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Medizin

CRP-Schnelltest vermindert Antibiotika-Gebrauch bei Atemwegsinfektionen

Donnerstag, 4. August 2016

dpa

Nijmegen – Ein Schnelltest auf das C-reaktive Protein (CRP) hat in einer randomisierten klinischen Studie in Vietnam den Einsatz von Antibiotika bei akuten Atemwegserkrankun­gen eingeschränkt, wie eine Publikation in Lancet Global Health (2016; doi: 10.1016/S2214-109X(16)30142-5) zeigt.

Bei schweren bakteriellen Infektionen kommt es zu einem Anstieg des C-reaktiven Prote­ins (CRP), der bei viralen Infektionen in der Regel ausbleibt. Es gibt mittlerweile Schnell­tests, die innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis liefern. Sie haben sich in zahlreichen kli­nischen Studien bewährt und wurden kürzlich von der Cochrane-Review positiv bewer­tet.

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Die bisherigen Studien wurden jedoch überwiegend in Europa oder Nordamerika durch­geführt. Die randomisierte Studie, die ein Team um Heiman Wertheim von der Radboud Universität in Nijmegen in Vietnam durchgeführt hat, ist die erste Untersuchung in einem Ressourcen-armen Land. Vietnam hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Krieg erholt, und wie in vielen wirtschaftlich aufstrebenden Ländern werden Antibiotika häufig unkritisch eingesetzt. Die Folge ist ein ausgeprägtes Resistenzproblem. Streptococcus pneumoniae ist in Vietnam zu 71 Prozent resistent gegen Penicilline und zu 92 Prozent resistent gegen Erythromycin. In den Kliniken sind Pseudomonas aeruginosa zu 25 Prozent und Acinetobacter baumannii zu 40 Prozent resistent gegen Carbapeneme.

Antibiotika sind in den meisten Apotheken des Landes ohne Rezept erhältlich, und ohne guten Grund wird kein Arzt auf die Verordnung verzichten. Die Studie, an der an zehn Zen­tren der Primärversorgung insgesamt 2.037 Patienten (darunter 1.028 Kinder) teil­nahmen, sollte klären, ob ein CRP-Schnelltest den Ärzten helfen kann, bei leichten Er­krankungen auf die Verordnung eines Antibiotikums zu verzichten. Alle Patienten litten unter Atemwegsinfektionen, die zu den häufigsten Einsatzgebieten von Antibiotika ge­hören, obwohl die meisten Infektionen durch Viren ausgelöst werden.

Bei der Hälfte der Patienten führten die Ärzte einen CRP-Schnelltest durch, bei den an­deren wurde darauf verzichtet. Als Entscheidungskriterium für den Einsatz eines Anti­bio­ti­kums wurde ein CRP von 10 mg/l bei Kindern unter sechs Jahren und von 20 mg/l bei älteren Kindern und Erwachsenen festgelegt.

Ergebnis: In der Gruppe mit CRP-Bestimmung erhielten 581 von 902 Patienten (64,4 Prozent) ein Antibiotikum, in der Vergleichsgruppe waren es 738 von 947 Patienten (77,9 Prozent). Das ist ein Unterschied von 12,5 Prozent. Die Odds Ratio von 0,49 war mit ei­nem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,40 bis 0,61 signifikant.

Der Unterschied wäre vermutlich noch größer ausgefallen, wenn sich die Ärzte häufiger nach dem CRP-Wert gerichtet hätten, der bei 75 Prozent der Patienten unter 10 mg/l und bei weiteren 13 Prozent zwischen 11 und 20 mg/l lag. Nur wenige Patienten hätten wirklich Antibiotika benötigt, die meisten hatten vermutlich einen viralen Infekt. © rme/aerzteblatt.de

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