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Medizin

Prostaglandin D2-Antagonist kann Entzündung bei schwerem Asthma lindern

Montag, 8. August 2016

Leicester – Der Prostaglandin D2-Antagonist Fevipiprant, der auf neue Weise allergische Entzündungen hemmt, hat in einer klinischen Studie in Lancet Respiratory Medicine (2016; doi: 10.1016/S2213-2600(16)30179-5) den Anteil von eosinophilen Granulozyten im Sputum von Patienten mit schweren Asthma-Erkrankungen deutlich vermindert. Trotz der frühen Entwicklungsphase haben britische Asthmaexperten hohe Erwartungen an die neue „Asthma-Pille“, die frühestens in einigen Jahren eingeführt werden könnte.

Die Zahl der Todesfälle am Asthma bronchiale ist zwar in den letzten Jahrzehnten gesunken – in Deutschland starben 2014 knapp 1.000 Menschen gegenüber 4.100 im Jahr 1998. Es gibt jedoch weiterhin Erkrankungsfälle, die durch die heutigen Standard­medikamente von Bronchodilatatoren über Steroide bis hin zum Anti-IgE-Antikörper Omalizumab nicht ausreichend kontrolliert werden können.

Zu den vielversprechenden neuen Wirkstoffen gehören Substanzen, die die Wirkung von Prostaglandin D2 hemmen. Diese Signalsubstanz wird bei allergischen Reaktionen von Mastzellen freigesetzt. Sie besetzt den CRTh2-Rezeptor (chemoattractant receptor homologous molecule expressed on Th2 cells) auf Th2-Zellen und fördert dadurch die Rekrutierung weiterer Abwehrzellen für eine schwere allergische Entzündungsreaktion.

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Fevipiprant (QAW039) gehört zu einer Reihe von Substanzen, die von verschiedenen Herstellern in den letzten Jahren für die Behandlung von allergischen Reaktionen synthetisiert wurden. Die klinische Entwicklung verlief nicht immer wie erhofft. Setipiprant wurde wegen schwacher Wirkung aufgegeben, MK7246 und AM211 zeigten zu starke Wirkungsschwankungen zwischen den einzelnen Patienten. Fevipiprant scheint eine verlässlichere Wirkung zu erzielen, wie die Ergebnisse einer Phase 2-Studie zeigen, die vom Hersteller Novartis zusammen mit dem britischen National Institute for Health Research (NIHR) und der EU (AirPROM) gefördert wurde.

Das Team um Christopher Brightling vom Glenfield General Hospital in Leicester behandelte 61 Personen mit persistierendem mittelschwerem bis schwerem Asthma und einer erhöhten Konzentration von Eosinophilen im Sputum über 12 Wochen mit Fevipiprant (2 mal täglich 225 mg) oder Placebo.

Am Ende der Therapie hatte Fevipiprant den Anteil der Eosinophilen im Sputum deutlich und signifikant von 5,4 auf 1,1 Prozent gesenkt, was auf eine deutliche Abschwächung der allergischen Reaktion hinweist. Im Placebo-Arm kam es erwartungsgemäß nur zu einem geringen und nicht-signifikanten Abfall von 4,6 auf 3,9 Prozent.

Der Rückgang der Eosinophilen soll während der kurzen Behandlungszeit bereits zu einer klinischen Verbesserung geführt haben, teilte Brightling den britischen Medien mit, die die Ergebnisse als möglichen Durchbruch für Patienten mit bislang nur schwer kontrollierbarem Asthma bewerteten. Wichtig ist, dass es in der Studie keine Hinweise auf eine erhöhte Toxizität gab, auch wenn Kopfschmerzen wohl zu den störenden Nebenwirkungen gehören.

Der Hersteller hat die günstigen Ergebnisse zum Anlass genommen, zwei Phase 3-Studien (NCT02563067 und NCT02555683) zu beginnen, an denen jeweils 846 Patienten mit unkontrolliertem Asthma (GINA 4/5; tägliche oder mehrmals tägliche schwere Asthmaattacken) teilnehmen sollen. Ergebnisse wurden für 2018 angekündigt. Dann wird sich zeigen, ob die bei der Publikation der aktuellen Studie geäußerten Erwartungen gerechtfertigt waren und mit Fevipiprant die erste neue „Asthma-Pille“ seit zwei Jahrzehnten die Situation von Patienten mit schweren Asthmaerkrankungen verbessern kann. © rme/aerzteblatt.de

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