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Medizin

Arthrogryposis: Zikavirus löst häufig Kontrakturen der Gelenke aus

Donnerstag, 11. August 2016

Zikavirus /dpa

Recife - Zu den Folgen einer intrauterinen Infektion mit dem Zikavirus gehören vermutlich auch Kontrakturen verschiedener Muskeln, die zu Deformationen von Gelenken führen. Dies berichten Mediziner aus Brasilen im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2016; 354: i3899).

Als Arthrogryposis multiplex congenita wird eine angeborene Kontraktur von einem oder mehreren Gelenken bezeichnet. Betroffen sind meistens die Extremitäten und hier vor allem die Füße. Eine häufige Erscheinungsform ist der Klumpfuß. Bei der Arthrogryposis multiplex congenita im engeren Sinne sind jedoch stets mehrere Gelenke betroffen. Als Ursache wird eine frühe intrauterine Hirnschädigung vermutet, die über eine vermin­derte Beweglichkeit im Uterus die Kontraktur begünstigt. Zu den Folgen einer intrauterine Infektion mit dem Zikavirus gehören neben einer Mikrozephalie auch Verkalkungen in verschiedenen Hirnregionen. Eine mögliche Komplikation könnte eine Arthrogryposis sein. 

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Vanessa van der Linden vom Barão de Lucena Hospital in Recife, der Hauptstadt des Bundesstaates Pernambuco im Nordosten Brasiliens, berichtet jetzt von einer ungewöhnlichen Häufung von Arthrogryposis-Diagnosen unter Kindern, die mit Zeichen eines kongenitalen Zika-Syndroms geboren wurden. Bis jetzt wurden in der Klinik, wo van der Linden in einem Zentrum behinderte Kinder betreut, über 21 Fälle dia­gnostiziert, von denen sie sieben im BMJ vorstellt.

Sechs der sieben Kinder hatten Kontrakturen in Armen und Beinen: Darunter waren Klumpfüße, Kontrakturen im Knie in Beugestellung oder mit einer Überstreckung des Gelenks sowie Kontrakturen der Hüfte mit Flexion, Addition oder Rotation des Gelenks. An den Armen wurden Kontrakturen an den Fingern, im Ellbogen und der Schulter beobachtet.

Röntgenaufnahmen und Ultraschall schlossen eine primäre Schädigung der Gelenke aus. Die Störungen wurden vermutlich durch Muskelkontrakturen ausgelöst, die wiederum auf eine pathologische Aktivität der Mononeuronen zurückzuführen sind, worauf elektromyographische Befunde hinweisen. Die eigentliche Störung dürfe jedoch im Gehirn der Kinder zu suchen sein. Alle Kinder wiesen jedenfalls Verkalkungen in der Hirnrinde und den subkortikalen Regionen auf. Hier kommt es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem Untergang von Nervenzellen, was auch das verminderte Wachstum des Gehirns und dadurch auch des Schädels erklärt. 

Über einzelne Fälle einer Arthrogryposis hatte kürzlich eine weitere Arbeitsgruppe aus Brasilien in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR; 2016; 65: 59-62) berichtet. Dort waren die Kontrakturen bei elf von 37 Kindern aufgefallen. © rme/aerzteblatt.de

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