NewsVermischtesDiskussion um Neutralität Medizinischer Leitlinien
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Diskussion um Neutralität Medizinischer Leitlinien

Montag, 15. August 2016

Berlin – Transparency International Deutschland hat gesetzliche Regelungen zur Er­stellung und Qualitätssicherung von medizinischen Leitlinien für Ärzte und andere Heil­be­rufe gefordert. Auslöser dafür sind die Ergebnisse einer Untersuchung der Anti­korrup­ti­ons­organisation. Sie hatte die Rahmenbedingungen zur Erstellung von medizinischen Leit­linien unter die Lupe genommen und ist zu dem Resultat gekommen, dass die Unab­hängigkeit und Neutralität von medizinischen Leitlinien nicht gesichert ist.

Transparency Deutschland zufolge unterliegen Medizinische Leitlinien – anders als Richt­linien, die der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) für die anzuwendenden Leis­tungen der Versicherten erstellt – keiner Qualitätskontrolle und werden durch kein deut­sches Amt geprüft. Laut Transparency Deutschland können medizinische Leitlinien wei­ter­hin trotz freiwilliger Selbstkontrolle durch unterschiedliche Interessengruppen beein­flusst werden. Das sei problematisch, da diese Handlungsempfehlungen eine wichtige Orientierungsfunktion hätten und teilweise sogar für gerichtliche Entscheidungen heran­gezogen würden.

„Es geht nicht nur um individuelle therapeutische Entscheidungen einzelner Mediziner, sondern um die strukturelle Beeinflussung“, sagte Christoph Stein, Autor der Studie und Mitglied der Arbeitsgruppe Gesundheit von Transparency Deutschland. Durch mangeln­de Regulierung und fehlende Transparenz entstünden Einfallstore für Korruption. Die Antikorruptions­organisation fordert daher gesetzliche Bestimmungen, die die Trans­pa­renz und Methodik der Erstellung von Leitlinien regeln.

Anzeige

Derartige Vorschriften sollten sich an bestehenden Beispielen, wie den Richtlinien des G-BA, orientieren und in Zusammenarbeit mit Einrichtungen der ärztlichen Qualitäts­siche­rung erarbeitet werden. Ein aus Bundesmitteln finanziertes unabhängiges Gremium von hauptberuflichen Experten sollte medizinische Leitlinien akkreditieren.

„Leitlinienautoren sind häufig durch Interessenkonflikte belastet“, erklärte Wolfgang Wo­darg, Vorstandsmitglied von Transparency. Ein fehlender gesetzlicher Rahmen und man­gelnde Ressourcen gefährdeten die Unabhängigkeit der erstellten Leitlinien und damit auch das Vertrauen in das Handeln der Ärzte und anderer heilberuflich Tätiger.

Die Kritik an der Erstellung der Leitlinien wies die Arbeitsgemeinschaft der Wissen­schaft­lichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) zurück. „Wir respektieren die Arbeit von Transparency International Deutschland sehr und stehen auch im Austausch mit ihren Vertretern“, sagte Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissens­management.

Der Transparency-Leitlinienbericht zeige allerdings einige grundlegende Informations­lücken und Missverständnisse zum Thema Leitlinienmethodik und insbesondere Inter­essenkonfliktmanagement in Deutschland und lasse die einschlägige, aktuelle, inter­nati­o­nale wie nationale Literatur zum Thema unberücksichtigt.

„Dadurch kommt es auch zu einer Verwechslung von Interessenkonflikten und Korrup­tion“, so Kopp. So sei etwa die Darlegung von Interessenkonflikten nicht, wie im Bericht aufgeführt, freiwillig, sondern bereits seit 2010 eine Regel für das Leitlinienregister der AWMF. Das heiße, fehlende Transparenz führe zur Nicht-Aufnahme einer Leitlinie in das Register der AWMF. © hil/sb/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

25. September 2020
Berlin – Eine neue S2k-Leitlinie zum Management von sogenannten Großgefäßvaskulitiden haben Ärzte, Wissenschaftler und Patientenvertreter unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für
Neue Leitlinie zum Management von Großgefäßvaskulitiden
24. September 2020
Düsseldorf – Etwa eine von 54 werdenden Müttern bekommt heutzutage zwei Kinder auf einmal. Darauf weisen die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) und die Deutsche Gesellschaft
Leitlinie zur Betreuung von Zwillingsschwangerschaften erschienen
15. September 2020
Berlin – Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) und die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) haben zusammen mit weiteren Fachgesellschaften und Verbänden die
S3-Leitlinie zum Nierenzellkarzinom aktualisiert
10. September 2020
Berlin – Eine S1-Leitlinie über eine nationale SARS-CoV-2-Teststrategie für Mitarbeitende im Gesundheitswesen haben 17 medizinische Fachgesellschaften unter Federführung der Deutschen
S1-Leitlinie zur SARS-CoV-2-Teststrategie für Mitarbeitende im Gesundheitswesen veröffentlicht
27. August 2020
Berlin/Düsseldorf – Eine neue Patientenleitlinie „Chirurgie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen“ soll Menschen unterstützen, die an einer Adipositas erkrankt sind und eine Operation erwägen.
Patientenleitlinie informiert über Adipositaschirurgie
26. August 2020
Berlin – Im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie ist eine S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Peniskarzinoms erschienen. Sie soll die Versorgung von Betroffenen in frühen und
Psychoonkologische Maßnahmen in S3-Leitlinie zum Peniskarzinom aufgenommen
18. August 2020
Berlin – Schwer erkrankte, intensivpflichtige COVID-19-Patienten sollten regelhaft neurologisch mitbetreut werden, auch wenn sie keine offensichtlichen neurologischen Manifestationen zeigen. Das
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER