozess beschleunigen (doi: 10.1523/JNEUROSCI.2642-12.2013).

In der vorliegenden Studie konnten die Forscher anhand von Zellkulturen zeigen, dass überschüssige Tau-Proteine von Neuronen in den extrazellulären Raum sezerniert werden. Sie stellten fest, dass Knockout-Neuronen, die selbst kein Tau bildeten, die Proteine aufnahmen. Nachdem die Wissenschaftler diesen Weg der Proteine nachvollzogen hatten, prüften sie die Rolle des Proteins im Tiermodell.

Anzeige

Bei genetisch modifizierten Mäusen triggerten sie über optogenetische und chemische Verfahren die neuronale Aktivität. Es zeigte sich, dass sich durch die Stimulation die Wanderung der Tau-Proteine verstärkte und sich zudem die Neurodegeneration beschleunigte.

Falls extrazelluläre wandernde Tau-Proteine tatsächlich den Krankheitsprozess verstärken, könnte dies interessante klinische Implikationen haben. So könnten extrazelluläre Proteine beispielsweise durch Antikörper abgefangen werden, meinen die Forscher. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2019
Berlin – Alzheimer-Demenz muss endlich vom „Stigma der unbehandelbaren Krankheit“ befreit werden. Dazu haben Experten in Berlin im Vorfeld des Welt-Alzheimer-Tages aufgerufen. Bei beginnender Demenz
Alzheimer ist keine unbehandelbare Krankheit
28. August 2019
Mainz – Das ZDF plant ein eigenes Projektformat mit einem Chor aus demenzkranken Menschen. Angeleitet von professionellen Musikern, unterstützt von ihren Familien und Freunden und medizinisch
ZDF plant Sendeformat mit Demenzkranken-Chor
26. August 2019
Den Haag – In den Niederlanden muss sich von heute an erstmals ein Arzt in einem Sterbehilfefall vor Gericht verantworten. Obwohl eine 74-jährige Demenzpatientin unterschiedliche Angaben zu ihrem
Erstes Gerichtsverfahren gegen Arzt wegen Sterbehilfe in Niederlanden
21. August 2019
London – Ein erhöhter Blutdruck ist eine wichtige vermeidbare Ursache von Demenzen im Alter. Eine Langzeitstudie in Lancet Neurology (2019; doi: 10.1016/S1474-4422(19)30228-5) zeigt jetzt, dass sich
Hypertonie: Blutdruck ab dem Alter von 36 Jahren beeinflusst späteres Demenzrisiko
9. August 2019
Madison/Wisconsin/Paris – Angestellte im Londoner Regierungsbezirk Whitehall, die mit 50 Jahren 7 kardiologische Lebensregeln („Simple 7“) befolgten, erkrankten im höheren Alter deutlich seltener an
Kardiale Fitness schützt vor Demenzen
8. August 2019
London – Soziale Aktivitäten im mittleren und höheren Lebensalter könnten ein Baustein sein, um Demenz vorzubeugen. Das berichten Wissenschaftler um Andrew Sommerlad vom University College London in
Soziale Kontakte im mittleren und späten Lebensalter könnten Demenzrisiko senken
6. August 2019
Rotterdam – Der Hämoglobinwert beeinflusst das Demenzrisiko von Senioren. Als ungünstig erwiesen sich in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Neurology (2019; doi: 10.1212/WNL.0000000000008003)
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER