NewsMedizinDiät: Pflanzliche Eiweiße senken Sterberisiko, tierische Eiweiße nicht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Diät: Pflanzliche Eiweiße senken Sterberisiko, tierische Eiweiße nicht

Dienstag, 2. August 2016

dpa

Boston – Pflanzliche und tierische Proteine in der Ernährung haben möglicherweise unterschiedliche Auswirkungen auf die Gesundheit. In zwei prospektiven Beobachtungsstudien in JAMA internal Medicine (2016; doi:10.1001/jamainternmed.2016.4182) erhöhte ein hoher Konsum von tierischen Eiweißen vor allem bei Menschen mit vorbestehenden kardialen Risiken die Sterblichkeit, während pflanzliche Eiweiße eine protektive Wirkung entfalten könnten.

Diäten, die den Anteil von Proteinen erhöhen und zu einer geringeren Zufuhr von Kohlen­hydraten raten, sind derzeit modern. Ob sie langfristig ihren Zweck erreichen, ist unklar. Kurzfristig lässt sich eine Gewichtsreduktion erzielen. Mit der Gewichtsreduktion geht häufig auch eine Reduktion des Blutdrucks und eine Verbesserung von Blutzucker und Lipiden einher.

Anzeige

Umstritten ist unter Ernährungswissenschaftlern, ob tierische Eiweiße in der Ernährung gleich günstige Auswirkungen haben wie pflanzliche Eiweiße. Bislang gab es hierfür nur Daten aus relativ kleinen Querschnittstudien, deren Aussagekraft gering ist.

Mingyang Song vom Massachusetts General Hospital In Boston und Mitarbeiter haben deshalb die Ergebnisse der Nurses' Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) ausgewertet, die seit den 1980er Jahren mehr als 170.000 US-Amerikaner überwiegend europäischer Herkunft regelmäßig nach ihren Ernährungs­gewohnheiten befragt haben.

Die weibliche NHS-Kohorte verfügte über eine Nachbeobachtungszeit von mehr als 30 Jahren, bei der männlichen HPFS liegen Langzeitdaten über 26 Jahre vor. Während dieser Zeit sind 36.000 Teilnehmer gestorben, davon fast 9.000 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 13.000 an Krebs und etwa 14.000 aus anderen Ursachen.

Nach der Berücksichtigung von Lebensstil und anderen Ernährungsfaktoren war ein hoher Verzehr von Proteinen aus tierischen Quellen - darunter alle Arten von Fleisch, Eier oder Milchprodukte - leicht mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Konkret war jeder Anstieg der Energiezufuhr aus tierischen Proteinen um 10 Prozent mit einer Zunahme der kardiovaskulären Sterblichkeit um 8 Prozent verbunden (Hazard Ratio 1,08; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,01-1,16).

Wer dagegen mehr Proteine aus pflanzlichen Quellen – Brot, Müsli, Nudeln, Bohnen, Nüsse und Hülsenfrüchte – zu sich nahm, hatte eine geringere Sterblichkeit. Ein Anstieg der Energiezufuhr durch pflanzliche Proteine um 3 Prozent war mit einem Rückgang der Gesamtsterblichkeit um 10 Prozent (Hazard Ratio 0,90; 0,86-0,95)  verbunden. Das Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen sank sogar um 12 Prozent (Hazard Ratio 0,88; 0,86-0,95).

Die genauere Analyse ergab, dass die „schädlichen“ Auswirkungen tierischer Proteine auf Personen beschränkt war, die mindestens einen (weiteren) ungesunden Lebens­stilfaktor hatten: Sie waren entweder übergewichtig oder untergewichtig, neigten zu einem starken Alkoholkonsum, hatten in der Vergangenheit geraucht oder sie waren bewegungsarm. Menschen mit einem gesunden Lebensstil scheint nach diesen Daten eine hohe Zufuhr von tierischen Eiweißen nicht zu schaden. 

Nach der Untersuchung könnte ein hoher Verzehr von tierischen Eiweißen Teil eines ungesunden Lebensstils zu sein, und eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten in diesem Bereich könnte ein erster wichtiger Schritt hin zu einem längeren Leben sein. Denn wer 3 Prozent der Protein-Energiezufuhr aus verarbeiteten Fleischwaren durch pflanzliche Proteine ersetzt, könnte nach der Untersuchung seine Gesamtmortalität um nicht weniger als 34 Prozent senken (Hazard Ratio 0,66; 0,59-0,75).

Der Wechsel von unverarbeiteten Fleischwaren hin zu pflanzlichen Proteinen in der gleichen Größenordnung von 3 Prozent würde die Sterblichkeit um 12 Prozent senken (Hazard Ratio 0,88; 0,84-0,92) und der Wechsel von der Proteinquelle Ei zu pflanzlichen Proteinen würde mit einer um 19 Prozent geringeren Sterblichkeit belohnt (Hazard Ratio 0,81; 0,75-0,88), immer vorausgesetzt, dass die Ergebnisse aus prospektiven Beobachtungsstudien die Wirklichkeit richtig abbilden.

