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Politik

Brandenburgs Hebammen schlagen wegen hoher Arbeitsbelastung Alarm

Montag, 22. August 2016

dpa

Potsdam – Hebammen in Brandenburg bekommen nach Darstellung ihres Landesver­bandes die Sparpolitik und den Personalabbau in Krankenhäusern zu spüren, indem ihre Arbeitsbelastung steigt. Sie werde immer häufiger von Oberärzten oder Klinikchefs angerufen, die dringend eine Klinik-Hebamme bräuchten, sagte die Verbandsvor­sitzende Martina Schulze. Wenn wie geplant die Kreißsäle in Strausberg (Märkisch-Oderland), Templin (Uckermark) und Bernau (Barnim) schlössen, werde sich die Lage weiter verschlechtern.

Wegen des Geburtenrückgangs haben in Brandenburg immer weniger Krankenhäuser eigene Entbindungsstationen. 1991 verfügten laut amtlicher Statistik noch 40 der 67 märkischen Kliniken über Kreißsäle, 2014 gab es nur noch 25 in den 56 Kranken­häusern. Die Zahl der Geburtshäuser wurde um zwei auf vier reduziert. „Das bedeutet für viele Schwangere längere Anfahrtswege und nicht selten überfüllte Kreißsäle“, erläuterte Schulze. Mit den Stationsschließungen sei auch das Personal verringert worden.

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Auf einer Landkarte im Internet hat der Deutsche Hebammenverband aktuell für die Mark mehr als 100 Meldungen von Frauen registriert, die vergeblich eine Hebamme gesucht haben – überwiegend für das Wochenbett. Dabei hätten sich nicht alle Schwangeren, die keine Hilfe gefunden hätten, zur Registrierung gemeldet, meinte Schulze.

Nach einer bundesweiten Umfrage des Deutschen Hebammenverbandes von 2015 gibt fast jede zweite Klinik-Hebamme an, häufig drei Frauen parallel zu betreuen. Auch vier und mehr Frauen seien Realität. Dies stehe im Widerspruch zu der von der Arbeitsge­meinschaft Wissenschaftlich Medizinischer Fachgesellschaften geforderten Betreuung im Verhältnis 1:1, um den Frauen bei Komplikationen mit vollem Einsatz zur Seite stehen zu können. Zudem erschwere ein hoher Dokumentationsaufwand die Arbeit der Hebammen, die oft nur durch viele Überstunden zu leisten sei.

Laut einer anderen Erhebung haben rund 84 Prozent der Hebammen mehr Anfragen für eine Wochenbettbetreuung registriert, als sie annehmen können. Rund 70 Prozent lehnen bis zu fünf Frauen jeden Monat ab, 21 Prozent zwischen sechs und zehn Frauen und zwölf Prozent mehr als zehn Frauen. Dies treffe auch auf Brandenburg zu, sagt Schulze.

Aktuelle Zahlen des Brandenburger Ge­sund­heits­mi­nis­teriums widersprechen dieser Einschätzung auf den ersten Blick. Wie aus einer durch eine eigene Umfrage in den Landkreisen Oberhavel und Prignitz ergänzten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht, gab es im Juli dieses Jahres in Brandenburg 486 gemeldete freiberufliche Hebammen, 101 mehr als im Februar 2013. Allerdings räumt das Ministerium ein, dass Mehrfachnennungen wegen kreisüberschreitender Tätigkeiten nicht ausgeschlossen werden können.

Verbandschefin Schulze hält die Zahlen des Ministeriums für zu hoch gegriffen. „Wir haben knapp 400 Mitglieder in unserem Verband, diese Zahl hat sich in den letzten Jahren kaum erhöht“, sagte sie. Etliche Kolleginnen hätten sich in mehreren Landkreisen registrieren lassen.

Die Mitte dieses Jahres um neun Prozent gestiegene Berufshaftpflichtversicherung habe die Hebammen mit außerklinischer Geburtshilfe finanziell belastet und könnte einzelne Existenzen gefährden. Zwar habe sich Brandenburgs Landesregierung um einen Krankenkassen-Ausgleich für die erhöhten Haftpflichtprämien bemüht, sagte Schulze. Da die Beiträge aber künftig weiter stiegen, sei eine dauerhafte Lösung dieses Problems notwendig.

Um die hohe Zahl von Überstunden und Vertretungen von Kolleginnen zu vermindern, müsse mehr Personal in den Kliniken eingestellt werden, forderte Schulze. Zudem müssten die Hebammen von berufsfremden Aufgaben wie Putzen der Räume und Telefondiensten entlastet werden. Für Hebammen, die außerklinisch arbeiten, sei die Verantwortung für Schwangere und Mütter auch bei der Vergütung zu berücksichtigen. © dpa/aerzteblatt.de

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