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Nykturie: Unterschätztes Symptom anderer Störungen

Mittwoch, 27. Juli 2016

Waschraum /Rainer Sturm pixelio.de

Düsseldorf – Urologen warnen vor den unterschätzen Folgen der Nykturie. Regel­mäßige Unterbrechungen des Nachtschlafes zum Wasserlassen seien häufig ein Alarmsignal für behandlungsbedürftige Erkrankungen, wie etwa Herzinsuffizienz oder Diabetes.

„Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung, vorrangig des Mannes, abgetan, obwohl es der Abklärung der Ursachen bedarf“, sagt Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU). Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache von Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und Lebenserwartung der Betroffenen resultieren. Anders als vielfach angenommen, sind Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen.

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Häufigkeit Nykturie
Zuverlässige aktuelle Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht. Nach älteren Studien leiden mehr als 60 % aller Menschen von 70 und mehr Jahren an einer behandlungsbedürftigen Nykturie, die die Betroffenen zwei Mal oder öfter pro Nacht zum Wasserlassen treibt. Fortgeschrittenes Alter ist zwar ein wesentlicher Faktor für Nykturie, bewahrt aber jüngere Menschen nicht davor. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder fünfte bis sechste betroffen – Frauen öfter als Männer.

„Nykturie ist keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern Symptom anderer körperlicher Störungen“, sagt Stephan Roth, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Wuppertal. Die Ursachen des nächtlichen Wasserlassens können im Bereich der Urinproduktion sowie im System der Speicherung und Ableitung des Harns liegen. Bei zahlreichen Nykturie-Patienten liegt eine nächtliche Polyurie vor. Sie scheiden nachts mehr als den sonst üblichen Anteil der 24-Stunden-Urinmenge aus. Dieser liegt bei jüngeren Menschen bei bis zu 20 %, jenseits der 65 bei bis zu 33 %. Bei anderen Patienten wird eine reduzierte Kapazität der Harnblase festgestellt, die zur häufigeren Entleerung kleinerer Mengen nötigt. Besonders bei älteren Menschen fallen oft mehrere Faktoren zusammen, die für eine Nykturie ursächlich sein können: Dazu gehören die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, erhöhte Restharnvolumina, Veränderungen am Detrusormuskel, niedrige Konzentration des Antidiuretischen Hormons (ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata.

Ursachen abklären
„Bei einer Polyurie ist es notwendig, die Ursachen der erhöhten nächtlichen Urin­produktion abzuklären“, so Roth. Infrage kommen eine Herzinsuffizienz, für die ein Übermaß an auszuscheidendem Gewebewasser ein Indiz wäre; auch ein Diabetes, ein erhöhter systolischer Blutdruck oder Störungen der Nierenfunktion können sich, ebenso wie Medikamente, auf die Urinproduktion auswirken.

Schnarchen, das mehr als die Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer, die sogenannte Schlafapnoe, sind eng verbunden mit der Nykturie, die sogar als ein Leitsymptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird die Schlafstörung behandelt, bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Als weiterer Risikofaktor für Nykturie wird Übergewicht betrachtet.
 
Folgen der Nykturie
Schlafstörungen führen oft zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Verminderung der geistigen Leistung und Kopfschmerzen. In manchen Fällen können Depressionen die Folge sein. Dänische Forscher ermittelten, dass Nykturie die Arbeitsproduktivität um bis 24 % senken kann. Besonders ältere Menschen haben erhöhte Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Für herzkranke Patienten wird bei gleichzeitiger Nykturie von einem erhöhten Mortalitätsrisiko ausgegangen.

Das unterschätzte Volksleiden thematisiert die Fachgesellschaft auch auf dem 68. DGU-Kongress, der vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in Leipzig stattfindet. © gie/aerzteblatt.de

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