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Dresdner Uniklinikum: Innerklinische Notfallteams müssen früher intervenieren

Montag, 8. August 2016

Reanimation /dpa

Dresden – In 80 Prozent der Fälle treten schon Stunden vor einem Herz-Kreislauf-Stillstand Warnsymptome wie etwa ein systolischer Blutdruck unter 90 mmHg auf. Jedoch alarmieren diese frühzeitigen Anzeichen lediglich ein Fünftel aller in deutschen Krankenhäusern tätigen innerklinischen Notfallteams (Medical Emergency-Teams – MET).

Das ergab eine Umfrage der Anästhesisten des Uniklinikums Dresden. Deshalb fordert die Anästhesistin und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI), Thea Koch, dass möglichst alle Kliniken ihr Notfallmanagement entsprechend dem Vorbild der Uniklinika in Dresden und Bonn erweitern.

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Das Dresdner Uniklinikum hat bereits 2012 die Notfallversorgung insbesondere durch deutliche Senkung der Alarmierungsschwelle seines Notfallteams optimiert. Damit konnte die Überlebensrate auf das Dreifache des deutschen Durchschnittswerts gebracht werden. Gemäß dem Deutschen Reanimationsregister 2015 liegt der Bundesdurchschnitt reanimierter Patienten, die 30 Tage nach der Entlassung noch leben bei 9,8 Prozent. Das Universitätsklinikum Dresden erreicht 27,6 Prozent. Dank dieses erfolgreichen Engagements gehört das von Koch geleitete Projektteam am Dresdner Universitätsklinikum zu den diesjährigen Trägern des Deutschen Preises für Patientensicherheit.

Alarmierungskriterien

  • Atemweg:
    (Drohende) Verlegung
  • Atmung:
    Atemstillstand
    Atemfrequenz < 5/min
    Atemfrequenz > 36/min
  • Kreislauf:
    Kreislaufstillstand
    Puls < 40/min
    Puls > 140/min
    Systolischer Blutdruck < 90 mm Hg
  • Neurologie:
    Plötzliche Abnahme der Vigilanz
    Glasgow Coma Scale (GCS) Abfall > 2 Punkte Wiederholte oder anhaltende Krämpfe
  • Andere Kriterien:
    Sorge um Zustand des Patienten ohne Erfüllung o.g. Kriterien

In Deutschlands Kliniken kommt es jedes Jahr zu rund 93.000 Herz-Kreislauf-Stillständen. Wenn bereits bei frühen Warnsymptomen Anästhesisten und Intensivmediziner gerufen werden, lässt sich durch Therapiemaßnahmen das Risiko der lebensbedrohlichen Krisen verringern: „Am Universitätsklinikum Dresden konnten wir durch eine frühere Mitbehandlung des Notfallteams und die gegebenenfalls rechtzeitige Verlegung auf eine Intensivstation die Rate an Herz-Kreislaufstillständen deutlich senken“, kommentiert Koch die Auswertung der Langzeitdaten.

Trotz steigendem Schweregrad und parallel steigender Anzahl an Patienten muss nicht häufiger reanimiert werden.

Niedrigere Alarmierungsschwelle könnte Tausende Leben retten
„Die Zahlen lassen keinen anderen Schluss zu als den, die Alarmierungsschwelle der Notfallteams an allen deutschen Krankenhäusern zu senken. Damit besteht die realistische Chance, allein in Deutschland jedes Jahr das Leben von rund 30.000 Krankenhauspatienten zu retten!“ so Koch.

Damit die Ärzte und das Pflegepersonal des Klinikums die frühen Anzeichen einer lebensbedrohlichen Situation von Patienten zuverlässig erkennen, haben die Anästhesisten nicht nur einen entsprechenden Kriterienkatalog erstellt, sondern schulen die Mitarbeiter der Stationen regelmäßig. Dazu gehört auch ein klinikinternes Reanimationstraining: Für jeden Beschäftigten der Pflege besteht die Pflicht, einmal im Jahr einen entsprechenden Kurs zu besuchen. Zudem hat das Uniklinikum das Notfallequipment vereinheitlicht, automatisierte externe Defibrillatoren angeschafft sowie die Logistik der Alarmierung und des Transports verbessert.

Das Deutsche Reanimationsregister ist ein wichtiges Instrument für das Qualitätsmanagement präklinischer Reanimationen sowie den Einsätzen innerklinischer Notfallteams in Deutschland. Es steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Gesundheit und ermöglicht seinen Mitgliedern, sich anhand eines Ergebnisbenchmarkings mit anderen Institutionen zu vergleichen. Das Deutsche Reanimationsregister wird von der DGAI betrieben. Derzeit beteiligen sich knapp 250 Institutionen an diesem Register.

Über die webbasierte Umfrage
Es wurden alle deutschen Krankenhäuser (n=1.905) befragt. 515 haben den Fragebogen komplett beantwortet. Im Fragebogen wurden im Wesentlichen die Kriterien zur Erkennung kritisch Kranker auf Normalstation sowie das Vorhalten entsprechender Reanimationsteams in den Krankenhäusern erfragt. © gie/aerzteblatt.de

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