Daran sind jedoch Zweifel erlaubt. In anderen Bereichen, etwa der Vitamin-Zufuhr konnten die Ergebnisse in anschließenden randomisierten klinischen Studien nicht reproduziert werden, teilweise erwies sich eine hohe Vitaminzufuhr sogar als schädlich – gerade für Menschen mit erhöhten Ausgangsrisiken. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #663353
Herzogs18
am Montag, 15. August 2016, 13:21

Wer Beobachtungsstudien glaubt, ist selbe schuld ...

"Erbsen, Bohnen, Linsen bringen nicht nur den A..sch zum Grinsen"
Pflanzeneiweiß verlängert das Leben? Statistisch betrachtet nur auf dem Papier und - wenn man sich die Rohdaten anschaut - nur wenn man "säuft, raucht, fett ist und sich nicht bewegt".
So "Biegsam" ist Statistik. Für das Leben der Nicht-Statistik-Gläubigen" gilt auch diesmal: "Menschen mit einem gesunden Lebensstil scheint nach diesen Daten eine hohe Zufuhr von tierischen Eiweißen nicht zu schaden."
Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Dienstag, 2. August 2016, 19:58

Die Grundaussage über Eiweiß ist sicher falsch

Die Aussage über die Wirksamkeit der Gewichtsabnahme sicher richtig.
Wie unwissenschaftlich, so etwas NICHT sauber zu trennen. Ernährungsstudien, die einen Faktor untersuchen wollen müssen die übrigen Einflüsse selbstverständlich ausschalten und dabei steht für einen Nahrungsmittel-Vergleich ISOKALORISCH immer an erster Stelle.
Und bei diesem "isokalorisch" spielt auch die Verdauung/Resorption eine nicht geringe Rolle.
Stoffwechselwirksam kann nur das sein, was im Stoffwechsel ankommt.
Geht es dann wirklich ums Eiweiß, dann ist es immer noch wichtig zu wissen, ob die Versuchsperson überernährt, normal ernährt oder unterernährt ist.
Das zu missachten ist ebenso falsch, wie die Empfehlung, ALLE Menschen mit Blutdrucksenkern zu therapieren, auch die mit zu niedrigem Blutdruck.
Wenn ich hier annehme, dass dass es sich um ein übergewichtiges Kollektiv handelt,
so ist ein SCHLECHTER verwertbares pflanzliches Eiweiß ein kaum ein Vorteil, da es nun mal keine Eiweißspeicher gibt, vielleicht wird aber nicht so viel in Fett umgewandet.
Tierisches Eiweiß hat eine höhere biologische Wertigkeit, es wird also WENIGER davon benötigt um den täglichen Bedarf zu decken.
Die Situation bei diätwilligen Übergewichtigen ist aber nicht so einfach erkennbar, es gibt dabei nicht ganz selten tatsächlich Eiweiß-Mangel bei Übergewicht (Adipositas).
Es gibt den übergewichtigen Nudelvegetarier mit Eiweißmangel.
Deshalb empfehle ich bei kalorienreduzierter Diät immer einen Eiweißüberschuss und zwar mit dem höherwertigen tierischen Eiweiß. Das hat mehrere Vorteile. Auch das Sättigungsgefühl ist höher als mit den isokalorischen Kalorienträgern, besonders den KH.
LNS

Nachrichten zum Thema

13. September 2019
Berlin – In der Debatte um klarere Kennzeichnungen von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln liegt eine weitere bundesweite Repräsentativbefragung vor, die das Institut für Demoskopie Allensbach
Lebensmittelverband sieht eigenes Nährwertkennzeichnungsmodell als Favorit
12. September 2019
Wiesbaden – Die Deutschen geben immer mehr Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. „Der Trend steht in deutlichem Gegensatz zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hochrangig publizierte Studien
Fachgesellschaften warnen vor unkritischem Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln
11. September 2019
Berlin – CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine nationale Diabetesstrategie beschlossen. Diese befände sich inzwischen in den Endzügen, verkündete die gesundheitspolitische Sprecherin
Nationale Diabetesstrategie in den finalen Zügen
11. September 2019
Grado – Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern in Deutschland sollen ein besonderes Gewicht auf ärztliche Fortbildungen zum Thema Ernährung legen. Das haben verschiedene Ärztekammern und ärztliche
Ärztekammern betonen Bedeutung der Ernährungsmedizin
10. September 2019
London – Eine Steuer auf zuckerreichen Snacks wie Kekse, Kuchen und anderen Süßigkeiten könnte als Maßnahme gegen Fettleibigkeit effektiver sein als die Erhöhung der Preise für zuckergesüßte Getränke.
Steuer auf zuckerreiche Snacks möglicherweise besonders effektiv
5. September 2019
Oxford – Vegetarier (einschließlich Veganer) und Pescetarier (die Fisch essen) hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein niedrigeres Risiko auf eine ischämische Herzerkrankung als
Vegetarier und Pescetarier erleiden seltener Herzinfarkte, Vegetarier aber mehr Schlaganfälle
4. September 2019
Lyon – Erwachsene, die täglich zwei oder mehr Süßgetränke konsumieren, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.2478) auch dann ein
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER