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Medizin

Wurminfektion verdoppelt HIV-Ansteckungs­risiko in Afrika

Donnerstag, 4. August 2016

München – Eine Infektion mit dem Fadenwurm Wuchereria bancrofti geht in Tansania mit einem zwei- bis dreifach erhöhten Risiko auf eine HIV-Infektion einher. Dies zeigt eine prospektive Beobachtungsstudie im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)31252-1). Sie könnte erklären, warum die HIV-Infektion in Afrika sehr viel stärker verbreitet ist als in gemäßigten Klimazonen, und eine Behandlung der Wurminfektion könnte helfen, die HIV-Epidemie zu begrenzen.

Parasiten sind in tropischen Ländern häufig. Einer von vier Menschen in Tansania ist mit Wuchereria bancrofti infiziert. Der Fadenwurm, der durch Stechmücken übertragen wird, siedelt in den Lymphgefäßen, wo es zu einer Entzündung kommt. Bei einer Verlegung der Lymphwege kommt zu grotesken Schwellungen der Extremitäten, was als tropische Elephantiasis bezeichnet wird.

Schon seit längerem wird vermutet, dass Infektionen mit W. bancrofti und vielleicht auch mit anderen Parasiten das HIV-Infektionsrisiko erhöhen. Die chronische Infektion induziert nämlich eine Th2-Immunantwort unter gleichzeitiger Abschwächung der antiviralen Th1-Immunantwort. Ein Forscherteam um Inge Kroidl aus der Abteilung Infektionserkrankungen und Tropenmedizin am Klinikum der Universität München konnte dies jetzt durch die Auswertung der EMINI-Studie bestätigen.

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Die von der EU finanzierte Studie hat ab Mitte 2006 Einwohner in neun Distrikten im Südwesten von Tansania auf HIV, Tuberkulose, Malaria und einige vernachlässigte Tropenkrankheiten untersucht. Darunter waren auch 1.055 Einwohner der Kleinstadt Kyela, die zu Beginn der Studie nicht mit HIV infiziert waren. In dieser Gruppe kam es im Verlauf von knapp drei Jahren zu 32 neuen HIV-Infektionen. Sie wurden bevorzugt bei Personen beobachtet, die mit W. bancrofti infiziert waren.

Kroidl ermittelt eine relative Inzidenzrate von 2,17, die mit einem 95-Prozent-Konfidenz­intervall von 1,08-4,37 statistisch signifikant war. Ein Zufall war ausgeschlossen und eine Reihe anderer Gründe konnte aufgrund der genauen Befragung und Untersuchung der Studienteilnehmer ausgeschlossen werden. Interessanterweise waren jüngere Menschen mit W. bancrofti-Infektion am stärksten HIV-gefährdet: Bei den 14 bis 25-Jährigen erhöhte der Parasitenbefall das HIV-Risiko um den Faktor 3,2, bei den 25 bis 45-Jährigen war es um den Faktor 2,4 und bei den über 45-Jährigen um den Faktor 1,2 erhöht.

W. bancrofti ist nicht der erste Krankheitserreger, der mit einem erhöhten HIV-Infektionsrisiko in Verbindung gebracht wird. Auch Chlamydien, Herpes-Viren und Treponema pallidum, der Erreger der Syphilis, begünstigen aus unterschiedlichen Gründen eine HIV-Infektion. Aufgrund der starken Verbreitung von W. bancrofti könnte die Bekämpfung der Tropenerkrankung einen günstigen Einfluss auf die HIV-Epidemie haben.

Bisher beschränkten sich die Bemühungen weitgehend darauf, durch Moskitonetze und Repellentien die Übertragung der Parasiten zu vermeiden. Die Behandlung der Erkrankung wird vernachlässigt. Die Mikrofilarien können durch Diethylcarbamazin, Albendazol oder Ivermectin beseitigt werden. Die Behandlung der erwachsenen Würmer ist nach Auskunft von Prof. Achim Hörauf vom Universitätsklinikum Bonn derzeit noch schwierig. Der Tropenmediziner beschäftigt sich seit Jahren mit den Filarien, um ein neues Medikament gegen die Fadenwürmer zu entwickeln. © rme/aerzteblatt.de

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