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Politik

Scharfe Kritik am Entwurf der Qualitätsindikatoren für die Krankenhausplanung

Mittwoch, 3. August 2016

Düsseldorf – Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachge­sell­schaften (AWMF) hat einen Vorbericht des neuen Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) zu Qualitätsindikatoren für die Kranken­haus­planung scharf kritisiert. Die AWMF-Beurteilung stützt sich auf die Expertise von zwölf me­dizinischen Fachgesellschaften.

Mitte März 2016 hatte der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) dem IQTIG den Auf­trag erteilt, Qualitätsindikatoren als Grundlage für eine qualitätsorientierte Krankenhaus­planung zu erarbeiten. Hintergrund dafür ist das seit Anfang des Jahres geltende  Kranken­hausstrukturgesetz – es soll ermöglichen, die Versorgungsqualität bei der Krankenhausplanung besser zu berücksichtigen.

„Die Qualitätsindikatoren des IQTIG sind ein Schnellschuss“, kritisiert die AWMF jetzt. Dies zeige sich bereits im Ablauf des Verfahrens: Die AWMF wurde am 18. Juli 2016 um eine Stellungnahme gebeten – bis zum 31. Juli. „Eine erhebliche Zahl von am Thema interessierten Fachgesellschaften konnten uns keine Stellungnahmen übermitteln und haben dies mit der sehr kurzen Stellungnahmefrist begründet“, bemängelte der Verband. Auch die AWMF halte eine Frist von 14 Tagen für eine differenzierte Beurteilung und Ab­stimmung des Themas „Planungsrelevante Indikatoren“ innerhalb der Fachgesell­schaf­ten für unangemessen.

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Aber auch inhaltlich halte das Konzept einer Prüfung nicht stand: „Anstatt vorhandene be­währte Maßnahmen der Qualitätssicherung zu nutzen und weiterzuentwickeln, soll das Rad neu erfunden werden“, so der Verband. Unter dem Strich lasse das IQTIG-Verfahren „keinerlei Zusatznutzen“ erwarten – „weder für die Planung von Kranken­häusern und Ab­teilungen noch für einzelne Leistungsbereiche“, erklärte Hans-Konrad Selbmann von der AWMF.

Das IQTIG greife einige wenige Indikatoren heraus und verleihe ihnen ein zu großes Ge­wicht, so die Kritik der Fachgesellschaften. Dabei gerieten andere Eigenschaften von Kli­niken womöglich ins Abseits: etwa eine wohnortnahe Basisversorgung, qualifiziertes Per­sonal oder die Rolle von Patientensicherheit und Qualitätssicherung. Auch der seit Jah­ren geförderte und geforderte offene Umgang mit Fehlern drohe aufzuweichen.

Besonders skeptisch bewertet die AWMF, wie das IQTIG eine mögliche Patientenge­fähr­dung als führenden Versorgungsaspekt heranzieht. Das IQTIG nutze dafür ein Risiko-Ak­zeptanz-Modell, mit dem die Bundesanstalt für Arbeit Gefahren am Arbeitsplatz bewertet. „Damit liegen allerdings in der Krankenhausversorgung im Gegensatz zum Patienten­sicher­heitsmanagement keinerlei Erfahrungen vor“, so die AWMF.

Die medizinischen Fachgesellschaften rügen weiterhin, dass der G-BA-Auftrag in kei­ner Weise bereits getroffene Maßnahmen einzelner Bundesländer zur qualitäts­orien­tier­ten Krankenhausplanung berücksichtige. In diesem Zusammenhang sei zum Beispiel zu hin­terfragen, inwieweit die Krankenhausplanung in den Ländern die sehr gut etablierten und offen zugänglichen Qualitätsindikatoren der externen stationären Qualitätssicherung schon für Planungszwecke genutzt hätte, so die AWMF.

Zusammenfassend sei die Zeit für ein vernünftiges Vorgehen zu knapp bemessen. „Das hemmt ein sachgemäßes Vorgehen, macht die mit heißer Nadel gestickten Vorgaben schwer übertragbar und begünstigt Fehlentwicklungen“, sagte Rolf Kreienberg, Präsi­dent der AWMF.

Das IQTIG muss seine Ergebnisse dem G-BA bis zum 31. August vorlegen. Bis zum 31. Dezember will der G-BA einen ersten Beschluss fassen. © hil/aerzteblatt.de

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