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Medizin

Atopie: Daumenlutschen und Nägelkauen wirken am besten in Kombination

Montag, 22. August 2016

/ Sabine Ullmann pixelio.de

Dunedin/Hamilton – Bei Kindern, die am Daumen lutschen oder Nägel kauen, konnten Forscher seltener eine Sensibilisierung gegen Allergene nachweisen, auch noch im Erwachsenenalter. Das zeigt eine Studie mit 1.037 Teilnehmern, die zwischen 1972 und 1973 in Dunedin, Neuseeland, zur Welt kamen. Die Ergebnisse wurden in Pediatrics (DOI:10.1542/peds.2016-0443) publiziert.

Ab dem ersten Lebensjahr kaute etwa jedes dritte Kind der Studienteilnehmer regel­mäßig an den Fingernägeln oder lutsche am Daumen. Die Autoren um Stephanie J. Lynch von der University of Otago hatten dafür die Eltern viermal befragt, im Kindesalter von fünf, sieben, neun und elf Jahren. Im Alter von 13 Jahren und erneut mit 32 Jahren wurden die Teilnehmer auf atopische Sensibilisierung, Asthma und Heuschnupfen überprüft. Eine atopische Sensibilisierung lag vor, wenn der Pricktest verglichen mit der Negativ-Kontrolle eine mindestens 2 mm größere Hautrötung im Durchmesser verursachte. Getestet wurde für folgende Allergene: Gras, Katze, Hund, Kapok, Wolle und verschiedene Schimmelpilze.

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Atopische Dermatitis, allergische Rhinitis und Asthma bronchiale - sie alle zählen zu den atopischen Erkrankungen, die in ihrer Inzidenz stetig zunehmen. Die Betroffenen besitzen eine genetische Prädisposition für eine Überproduktion allergenspezifischer IgE-Antikörper. Bei 40 % der Grundschüler kann bereits eine Sensibilisierung gegen Allergene nachgewiesen werden.

Daumenlutschen und Nägelkauen beeinflussten weder im jungen noch im fortgeschrittenen Alter das Risiko für Asthma und Heuschnupfen. Hingegen entdeckten die Forscher ein geringeres Risiko für eine atopische Sensibilisierung sowohl bei den 13-Jährigen (38 versus 49 %) als auch bei den 32-Jährigen. Dieser positive Einfluss ergab sich unabhängig von anderen Faktoren, wie etwa Stillen, Haustieren, Personsnenanzahl im Haushalt, Atopie und Rauchen der Eltern sowie dem sozioökonomischen Status. Eine noch geringere Prävalenz mit nur 31 % für eine atopische Sensibilisierung hatten Kinder, die beides taten - Daumenlutschen und Nägelkauen. Im Alter von 32 war der Kombinationsvorteil nicht mehr sichtbar.

Die Ergebnisse bestätigen das Resultat einer "Schnuller-Studie", die 2013 publiziert wurde (doi:10.1542/peds.2012-3345). Bill Hesselmar vom Queen Silvia Children’s Hospital in Göteborg konnte zeigen, dass Eltern, die den Schnuller ihres Nachwuchses säuberten, indem sie ihn selbst ablutschten, ein geringeres Risiko für Allergien hatten: Asthma (odds ratio [OR] 0.12; 95% confidence interval [CI] 0.01–0.99), Ekzeme (OR 0.37; 95% CI 0.15–0.91), Sensibilisierung (OR 0.37; 95% CI 0.10–1.27). Warum in der aktuellen Studie von Lynch et al. hingegen das Asthma- und Heuschnupfen-Risiko nicht gesenkt wurde, bleibt unklar. Eine mögliche Ursache könnte sein, dass die Diagnose dieser Krankheitsbilder eher subjektiven Einschätzungen unterliegt im Vergleich zum Pricktest, schätzen die Autoren.

Hinter der Schnuller-Hygiene, dem Nägelkauen und dem Daumenlutschen vermuten die Forscher ähnliche Mechanismen, die Allergien im frühen Kindesalter verhindern könnten. Sie befördern das Ausmaß, in dem Kinder Mikroorganismen ausgesetzt werden und somit auch das Immunsystem lernt ungefährliche Bestandteile besser einzuordnen. © gie/aerzteblatt.de

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