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Medizin

Herzkreislauf-­Erkrankungen: Astronauten haben ein erhöhtes Risiko

Freitag, 29. Juli 2016

Weltraumanzug /Rike pixelio.de

Tallahassee – Die kardiovaskuläre Mortalität ist bei Astronauten, die außerhalb der Magnetosphäre der Erde waren, viermal höher verglichen mit Astronauten, die nur in erdnahen Umlaufbahnen waren. Ein fünfmal höheres Risiko zeigen Menschen, die nie im Weltall waren. Zu diesem Ergebnis, das vorherigen Studien widerspricht, kommt eine Studie, die heute von Forschern der National Aeronautics and Space Administration (NASA) in Scientific Reports (DOI: 10.1038/srep29901) erschienen ist.

Die untersuchte Gruppe der Astronauten, die sich nur in erdnahen Umlaufbahnen (englisch: low earth orbit, LEO) bewegten, umfasste fünf Frauen und 30 Männer. Außerhalb der Magnetosphäre konnten die Autoren sieben Männer in die Auswertung einbeziehen. Die Kontrollgruppe bestand aus drei weiblichen und 32 männlichen Astronauten, die noch nie im Weltall waren.

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Keine Unterschiede in der Sterblichkeit aufgrund kardiovaskulärer Erkrankungen fanden die Forscher um Michael D. Delp von der Florida State University, Tallahassee hingegen zwischen LEO-Astronauten und denen, die nie im Weltall waren. Auch das Risiko, an Krebs zu sterben war zwischen den drei Gruppen gleich groß. Um die Ursachen für das erhöhte Risiko außerhalb der Magnetosphäre zu bestimmen, setzten die Autoren 44 Mäuse für 14 Tage einer simulierten Schwerelosigkeit ("Hindlimb unloading"-Model, HU) und/oder Strahlung von einem Gray 56Fe aus. Nach sechs bis sieben Monaten, was in etwa 18 bis 20 Menschenjahren entspricht, untersuchten sie das Gewebe und fanden nachhaltige vaskuläre Dysfunktion der Endothelzellen – jedoch nicht bei den Mäusen, die ohne Strahlung ausschließlich der Schwerelosigkeit ausgesetzt waren. Diese Fehlfunktion der Zellen kann zu einer arteriellen Verschlußkrankheit führen. 

Bisher wurden vier Studien publiziert, die die Sterblichkeit von Astronauten untersucht haben. Jedoch gaben alle Studien Hinweise darauf, dass das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko bei Astronauten niedriger ist. „In dieser Studie wurden erstmals zum Vergleich Astronauten herangezogen, statt normale US-Bürger“, erklärt Sonja Schrepfer vom Universitären Herzzentrum Hamburg (UHZ), die derzeit in einem gemeinsamen Projekt mit der NASA in San Francisco den Einfluss die Schwerelosigkeit auf das kardiovaskuläre System untersucht.

Die Kontrollgruppe habe die Ergebnisse vorangegangener Studien verfälscht, vermutet Schrepfer. „Denn wir wissen, dass Astronauten andere biomedizinische Voraussetzungen mit sich bringen, die für eine bessere Gesundheit sorgen.“ Sie verdienen mehr als der durchschnittliche US-Bürger, haben eine bessere Bildung, sind körperlich fitter und haben lebenslangen Zugang zur Gesundheitsversorgung. „Die aktuellen Ergebnisse sind daher aussagekräftiger als die, der vorangegangen Studien“, ist sich die Forscherin aus Hamburg sicher.  © gie/aerzteblatt.de

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Avatar #661708
Haiko
am Freitag, 29. Juli 2016, 22:28

Strahlung und kardiovaskuläre Mortalität

...schon in Tschernobyl-Studien ein nachgewiesener Zusammenhang. Gab es auch noch die Kontrollgruppe Mäuse, die nur der Strahlung ausgesetzt wurde? Und auch einen Schwellenwert?
LNS

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