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Medizin

Zikaviren durch Thrombozyten übertragen

Freitag, 19. August 2016

Rio de Janeiro – Das Zikavirus kann auch durch Blutprodukte übertragen werden. In Brasilien hat ein Spender laut einem Bericht im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMc1607262) über Thrombozytenkonzentrate zwei Empfänger infiziert.

Wie Mediziner der Universidade Federal do Rio de Janeiro berichten, hatte sich der Spender bei der Blutbank gemeldet, weil er zwei Tage nach der Apherese an einem Hautausschlag und anderen Symptomen erkrankt war, die später auf eine Infektion mit dem Zikavirus zurückgeführt werden konnten.

Bei beiden Empfängern der Thrombozytenkonzentrate konnte später RNA des Zikavirus nachgewiesen werden. Es handelt sich um eine 54-jährige Patientin mit primärer Myelofibrose und ein 14-jähriges Mädchen mit akuter myeloischer Leukämie. Bei dem Mädchen kam es nicht zur Bildung von Antikörpern, vermutlich weil sie unter der Wirkung von Immunsuppressiva stand. Dennoch verlief die Erkrankung bei ihr ebenso wie bei der 54-jährigen Patientin asymptomatisch (was bei 80 Prozent aller Zika-Infektionen der Fall sein soll).

Die Sequenzierung der Virus-Gene belegt laut dem Team um Orlando Ferreira ohne Zweifel, dass die Viren durch die Blutprodukte übertragen wurden. Den Blutbanken ist das Risiko bekannt. In den USA raten die Centers for Disease Control and Prevention den Blutbanken der Endemieregionen (Puerto Rico und in Florida) die Blutspenden zu testen und die Blutprodukte einer Pathogenreduktion zu unterziehen oder auf Blut­spenden aus den betroffenen Regionen zu verzichten. In Deutschland gibt es derzeit nur eine 28-tägige Karenzphase nach Reisen in Endemie-Länder.

Laut Weltgesundheitsorganisation wurden bis Mitte August autochthone Infektionen mit dem Zikavirus aus 66 Ländern und Regionen gemeldet, darunter zuletzt auch aus Florida. Mikrozephalien wurden aus 15 Ländern und Regionen gemeldet. In Europa hat es bisher nur importierte Fälle gegeben, in Deutschland bisher knapp über einhundert Zikavirus-Infektionen bei Reiserückkehrern. In einem Fall wurde eine sexuelle Übertragung des Zikavirus beobachtet. Seit Mai 2016 gibt es in Deutschland eine gesetzliche Meldepflicht für Zikavirus-Infektionen.

© rme/aerzteblatt.de

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