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Medizin

Intensivstationen: Hohe Behandlungszahlen verbessern nicht unbedingt Prognose der Patienten

Dienstag, 9. August 2016

dpa

Los Angeles – Die Behandlung auf einer Intensivstation ist fast immer mit höheren Behandlungskosten verbunden, verbessert aber nicht bei allen Erkrankungen die Überlebenschancen, wie in einer Studie in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.4298) herauskam.

Es gibt Krankheiten, bei denen die Notwendigkeit einer intensivmedizinischen Behand­lung außer Zweifel steht. Ein akutes Lungenversagen und eine Sepsis gehören sicherlich dazu. Bei anderen Erkrankungen wie der Phlegmone oder einer Beinvenen­thrombose dürften viele Klinikärzte (zunächst) von einer Überweisung auf die Intensivstation absehen. Dazwischen gibt es eine Grauzone mit Diagnosen, bei denen die Patienten nicht unbedingt eine intensivmedizinische Behandlung benötigen. Dazu gehören die diabetische Ketoazidose (DKA), eine Lungenembolie (PE), die chronische Herzinsuffizienz (CHF) oder obere Magen-Darm-Blutungen (UGIB).

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In den 94 Kliniken, deren Daten Dong Chang von Los Angeles Biomedical Research Institute (LA BioMed) und Mitarbeiter in zwei US-Staaten retrospektiv ausgewertet haben, schwankten die Einweisungsraten für die DKA zwischen 16,3 und 81,2 Prozent. Bei der PE reichte die Bandbreite von 5 bis 44,2 Prozent. Patienten mit UGIB wurden an einigen Kliniken zu 11,5 Prozent auf Intensiv behandelt, in anderen aber zu 51,2 Prozent.

Bei der CHF waren es zwischen 3,9 und 48,8 Prozent. Die höchste Auslastung der Intensivstationen gab es interessanterweise in kleineren Krankenhäusern mit wenigen Betten und in den großen Lehrkrankenhäusern. In mittelgroßen Kliniken wurden Patienten mit den vier Diagnosen seltener auf Intensivstationen behandelt.

Kliniken, die viele Patienten auf Intensivstationen behandeln, erzielten laut den Recherchen von Chang keineswegs bessere Ergebnisse. Die Mortalität war bei allen vier Erkrankungen nicht niedriger als in Kliniken, bei denen die Entscheidung zur intensivmedizinischen Behandlung zurückhaltender gestellt wurde. Den Einwand, dass Kliniken mit einem höheren Anteil an Intensivpatienten die kränkeren Patienten behandeln, lässt Chang nicht gelten.

Die Patienten, die in diesen Kliniken auf Intensivstation behandelt wurden, hätten im Durchschnitt weniger Begleiterkrankungen aufgewiesen. Chang wertet dies als einen Hinweis, dass neben der Schwere des Krankheitsbildes auch andere „institutionelle“ Faktoren eine Rolle spielen. Welche dies sind, konnte die Studie allerdings nicht ermitteln. Denkbar sind ein „Sogeffekt“ von vielen Intensivbetten, ein ungünstiger Personalschlüssel auf Normalstationen, vielleicht aber auch klinikinterne Regelungen oder ein unterschiedlicher Behandlungsstil der Ärzte, meint Chang.

Wie zu erwarten, war die Einweisung auf eine Intensivstation mit einem höheren Einsatz von invasiven Eingriffen für Diagnose und Therapie verbunden. Bei der DKA kommt es häufiger zu einer mechanischen Beatmung, bei UGIB häufiger zur Endoskopie, bei der PE häufiger zum Einsatz von Fibrinolytika und bei der Herzinsuffizienz werden mehr Pulmonalarterienkatheter gelegt. 

Dies dürfte erklären, warum die durchschnittlichen Behandlungskosten in Kliniken mit einem hohen Anteil von Intensivpatienten in den vier Diagnosen höher waren. Am niedrigsten war der Unterschied bei der Behandlung der UGIB. Hier betrug der durchschnittliche Anstieg nur 647 US-Dollar pro Patient. Bei der chronischen Herzin­suffizienz waren es 3.412 US-Dollar. Das sind ingesamt geringe Unterschiede. Bezogen auf die beiden Staaten (Maryland und Washington) ergeben sich laut Chang jedoch deutliche Einsparpotenziale, die der Forscher für den Untersuchungszeitraum 2010-2012 mit 3,5 Millionen US-Dollar bei der PE und 120 Millionen US-Dollar bei der CHF beziffert.

Wie sich diese Einsparungen in der Praxis realisieren lassen, lässt die Studie offen, da sie die Mechanismen, die die Einweisungsrate in den Kliniken bestimmen, nicht ermitteln konnte. Die Kliniken mit einem hohen Anteil an Intensivbehandlungen bei den vier Erkrankungen sollten laut Chang jedoch prüfen, ob sie durch eine Änderung ihrer hausinternen Regelungen eine Überbehandlung der Patienten verhindern können. Dies könnte die Patienten vor unnötigen Behandlungen bewahren und gleichzeitig das Budget der Klinik schonen. © rme/aerzteblatt.de

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