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Medizin

Warum eine Grippe-Impfung adipöse Menschen weniger gut schützt

Mittwoch, 3. August 2016

dpa

Memphis - Eine Grippe-Impfung erzielt bei adipösen Menschen oft nur eine schwache Wirkung. Der Grund ist laut einer tierexperimentellen Studie in mBio (2016; doi:10.1128/mBio.01144-16) nicht nur in einer verminderten Bildung von neutra­lisierenden Antikörpern zu suchen, die durch den Zusatz von Adjuvanzien verbessert werden könnte. Die Adipositas scheint auch die Immunreaktion selbst abzuschwächen.

Bei der „Schweinegrippe“ (Pandemie 2009/H1N1), an der viele jüngere Menschen erkrankten, war erstmals aufgefallen, dass eine Adipositas das Risiko auf einen schweren Verlauf mit Hospitalisierung und Tod erhöht. Allerdings mussten die Epidemiologen auch feststellen, dass die Grippe-Impfung gerade bei diesen Personen eine schwächere Wirkung erzielt.

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Ein Team um Erik Karlsson vom St. Jude Children's Research Hospital in Memphis/Tennessee hat an adipösen Mäusen untersucht, ob die Schutzwirkung der Grippe-Impfung durch Adjuvanzien wie Aluminiumhydroxid oder AS03 verbessert werden kann. Zunächst schienen die Experimente erfolgreich zu sein. Durch die Adjuvanzien erzielte die Impfung deutlich höhere Antikörpertiter. Sie lagen in den Experimenten in einem Bereich, in dem normalerweise mit einem Impfschutz zu rechnen ist.

Dennoch waren die Tiere nicht vor einer Influenza gefeit. Nach einer absichtlichen Inokulation mit den Viren kam es bei den adipösen Mäusen regelmäßig zu einer schweren Erkrankung, während die schlanken Mäuse gesund blieben. Selbst eine vierfache Steigerung der Impfstoffdosis konnte bei den adipösen Tieren eine Grippe nicht verhindern. 

An den Antikörpern kann es nicht gelegen haben, denn eine passive Immunisierung – also die Behandlung mit Antikörpern, die zuvor bei schlanken Mäusen durch eine Impfung erzeugt wurden – konnte die adipösen Tiere nicht schützen. Karlsson vermutet deshalb, dass die Adipositas das Immunsystem in einer bisher nicht erforschten Weise beeinträchtigt. Auffällig war laut Karlsson, dass die Viren bei adipösen Mäusen tiefer in die Lungen eindrangen und es den Tieren schwerer fiel, die Schäden zu reparieren.

Die Studie ist von großer Bedeutung, da die Zahl der adipösen Menschen immer stärker ansteigt. Nach Schätzung der Welt­gesund­heits­organi­sation sind weltweit 10 Prozent aller Erwachsenen adipös, in Westeuropa und Nordamerika ist der Anteil noch größer und derzeit weiter ansteigend.

© rme/aerzteblatt.de

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