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Medizin

Zikavirus: Drei Impfstoffe zeigen gute Schutzwirkung bei Rhesusaffen

Montag, 8. August 2016

dpa

Boston – Die Gestaltung von Impfstoffen gegen das Zikavirus gestaltet sich leichter als angenommen. Gleich drei unterschiedliche Impfstoffe haben laut Science (2016; doi: 10.1126/science.aah6157) tierexperimentelle Tests bestanden. In den USA hat die erste klinische Studie begonnen. Für Lateinamerika könnte der Impfstoff zu spät kommen.

Es gibt drei unterschiedliche Wege, einen Impfstoff gegen ein Virus herzustellen: Die erste traditionelle Möglichkeit besteht darin, das Virus zu inaktivieren – oder wenn dies nicht geht, durch mehrere Tierpassagen soweit abzuschwächen, dass es seine Pathogenität eingebüßt hat, was aber langwierig ist. Die zweite modernere Möglichkeit ist vektorbasiert.

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Hierfür wird ein Virus-Gen (am besten eines, das die Information für ein Oberflächen­protein enthält) in ein harmloses Adenovirus eingebaut. Nach der Impfung mit dem Adenovirus produzieren dann die infizierten menschlichen Zellen das Oberflächenprotein des Virus. Das Immunsystem reagiert mit der Bildung von Antikörpern, die dann vor einer Infektion schützen. Die dritte modernste Möglichkeit besteht darin, die Gene für das bildende Virusprotein in ein Plasmid einzubauen und dieses beispielsweise in einen Muskel zu injizieren. Die Muskelzellen werden dann vorübergehend zu Produzenten der Proteine, die die gewünschte Immunantwort auslösen.

Alle drei Ansätze haben sich in Tierversuchen als erfolgreich erwiesen. Alle Rhesusaffen, die ein Team um Dan Barouch vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston mit einem inaktivierten Virus impfte, entwickelten nach zwei Wochen Antikörper gegen ein Hüllprotein (env) des Zikavirus. Der Antikörpertiter konnte nach einer Auffrischung nach vier Wochen noch weiter gesteigert werden.

Die Tiere konnten danach nicht mehr von Zikaviren infiziert werden, während es in einer Kontrollgruppe regelmäßig zu einer Virämie kam. Auch eine passive Immunisierung war teilweise erfolgreich. Die Behandlung mit Immunglobulinen der geimpften Tiere schützte andere nicht geimpfte Tiere vor einer Virämie oder schwächten die Infektion wenigstens ab.

Den vektorbasierten Impfstoff (verwendet wurde ein Adenovirus, das Rhesusaffen infiziert) und die DNA-Vakzine hatte das Team bereits bei Mäusen getestet. Die jetzt publizierten Ergebnisse bei Rhesusaffen bestätigen die gute Wirkung. Der vektorbasierte Impfstoff induzierte ebenfalls bereits nach zwei Wochen eine ausreichende Antikörper-Antwort. Die DNA-Vakzine benötigte noch eine Auffrischung, um den vollen Impfschutz zu entfalten.

Alle drei Impfstoffe erwiesen sich als sicher. Ernsthafte Komplikationen wurden laut Barouch nicht beobachtet. Die Firma Inovio Pharmaceuticals hat am 26. Juli mit einer ersten klinischen Studie begonnen, in der 40 gesunde Probanden mit einer DNA-Vakzine (die sich am schnellsten produzieren lässt) geimpft werden.

Diese Studie prüft primär die Verträglichkeit des Impfstoffes. Es wir aber auch untersucht, ob es zur Bildung von Antikörpern kommt. Eine absichtliche Inokulation mit dem Zikavirus ist nicht vorgesehen. In welchem Maße diese oder die beiden anderen Vakzinen schützen, wird sich erst in den kontrollierten Feldstudien zeigen, die frühestens im Winter beginnen werden, wenn südlich des Äquators der Frühling und damit die Stechsaison für die Aedes-Mücken beginnt.

Derzeit gehen die Infektionszahlen in Südamerika wieder zurück und die Experten sind sich nicht einig, ob es im nächsten Jahr erneut zu einer Epidemie kommt oder ob die Bevölkerung infolge der Infektionen in diesem Jahr „durchgeimpft" ist. In diesem Fall könnte es schwierig werden, die Wirksamkeit zu prüfen.

Es ist jedoch auch möglich, dass die Impfstoffe zuerst in den USA getestet werden. In Florida ist es in den letzten Tagen zu den ersten autochthonen Infektionen gekommen: Bis letzten Donnerstag wurden 14 bestätigte Fälle aus einem Vorort von Miami gemeldet. Die Centers for Disease Control and Prevention versuchen derzeit, die weitere Aus­breitung durch großflächiges Versprühen von Insektiziden zu verhindern.

Laut Presseberichten wurde jedoch bereits eine 15. Infektion aus einem anderem Vorort gemeldet, der sich außerhalb der Reichweite der Insekten im ersten Vorort befindet. Dort wird jetzt nach weiteren Infektionen gesucht. Sollte sich das Virus in diesem Sommer in Florida ausbreiten, dürfte es schon bald zu Forderungen kommen, den oder die Impfstoffe im eigenen Land zu testen. In Europa ist das Zikavirus bisher nicht autochthon aufgetreten, obwohl die Aedes-Vektoren in Europa, darunter auch Teilen von Deutschland, vorkommen. © rme/aerzteblatt.de

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