NewsÄrzteschaftÄrztekammer Westfalen-Lippe legt ethische Grundsätze für ärztliches Handeln vor
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Ärztekammer Westfalen-Lippe legt ethische Grundsätze für ärztliches Handeln vor

Dienstag, 2. August 2016

Münster – Ethische Grundsätze für das ärztliche Handeln hat der Arbeitskreis Ethikrat der Ärztekammer Westfalen-Lippe erarbeitet. Sie richten sich insbesondere an neue Kammermitglieder, sollen aber auch allen anderen Ärzten sowie Chef­ärz­ten und Klinik­verwaltungen zur Orientierung dienen, erklärte der Präsident der Ärzte­kammer West­falen-Lippe, Theodor Windhorst, gestern Abend vor Journalisten in Müns­ter.

Die ethischen Grundsätze greifen in knapper Form wesentliche Inhalte des Genfer Ge­löb­nisses, einer zeitgemäßen Version des hippokratischen Eides, und der (Mus­ter-)Be­rufs­ordnung der Ärzte in Deutschland auf. Sie stellen insbesondere fest, dass das Wohl­er­gehen der Patienten über allen anderen Interessen stehen müsse und die medizi­ni­sche Indikationsstellung als Kernelement der ärztlichen Tätigkeit und Identität von medi­zin­fremden Erwägungen und Einflüssen freizuhalten sei.

Spannungsfeld zwischen Ethik und Ökonomie
Dass Ärztinnen und Ärzte sowohl im Krankenhaus als auch in der eigenen Praxis ihren Be­ruf im Spannungsfeld zwischen medizinischer Ethik und Ökonomie ausübten, sei einer der Gründe gewesen, sich erneut mit den ethischen Grundsätzen ärztlichen Handelns zu befassen, erklärte Windhorst. Entscheidungen zu treffen, die individuell dem Patienten nützten, sei in diesem Spannungsfeld manchmal schwierig.

Anzeige

Windhorst kritisierte in diesem Zusammenhang insbesondere Boni in Chefarztverträgen, die an die Erfüllung bestimmter Mengenvorgaben oder eine bestimmte Zusammen­setz­ung von schweren und minder schweren Fällen (Case-Mix) geknüpft sind. „Das Kran­ken­haus ist kein Geschäftsmodell zur privaten Renditegewinnung“, sagte Windhorst. „Ich möchte, dass die Politik in der Krankenhausversorgung einen Beitrag zur Daseinsfür­sor­ge sieht und nicht Geschäftemacherei.“ Die Versorgung der Patienten müsse frei von Interessen der Gewinnerzielung sein.

IGeL: Potenzial der Rufschädigung
Mit Blick auf das Krankenhausmanagement erklärte der Vizepräsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Klaus Reinhardt, Ökonomen und Ärzte würden oft unterschiedliche Sprachen sprechen. Er schlug vor, Chefarztverträge der Sanktionierung der Ärzte­kammern zu unterstellen, räumte jedoch zugleich ein, dass das insbesondere bei privaten Trägern nur schwer zu verwirklichen sein werde. „Ein solches Vorgehen würde aber dem Schutz von Ärzten und Patienten dienen“, sagte Reinhardt.

Die Grenze zwischen medizinisch sinnvollem Angebot und Geschäftemacherei ver­schwimme zuweilen auch beim Thema „Individuelle Gesundheitsleistungen“ (IGeL), räumte Reinhardt ein. Nach dem Sozialgesetzbuch V würden in der gesetzlichen Kran­ken­versicherung nur Leistungen erstattet, die medizinisch notwendig, ausreichend und zweckmäßig seien. „Von einer Bestversorgung ist dort nicht die Rede“, sagte Reinhardt. So wie manche Ärzte IGeL allerdings anböten, hätten sie durchaus das Potenzial, die ärzt­liche Reputation zu beschädigen.

Weitere Punkte der ethischen Grundsätze betonen den Stellenwert der ärztlichen Schwei­ge­pflicht, das Recht des Patienten auf Selbstbestimmung sowie eine wert­schätz­ende, wohlwollende und respektvolle Kommunikation der Ärzte mit Patienten, Kollegen und anderen Berufsgruppen. © HK/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #697854
Dr.Bayerl
am Sonntag, 14. August 2016, 09:40

gerade Herr Windhorst hat jede Glaubwürdigkeit verloren

durch sein völliges Versagen als "Verhandlungsführer" bei der GOÄ, die sich an anderen freien Beratungsberufen zu orientieren hat und nicht an den Wünschen irgend welcher Nichtmediziner.
Auch mit seiner merkwürdigen Kritik gegen Honorarärzte ist er extrem negativ aufgefallen.
Er macht den Eindruck, als könne er Ärzte nicht leiden.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 3. August 2016, 23:47

Was soll das?

Über Jahrzehnte hinweg werden die Verhältnisse - mit dem Wohlwollen der Kammern - so gestaltet, dass aus freien ärztlichen Entscheidungen von wirtschaftlichen Zwängen geprägte Entscheidungen wurden. Und auf einmal will man sich empören, dass sich Ärzte unter diesem wirtschatlichen Druck dann auch wie Unternehmer verhalten.
Entweder honoriere ich Ärzte und Krankenhäuser angessen so, dass ethisch einwandfreie ärztliche Tätigkeit möglich ist, oder ich stehe gefälligst dazu, dass ich den Primat der Ökonomie wünsche... wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass - liebe Kammern, das hättet ihr vorher überlegen müssen!
Avatar #1976
barabasch-riedel
am Dienstag, 2. August 2016, 19:56

Schon wieder : "man muss !"

Immer dann, wenn ein Problem zu bedrohlich wird, kommen die Schlaumeier und verkünden, was "man muss". Und immer richtet sich dieses "man muss" an die Anderen, meist eine anonyme Personengruppe mit nicht anonymer Überschrift, wie z.B. hier "die Ärzteschaft". Und immer wird mit Schuldzuweisung gedroht für den Fall, dass "man" nicht dem Muss folgt, "man" zumindest ein Problem habe : eben jenes, das "man" meiden "muss", wie der Teufel das Weihwasser. Aber herrjeh - "die Politik" und "der Staat" sind doch exakt diejenigen an die die Schlaumeier, die wissen, was "man muss" sich mit ihren Forderungen nach "Müssen" zu wenden haben, denn exakt diese Institutionen VERHINDRN doch mit ihren Vorgaben und Gesetzen, dass "die Ärzteschaft" nicht kann, wie sie angeblich muss, aber so gerne wollte, wenn sie nur dürfte . . . nämlcih nach den beschriebenen ETHISCHEN GRUNDSÄTZEN HANDELN,
meint
Richard Barabasch
LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER