NewsMedizinFunktionelle Kernspintomo­graphie zeigt Fortschreiten von Parkin­son-Krankheiten an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Funktionelle Kernspintomo­graphie zeigt Fortschreiten von Parkin­son-Krankheiten an

Mittwoch, 17. August 2016

Gainesville – Die Änderung der Hirnaktivität, die ein fester Handgriff des Patienten in der funktionellen Kernspintomographie auslöst, könnte ein zuverlässiger Biomarker für Parkinson-Erkrankungen sein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in Neurology (2016, doi: 10.​1212/​WNL.​0000000000002985).

Der Morbus Parkinson und verwandte Erkrankungen können heute durch eine Reihe von Medikamenten behandelt werden. Wirkstoffe wie L-Dopa lindern die Symptome, das Fortschreiten der Erkrankung können sie jedoch nicht aufhalten. Die Suche nach Wirkstoffen, die in das Krankheitsgeschehen eingreifen, wird dadurch erschwert, dass es bislang kaum möglich ist, das Fortschreiten der degenerativen Hirnerkrankungen zu messen.

Anzeige

Dies könnte sich durch ein neues Untersuchungsverfahren ändern, das das Parkinson's Disease Biomarkers Program jetzt im Auftrag des US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke entwickelt hat. Der Test beruht auf der funktionellen Kernspin­tomographie. Sie kann anhand der unterschiedlichen magnetischen Eigenschaften von oxygeniertem und desoxygeniertem Blut erkennen, welche Hirnareale bei einer bestimmten Aufgabe aktiviert werden.

Bei dem von David Vaillancourt von der Universität von Florida in Gainesville und Mitarbeitern vorgeschlagenen Test wird die Änderung der Hirnaktivität in fünf Hirn­zentren gemessen, zu der es durch einen festen Handgriff des Patienten kommt. Die fünf Zentren befinden sich in den Basalganglien, deren Zerstörung für die Symptome des Morbus Parkinson und verwandten Bewegungsstörungen verantwortlich ist.

Um die Eignung des Tests zu untersuchen, verglichen die Forscher die Testergebnisse von 112 Personen im Verlauf von einem Jahr. Darunter waren 46 Patienten mit Morbus Parkinson, 13 Patienten mit einer Multisystematrophie (MSA), 19 Patienten mit einer progressiven supranukleären Blickparese (PSP) und 34 Gesunde. MSA und PSP gehören wie der Morbus Parkinson zu den neurodegenerativen Erkrankungen. Sie haben ihren Ursprung wie der Morbus Parkinson in den Basalganglien, jedoch andere Ursachen. Für die Neurologen ist es wichtig, die Erkrankungen genau unterscheiden zu können.

Dies könnte mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie leichter als bisher gelingen. Während es nämlich beim Morbus Parkinson vor allem im Putamen und im primären motorischen Cortex zu einer Verschlechterung kam, waren die Erkrankungszeichen bei MSA und PSP breiter gestreut. In der Gruppe der gesunden Probanden kam es dage­gen im Verlauf des Jahres zu keinem Rückgang der Hirnaktivität.

Da Kernspintomographen heute in vielen Kliniken vorhanden sind und die Durchführung relativ einfach ist, könnte der Test in vielen Kliniken durchgeführt werden. Ein Einsatz wäre allerdings nur dann sinnvoll, wenn die Ergebnisse auch eine Aussage über die Krankheitsaktivität und besser noch über die Wirksamkeit der Medikamente zulassen würde. Dies muss erst noch gezeigt werden.

Der Test soll zuerst in klinischen Studien eingesetzt werden, die die Wirkung von neuen Medikamenten testen. Dort soll er erstmals Aussagen darüber erlauben, ob die Mittel neben der Linderung der Symptome auch einen Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung haben. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

31. August 2020
Bochum – Patienten mit Parkinson weisen zahlreiche Risikofaktoren auf, die zu einem schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion führen können. Zu diesem Ergebnis kommen Ärzte der Neurologischen
Parkinsonpatienten bei Coronainfektion besonders gefährdet
10. Juli 2020
San Diego – US-Forscher haben eine verblüffend einfache Methode gefunden, mit der sich Astrozyten in funktionelle Neurone verwandeln lassen. Laut ihrem Bericht in Nature (2020; DOI:
Morbus Parkinson: Gentherapie verwandelt Astrozyten in Dopamin-Produzenten
2. Juli 2020
Wien – Eine wiederholte Impfung gegen das Protein Alpha-Synuclein, dessen Ablagerungen im Gehirn an der Pathogenese des Morbus Parkinson beteiligt sein sollen, hat bei Patienten im Frühstadium der
Morbus Parkinson: Impfung soll Alpha-Synuclein aus dem Gehirn beseitigen
30. Juni 2020
Minneapolis – Die Tiefe Hirnstimulation ist bei Parkinsonpatienten etabliert – Studien dazu haben aber laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) das Verfahren bislang immer mit der
Parkinson-Patienten profitieren von Tiefer Hirnstimulation
8. Juni 2020
Boston − Stammzellen, die aus einer Hautprobe gewonnen und im Labor in Dopamin-produzierende Zellen „umprogrammiert“ wurden, haben anderthalb und 2 Jahre nach der Implantation in das Gehirn
Stammzelltherapie aus körpereigenen Zellen verbessert Motorik bei Parkinson-Patienten
13. März 2020
London – Es fehlen belastbare Belege dafür, dass kognitives Training für Menschen mit Parkinson und Demenz oder einer leichten kognitiven Störung („mild cognitive impairment“, MCI) bei Parkinson
Kein Beleg für den Nutzen von kognitivem Training bei Parkinson
12. März 2020
Houston – Wissenschaftlern des Mitchell Center for Alzheimer’s Disease and Related Brain Disorders der University of Texas ist es gelungen, unterschiedliche Formen des sogenannten alpha-Synucleins im
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER