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Medizin

Adenomatöse Polyposis: Neues Darmkrebs-Gen entdeckt

Montag, 1. August 2016

Bonn – Mutationen im DNA-Mismatch-Reparaturprotein MSH3 können im Darm zur massenhaften Bildung von Polypen führen, die das Darmkrebsrisiko deutlich erhöhen. Mediziner aus Deutschland und den USA beschreiben das neu entdeckte autosomal-rezessive Erbleiden im American Journal of Human Genetics (2016; doi: 10.1016/j.ajhg.2016.06.015).

Die familiäre adenomatöse Polyposis (FAP), bei der die Darmschleimhaut von Polypen übersät erscheint, ist aufgrund ihrer Häufung in einzelnen Familien eine genetische Erkrankung. In den vergangenen Jahren wurden bereits eine Reihe von auslösenden Gendefekten (APC, MUTYH, POLE, POLD1 und NTHL1) entdeckt. In etwa 30 Prozent fallen jedoch alle Gentests negativ aus.

Um weitere Gendefekte zu finden, haben jetzt Forscher der Yale Universität in New Haven/Connectiut und der Universitätskliniken Bonn und Frankfurt bei 102 Polyposis-Patienten eine Exom-Analyse durchgeführt. Dabei wird Base für Base jener Anteil des Erbguts analysiert, auf dem sich die Geninformationen für die etwa 20.000 Proteine des menschlichen Körpers befinden. Durch den Vergleich mit dem Erbgut von gesunden Verwandten können häufig Hinweise auf den möglichen Gendefekt gefunden werden, so auch in diesem Fall. 

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Das Team um Stefan Aretz, vom Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Bonn fand mehrere Mutationen in dem Gen MSH3, das bisher nicht mit der FAP in Verbindung gebracht wurde. Das Gen befindet sich auf dem Chromosom 5 und enthält die Infor­mation für ein sogenanntes DNA-Mismatch-Reparaturprotein.

Diese Proteine erkennen Fehlpaarungen in den DNA-Doppelsträngen des Erbguts und schneiden sie heraus. Dadurch wird verhindert, dass nach der Zellteilung eine der beiden Tochterzellen eine Mutation enthält. Geschieht dies nicht, kommt es rasch zu einer Anhäufung von DNA-Mismatchen. In Geweben mit sich rasch teilenden Zellen, etwa in der Darmschleimhaut, kann dies schnell zur Entwicklung von Tumoren führen. Im Darm bildet sich zunächst Polypen, von denen einige nach weiteren Mutationen zum Ausgangspunkt für ein Karzinom werden können.

Nicht jede Mutation, die bei einer Exom-Analyse entdeckt wird, muss einen Krankheits­wert haben. Ein wichtiges Indiz ist, wenn die Mutation nur bei erkrankten Familienmit­gliedern, nicht aber bei gesunden Verwandten auftritt. Das war bei einigen Teilnehmern der Studie der Fall. Ein weiteres Indiz sind sogenannte Mikrosatelliteninstabilitäten, die auch bei anderen Defekten in Reparaturenzymen beobachtet wurden. Hinzu kam noch, dass das MSH3-Protein in histochemischen Anfärbungen nicht nachweisbar war. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass es aufgrund der Mutationen von den Zellen nicht gebildet wird.

Im Gegensatz zu vielen anderen FAP-Mutationen lag kein dominanter, sondern ein rezessiver Erbgang vor. Dies bedeutet, dass Geschwister ein Erkrankungsrisiko von 25 Prozent haben. Die Eltern sind in diesem Fall in der Regel gesund. © rme/aerzteblatt.de

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