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Medizin

Leitlinie Gestationsdiabetes: Immer mehr diabeteskranke Schwangere früh diagnostiziert

Freitag, 12. August 2016

/ Gisela Peter_pixelio.de

Berlin – Die aktuelle Leitlinie der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) zur Verbesserung der Diagnose des Gestationsdiabetes (GDB) greift offenbar: Seit ihrer Einführung 2011 und der Reform der Mutterschaftsrichtlinien hat sich die Erkennung des GDB bei Schwangeren verbessert. Dies weist eine von dem Wissenschaftlichen Institut der niedergelassenen Diabetologen (windiab) veröffentlichte Analyse in Diabetologie und Stoffwechsel (DOI: 10.1055/s-0042-110485) nach, der die Erhebungen des GestDiab-Registers zugrunde liegen.

Für diese Studie wurden die Daten von 2.334 Schwangeren mit GDM in den Jahren 2009/2010 analysiert und denen von 4.640 Schwangeren mit GDM in 2013/2014 bereinigt gegenübergestellt. Daraus geht hervor, dass der Anteil der Erkrankungen, die schon zwischen der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche erkannt werden, innerhalb von fünf Jahren von 27 auf 33 % gestiegen ist. Repräsentativ für ganz Deutschland oder für die untersuchte Region sind die Zahlen zwar nicht, denn es gehen nur jene Daten in das GestDiab ein, die in Diabetes-Schwerpunktpraxen (DSP) betreut werden. Dennoch sei dies die beste bisher verfügbare Registeranalyse, urteilt Helmut Kleinwechter, der die Screening-Leitlinie der DDG maßgeblich mit erarbeitet hat.

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Außerdem erhielten immer mehr Schwangere eine Insulintherapie (34 % in 2009/2010 versus 40 % in 2013/14). Die Insulintherapiequote variiert dabei von Praxis zu Praxis erheblich. „Insulin wird unplausibel häufig eingesetzt“, heißt es in der Studie. Das belegen auch Vergleichsdaten mit dem Ausland: International erhalten zwischen 7 und 20 % der Schwangeren mit GDM Insulin. Das bedeute ein erhöhtes Hypoglykämierisiko für die Schwangere, fördere die Gewichtszunahme, gehe mit erhöhten Kosten, einer höheren Sectiorate einher und hieße vor allem für die Schwangere mehr Zeitaufwand und mehr psychische Belastung, so die Autoren. Daher bestehe Schulungsbedarf für die teilnehmenden Diabetologen, die Insulintherapie gezielter einzusetzen, urteilt Klein­wechter.

Anteil übergewichtiger und adipöser Frauen nimmt zu
Die Ergebnisse bestätigen zudem den allgemeinen Trend zu Übergewicht und Adiposi­tas in Deutschland. In dem Testzeitraum ist der Anteil übergewichtiger Frauen von 26 auf 28 und der Anteil adipöser Frauen von 32 auf 35 % gestiegen. Der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) der Schwangeren lag 2009/2010 noch bei 27,8, aber in den Jahren 2013/14 bei 28,5. Eine Adipositas vor der Schwangerschaft verdoppelt nicht nur das Fehlbildungsrisiko, die Mütter stillen dann auch seltener. „Damit vergeben sie auch die Chance, einem Diabetes vorzubeugen“, so Kleinwechter. Die Gefahr ist hoch, denn jede zweite Frau entwickelt nach einem GDM innerhalb von zehn Jahren einen manifesten Typ-2-Diabetes.

GDM im internationalen Vergleich
Laut Geburtshilfe Gesamtauswertung 2014 des AQUA (Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen) betrug der Anteil Frauen mit BMI >= 30 kg/m² bundesweit 13,66 %. 2014 gab es in Deutschland die bislang höchste Rate an GDM, nämlich 31.800 Fälle von 690.000 dokumentierten Geburten aus 775 Kliniken. Das sind relativ 4,47%. Damit sei Deutschland im europäischen und internationalen Rahmen immer noch ein GDM-Niedrig-Risikoland, bewertet dies Kleinwechter.

Die Autoren der Studie plädieren für weitere Interventionen von Frauenärzten und Hausärzten schon vor der Schwangerschaft. Denn es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sich diesen Trends entgegenzustellen. Unter anderem biete hierfür der Aid-Informationsdienst gute und werbungsfreie Materialien für die Schulung an, die nicht nur Fachleuten sondern auch Betroffenen zur Verfügung stünden. © mls/aerzteblatt.de

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