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Hochschulen

Immer mehr Menschen wenden sich an Gewaltambulanz

Dienstag, 23. August 2016

/dpa

Heidelberg – Immer mehr Baden-Württemberger suchen Hilfe bei der landesweit einzigen Gewaltambulanz in Heidelberg. Die Fallzahlen seien in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, sagte die Ärztliche Direktorin am Institut für Rechtsmedizin und Verkehrs­me­dizin am Uniklinikum Heidelberg, Kathrin Yen. „Während wir 2013 noch 228 Fälle bear­beiteten, haben wir schon im ersten Halbjahr 2016 etwa 200 Fälle zu verzeichnen.“

Zu den Aufgaben der 24 Stunden erreichbaren Einrichtung gehört die Spurensuche am menschlichen Körper. „Ob es um Gewalt in der Familie, sexuellen Missbrauch oder ver­suchte Tötungsdelikte geht – wir dokumentieren Verletzungen und sonstige Spuren so, dass sie vor Gericht Bestand haben“, sagte Yen, die die Gewaltambulanz 2013 gründe­te. Mögliche Opfer werden etwa von Kliniken oder Behörden an die Ambulanz überwiesen. Zunehmend kommen Betroffene Yen zufolge auch auf Eigeninitiative.

Im Südwesten ist die Einrichtung bisher einzigartig. Die Spuren werden kostenlos ge­sichert. Im Koalitionsvertrag der grün-schwarzen Landesregierung heißt es, die Beweis­sicherung in der Heidelberger Gewaltambulanz habe sich bewährt. „Deshalb wollen wir die bestehende Ambulanz absichern und das Angebot bedarfsgerecht weiter ausbauen.“ Nach Angaben der Landesregierung wurde sie 2015 und 2016 mit jährlich 150.000 Euro vom Land unterstützt.

Auch mutmaßliche Täter können sich dort untersuchen lassen, etwa um unbegründete Tatvorwürfe auszuschließen. Allerdings sei es entscheidend, Spuren so schnell wie mög­lich sichern zu lassen, sagte Yen. Manche Substanzen im Blut – etwa Inhaltsstoffe soge­nannter K.o.-Tropfen – sind nur begrenzte Zeit nachweisbar. Sind Spuren von Gewalt­ta­ten dokumentiert, gelten sie auch zu einem späteren Zeitpunkt als Beweismittel.

Der Direktor der Mannheimer Frauenklinik, Marc Sütterlin, sagte, gerade mit Blick auf Vergewaltigungen und Gewalt in der Beziehung sei das niedrigschwellige Angebot eine Bereicherung. Auch die Opferorganisation „Weißer Ring“ lobte das Konzept. „Eine sol­che Ambulanz nimmt Gewaltopfern viel Druck“, sagte der stellvertretende Landes­vor­sitzen­de Thomas Franz.

Da der Besuch in der Gewaltambulanz zunächst folgenlos bleibe, könnten sich etwa Ver­gewaltigungsopfer in Ruhe überlegen, ob sie tatsächlich Anzeige erstatten wollten. An­ders als beim Gang zur Polizei führe die verfahrensunabhängige Untersuchung in der Ambulanz nicht automatisch zur Anzeige. Gerade Täter aus dem familiären Umfeld spe­ku­lierten oft erfolgreich darauf, dass sich Opfer schwer mit einer Anzeige täten. „Wenn aber Beweise gesichert sind, können Täter nicht mehr auf die Angst des Opfers setzen“, sagte Franz. „Nach reiflicher Überlegung können sie später immer noch die Ermittlungs­behörden einschalten.“ © dpa/aerzteblatt.de

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Narkoleptiker
am Dienstag, 23. August 2016, 21:47

Diese Ambulanzen sind Gold wert

Ich habe die Arbeit einer Gewaltschutzambulanz (Berlin) am eigenem Leib erlebt. Als Opfer einer Körperverletzung. Nach der Tat war ich mit dem RTW in eine Rettungsstelle eines Berliner Krankenhauses eingeliefert worden, mangels Augenarzt und Kieferchirurgen waren am nächsten Tag zwei weitere Rettungsstellen nötig.

KEINES der drei Krankenhäuser hat auch nur einen Gedanken daran verschwendet, dass es einer Dokumentation bedarf, die gerichtsverwertbar ist. Auch um die psychischen Verletzungen kümmerte man sich nicht (Aussage eines Arztes: Für die Psyche haben wir hier keine Zeit). Zum Glück kann ich mich informieren und bekam ganz schnell einen Termin und erhielt ein ordentliches gerichtsmedizinisches Gutachten.

Ich hoffe sehr, dass jeder diese Ambulanzen unterstützt, denn diese brauchen Geld, dass sie über Spenden erhalten. Dabei wäre es m. E. Aufgabe des Staates, dafür Sorge zu tragen, dass Opfer von Gewalttaten ordentlich begutachtet und betreut werden.

An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an Frau Dr. Etzold von der Gewaltschutzambulanz Berlin (Charité).

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