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Ärzteschaft

Weniger Bürokratie: Vereinfachung bei den Chroniker­bescheinigungen

Freitag, 12. August 2016

Berlin – Ab dem vierten Quartal 2016 wird es für Praxen einfacher, Patienten eine schwer­­wiegende chronische Erkrankung zu bescheinigen. Es gilt dann ein bundesweit einheitliches Formular mit weniger Feldern, das elektronisch ausgefüllt werden kann. Dieses Formular werden die Vertragsärzte vorhalten. Es wird also nicht mehr, wie bis­lang, von den Krankenkassen ausgegeben. Darauf haben sich Kassenärztliche Bun­des­vereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband (GKV-SV) geeinigt. „Damit reduziert sich der Aufwand für die Ärzte“, betonte die stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Regina Feldmann.

In der Vergangenheit hatten Ärzte immer wieder kritisiert, dass die Kassen unter­schied­liche Vordrucke verwendeten und sie diese deshalb per Hand ausfüllen müssten. Zudem würden Angaben verlangt, die nicht sinnvoll seien. Die KBV weist daraufhin, dass die an­zu­gebenen Informationen künftig auf das Nötigste reduziert seien. Ärzte müssten nur noch die Dauerdiagnose angeben und vermerken, seit wann der Versicherte wegen die­ser Erkrankung ständig in Behandlung sei und ob diese weiterhin erforderlich sei. Der sogenannte Ausfüllbereich für die Krankenkassen entfällt gänzlich.

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Patienten benötigen die Chronikerbescheinigung, wenn sie bei ihrer Krankenkasse eine Zuzahlungsbefreiung beantragen. Laut Gesetz beträgt die Belastungsgrenze für chro­nisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden Krankheit in Dauerbehandlung sind, ein Prozent ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Normalerweise liegt die Belastungsgrenze bei zwei Prozent.

Das neue Muster 55 für die Chronikerbescheinigung wird laut KBV ab Oktober in den Praxisverwaltungssystemen hinterlegt sein. Die Abrechnung erfolgt unverändert über die hausärztliche Versichertenpauschale, alternativ über die arztgruppenübergreifende Ge­bührenordnungsposition 01610.

© hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 14. August 2016, 14:36

KBV-SPIBU-Bürokratie-Exzesse!

Wie kann man denn als stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende, Kollegin Regina Feldmann und Verantwortliche für den hausärztlichen Bereich wider besseres Wissen behaupten: „Damit reduziert sich der Aufwand für die Ärzte“?

Das neue Muster 55 als "Chronikerbescheinigung" e r w e i t e r t doch unsere bestehenden, etwa 250 z. T. mehrseitigen EDV- und papiergestützten Formularsätze in der vertragsärztlichen Praxis, statt diese zu entbürokratisieren.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat sich mal wieder vom Spitzenverband Bund der Gesetzlichen Krankenkassen, der sich selbst als "SpiBu" abkürzt, total über den Tisch ziehen lassen: Dieser heißt im DÄ-Jargon nicht 'GKV-Spitzenverband (GKV-SV)', weil er nur e i n e r von vielen Vertragspartnern in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) fungiert.

Für das neue Muster 55 verfügen alle GKV-Kassen schon längst komplett über relevante Patienten-, Abrechnungs- und Diagnosedaten, sonst würden sie nicht ständig gezieltes "Upcoding" von ICD-10 GM Daten unserer Patientinnen und Patienten als selbstverständlich kostenlose Mehrarbeit von uns Vertragsärzten einfordern. Selbst das bisherige Procedere ist also vollkommen überflüssige bürokratische Schikane der Krankenkassen.

Die GKV-Versicherten benötigen ihre Chronikerbescheinigungen, wenn sie bei ihrer Krankenkasse mit ihren Einkommensunterlagen persönlich vorsprechen müssen, um eine Zuzahlungsbefreiung zu beantragen. Die Chronikerbescheinigung kann dabei aus frei verfügbaren Krankenkassendaten o h n e Vertragsarztdaten mit erstellt werden.

Laut Gesetz beträgt die Belastungsgrenze für chronisch Kranke, die wegen derselben schwerwiegenden Krankheit über 4 Quartale in Dauerbehandlung bei einem Arzt sind, ein Prozent ihrer jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt. Normalerweise liegt die Belastungsgrenze bei zwei Prozent.

Kennt Frau Kollegin Regina Feldmann aus mangelnder eigener Praxiserfahrung diese Vertragsarzt-Situationen nicht mehr, oder war sie einfach nur zu naiv und vertrauensselig, dem SpiBu-Begehren Stand zu halten?

An der arztgruppenübergreifenden Gebührenordnungsposition EBM-GOP 01610 kann es definitiv nicht gelegen haben, die verschwindet im Orkus kaum mehr kostendeckender, am ebenso fiktiven wie nicht mehr erreichbaren Oberarztgehalt orientierten Regelleistungsvolumina.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z. Zt Bergen aan Zee, NL)
LNS

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