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Politik

Krankenhausaufent­halte variieren stark nach Bundesländern

Freitag, 29. Juli 2016

/dpa

Berlin – Die Anzahl der Krankenhausfälle hat sich im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert. Wurden im vergangenen Jahr 218,3 pro 1.000 Versicherte im Kranken­haus behandelt, waren es 2014 noch 218,6 gewesen. Seit 2006 ist die Fallzahl hingegen von 203,8 pro 1.000 Versicherte um 7 Prozent angestiegen. Das geht aus dem Barmer GEK-Krankenhausreport 2016 hervor, der kürzlich in Berlin vorgestellt wurde. Mit 229,5 Behandlungsfällen waren Frauen dabei häufiger im Krankenhaus als Männer mit 215,7 Fällen.

Im Gegenzug verursachen Frauen weniger Kosten während einer Krankenhaus­behand­lung als Männer. So kostete der vollstationäre Aufenthalt im vergangenen Jahr je weib­lichen Versicherten im Durchschnitt 882 Euro und je männlichen Versicherten 917 Euro.

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Etwa konstant geblieben ist im vergangenen Jahr die Verweildauer während eines Kran­kenhausaufenthaltes. In den vergangenen zehn Jahren ist sie hingegen deutlich gesun­ken: von 8,7 Behandlungstagen im Jahr 2006 auf 7,7 Behandlungstage im Jahr 2015.

Die häufigsten Anlässe für einen Kranken­haus­auf­enthalt waren im vergangenen Jahr Herzinsuffizienzen (mit 43,9 Fällen je 10.000 Versicherte), gefolgt von der Diagnose Vor­hofflattern und Vorhofflimmern (37,9 Fällen je 10.000 Versicherte) und der Diagnose psy­chische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (37,1 Behandlungsfällen je 10.000 Versicherte).

Die regionalen Unterschiede bei den Kranken­haus­auf­enthalten sind innerhalb Deutsch­lands nach wie vor hoch. Während in Baden-Württemberg im Jahr 2015 nur 188,3 von 1.000 Personen im Krankenhaus vollstationär behandelt wurden, waren es in Nordrhein-Westfalen 240,5 und in Thüringen 241,1. Große Unterschiede gab es auch bei den Kos­ten je Versicherten. Sie schwankten zwischen 780 Euro in Baden-Württemberg und 960 Euro in Thüringen.

Gründe für die regionalen Unterschiede nannte Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfä­li­schen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), einer der Autoren der Studie. „Dabei spielt das höhere Einkommen eine Rolle, das mit einer besseren Gesundheit korreliert“, sagte er bei der Präsentation des Reports. Zudem gebe es in Baden-Württemberg eine besse­re ambulante Versorgungsdichte. Und schließlich seien kulturelle Unterschiede aus­schlag­gebend. „In der DDR gab es viele Polikliniken. Wenn man krank war, ging man nicht zum Arzt, sondern ins Krankenhaus“, erklärte er. © fos/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 30. Juli 2016, 13:22

Krhs.-Report 2016 mit Milchmädchenrechnungen!

Prof. Dr. Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), einer der Autoren des Barmer GEK-Krankenhausreports 2016, ist Wirtschaftswissenschaftler und Mathematiker. Und das ist auch gut so, wenn es um Zahlen, Daten, Fakten geht.

Doch wenn seit 2006 die Zahl der Krankenhausfälle von 203,8 pro 1.000 Versicherte angeblich um etwa 7 Prozent auf 218,3 pro 1.000 Versicherte im Jahr 2015 angestiegen sein soll, ist das, wie ich schon mehrfach bei früheren Krankenhaus-Reports kommentiert habe, eher eine für die Autorenschaft peinliche "Milchmädchenrechnung": Das sind in 10 Rechnungsjahren (2006 u n d 2015 zählen mit) ein jährlicher "Anstieg" von nur 0,7 Prozent. Dieser ist durch den demografischen Faktor bzw. die Weiterentwicklung von Medizin, Technik, Pharmazie (Überalterung, Multimorbidität, Zuzug ausländischer Mitbürger/-innen bzw. höhere Anspruchshaltung, mehr diagnostische/interventionelle Möglichkeiten etc. allein gar nicht ausreichend abgebildet. Es kamen zunehmende Arbeitsverdichtung, Pflegenotstand, Liegezeitverkürzung, Rationalisierung und Rationierung in dieser Dekade hinzu. Anders ließe sich ein derart geringer Anstieg von Krankenhausleistungen um 0,7 Prozent pro Jahr gar nicht ausreichend erklären!

Stutzig machen auch die angeblich so großen Unterschiede bei den stationären Krankenhaus-Kosten je Versicherten: Diese sind doch eher klein. Zwischen 780 Euro in Baden-Württemberg und 960 Euro in Thüringen liegt der Mittelwert für alle Bundesländer etwa bei 870 €. Die Abweichungen davon betragen grob gerechnet plus/minus 10 Prozent!

Weitere rechnerische Ungereimtheiten: Die Kosten während eines vollstationären Krankenhaus-Aufenthalts sollen im Jahr 2015 je weib­lichen Versicherten im Durchschnitt bei 882 Euro und je männlichen Versicherten bei 917 Euro gelegen haben. Gleichzeitig betrug (!) die mittlere Verweildauer nur 7,7 Behandlungstage. Eine krasse Fehlberechnung! Vollstationäre Tagestherapiekosten von 114,55 € bis 119,10 € wären nun wirklich eine "Lachnummer" für jede gemeinnützige Krankenhausverwaltung oder privatwirtschaftlich organisierte Klinikkonzerne.

Tüpfelchen auf dem "I": Unter Federführung von Prof. Dr. Boris Augurzky kommt eine im Auftrag des Zentralinstitut für die K a s s e n ä r z t l i c h e Versorgung in Deutschland (ZI) erstellte Studie des IGES–Instituts Berlin (Institut für Gesundheits- und Sozialforschung) zu dem Schluss, es gebe 3,4 Millionen vermeidbare stationäre Notaufnahmen. Nach weiteren IGES-Berechnungen belaste dies das Gesundheitssystem mit jährlich 4,8 Milliarden Euro. Das wären durchschnittlich 1.412 € pro Krankenhaus-Fall, der eigentlich gar keiner sein sollte!
http://www.zi-berlin.de/cms/index.php
http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/bedarfsplanung/?sid=916527

Merke: „Traue keiner Krankenhaus-Statistik, die Du nicht selbst oder von Dritten hast fälschen lassen“!

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

PS.: Medizinisch-inhaltlich hoch bedenklich ist für mich als Hausarzt insbesondere die Tatsache, dass lt. Barmer GEK-Krankenhausreport 2016 die Diagnosen psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol in 2015 erneut mit 37,1 Behandlungsfällen je 10.000 Versicherte an dritthäufigster Stelle lagen. Dass der Staat sich an diesem Elend auch noch durch massive Steuereinnahmen beteiligt, o h n e jemals für die Krankheits-Folgen auch nur ansatzweise einzustehen, habe ich schon an anderer Stelle ausführlich beschrieben:
http://www.springermedizin.de/alkohol-und-tabak-jede-siebte-minute-ein-toter/5076604.html
LNS

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