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Keine weiteren Herztransplan­tationen am Universitätsklinikum Frankfurt

Freitag, 5. August 2016

Frankfurt – Das Universitätsklinikum Frankfurt wird künftig auf Herztransplantationen verzichten. Stark rückläufige Zahlen bei Spenderorganen sind laut der Klinik ein wichtiger Grund dafür, dass sie Referenzwerte in der Qualitätssicherung durch den Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA) nicht einhalten konnte.

Wegen des Spendermangels gab es im Jahr 2014 nur eine Herztransplantation in Frankfurt, 2015 drei. Von diesen vier Patienten habe nur einer überlebt, erläuterte Jürgen Graf, ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Frankfurt, heute Vormittag. In den Jahren zuvor sei die Überlebensrate besser gewesen: Zwischen 2010 und 2013 habe man vier Herzen transplantiert und alle Patienten hätten überlebt, so Graf.

Die Überlebensraten bei den Transplantationsprogrammen für Leber und Niere sind laut der Klinik indes deutlich besser als vom G-BA gefordert. „Auch in der Herzchirurgie gab es bei den übrigen Eingriffsarten im Rahmen der standardisierten Überwachungen durch die zuständigen Institutionen keinen Grund zu Beanstandungen“, hieß es aus Frankfurt.

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Ab einer Krankenhaussterblichkeit von 20 Prozent bei Herztransplantationen führt dies zu einem strukturierten Dialog zwischen dem transplantierenden Haus und dem G-BA, da möglicherweise die Versorgungsqualität unzureichend sein könnte. „Das UKF unterstützt dieses Vorgehen im Sinne der Qualitätsverbesserung und Patienten­sicherheit ausdrücklich“, betonte Graf. Bei lediglich zwei Herztransplantationen pro Jahr führe aber bereits das Versterben eines Patienten zu diesem Dialog.

Laut Graf wird die Universitätsklinik für Patienten, die eine Transplantation benötigten, in Zukunft eng mit dem Transplantationsstandort Bad Nauheim zusammenarbeiten. „Im Sinne der Patienten und der Patientensicherheit ist es sinnvoll, solch eher seltene Eingriffe an einem Behandlungszentrum konzentriert stattfinden zu lassen“, betonte er.

Alle etwa 30 Patienten, die in Frankfurt auf ein Spenderherz warteten, wurden über das Aussetzen des Herztransplantationsprogramms an der Klinik informiert. „Sie haben keine Nachteile bei der Wartezeit auf ein Organ, da diese zentral durch Eurotransplant nach definierten Kriterien vergeben werden“, hieß es aus der Klinik. © hil/aerzteblatt.de

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