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Mehrere Tote: alternatives Krebszentrum vorerst geschlossen

Freitag, 5. August 2016

Krefeld – Nach dem Tod von drei Patienten eines alternativen Krebszentrums in Nord­rhein-Westfalen bemühen sich deutsche und niederländische Behörden gemeinsam um Aufklärung. Bereits gestern fand im niederländischen Arnheim ein entsprechendes Ko­ordinierungstreffen statt, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Krefeld heute mitteilte. Die deutschen Ermittler befänden sich „im Austausch“ mit ihren nieder­ländischen Kolle­gen.

In der vergangenen Woche waren innerhalb von drei Tagen zwei Frauen und ein Mann gestorben, die im Klaus-Ross-Zentrum, einer alternativen Praxis in Brüggen-Bracht nahe der niederländischen Grenze, behandelt worden waren. Nach Angaben des Kreises Vier­sen wurde die Praxis bereits Mitte der Woche behördlich geschlossen – „mindestens bis zum Abschluss des eingeleiteten Ermittlungsverfahrens“, wie es in einer Mitteilung hieß. Die Praxis in Brüggen-Bracht wird demnach von einem Heilpraktiker betrieben. Ihm wurde untersagt, weiterhin als Heilpraktiker im Kreis Viersen tätig zu sein. Die Praxis betrieb der Mann demnach seit August 2014.

Bei den nach einer angeblichen „biologischen“ Krebsbehandlung Verstorbenen handelt es sich nach Polizeiangaben um eine 55-jährige Frau aus Belgien sowie einen ebenfalls 55-jährigen Mann und eine 43 Jahre alte Frau aus den Niederlanden.

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Der Tod der 43-Jährigen am vergangenen Samstag in einem Mönchengladbacher Kran­kenhaus hatte die Krefelder Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen – sie führt seither in dem Fall ein Todesermittlungsverfahren. Den Tod der beiden weiteren Patienten hatten die Ermittler erst gestern Abend bestätigt. Außerdem wurden nach Angaben der deutschen Behörden zwei niederländische Frauen in einem Krankenhaus aufgenommen, die ebenfalls in der Praxis in Brüggen-Bracht be­handelt worden waren.

Die 43-Jährige soll nach der Behandlung in dem alternativen Krebszentrum über Kopf­schmerzen geklagt haben und teilweise verwirrt gewesen sein. Vor ihrem Tod war sie nicht mehr ansprechbar. Nach Angaben der deutschen Ermittler ergaben die Nach­for­schungen, dass in dem Krebszentrum auch zahlreiche Niederländer behandelt wurden.

Unklar ist, ob die Patienten, die gestorben sind, mit dem neuen Stoff „3-Bromopyruvat“ behandelt wurden. Das untersuchen die Ermittlungsbehörden. Die Substanz ist noch in der Grundlagenerforschung. Auf der Seite des Klaus-Ross-Zentrums wird sie als Mittel unter den Behandlungsmethoden genannt. Die Polizei warnt vor der Einnahme von „3-Bromopyruvat“.

„Wenngleich eingehendere medizinische Untersuchungen noch zeigen müssen, was sich genau zugetragen hat, besteht derzeit ein konkretes Gesundheitsrisiko für Patienten, die sich in diesem Krebszentrum einer Behandlung unterzogen haben“, hieß es in einer Mit­teilung der Polizei. Patienten des Zentrums sollten sich bei der Polizei in Mönchen­glad­bach oder in den Niederlanden melden.

Bereits am Mittwoch hatte die alternative Praxis in einer Erklärung auf ihrer Internetseite den Tod der 43-Jährigen bedauert. Zugleich äußerte das Krebszentrum seine Be­stür­zung über den in der Öffentlichkeit entstandenen Verdacht, dass alternative medizinische Methoden für den Todesfall verantwortlich sein könnten. Den Behörden sicherte die Praxis volle Unterstützung bei den Ermittlungen zu.

Der Betreiber der Praxis, Klaus Ross, hat laut Angaben auf der Internetseite biome­di­zi­nische Technik in Gießen studiert, dann 20 Jahre als Produktmanager für medizinische Geräte gearbeitet und anschließend eine Ausbildung zum alternativen Behandler ge­macht. Das Zentrum wirbt unter anderem mit biologischer Krebsbehandlung, Schmerz­therapie und Entgiftung. Eine zehnwöchige Behandlung für Krebspatienten kostet dem­nach knapp 10.000 Euro. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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