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Medizin

Autismus: Längst verbotene Chlorverbindungen belasten Kinder schon vor der Geburt

Dienstag, 23. August 2016

/ Dirk Sanne pixelio.de

Richmond – Kinder von Müttern, deren Blut mit bestimmten organischen Chemikalien belastet ist, haben ein erhöhtes Risiko für Autismus und geistige Defizite. Zu diesem Schluss kommt eine Studie mit mehr als 1.000 Kindern, deren Mütter erhöhte Schadstoffwerte im Blut aufwiesen. Die Studie wurde in Environmental Health Perspectives (DOI:10.1289/EHP277) publiziert.

Polychlorierten Biphenyle wurden vor ihrem Verbot in Deutschland und vielen anderen Ländern vielseitig von der Industrie eingesetzt: als Transformator- und Kondensatorflüssigkeit, Weichmacher für Lacke und Klebstoffe, Fugendichtungen. Die Summenformel lautet: C12H10–nCln

Organochlorpestizide wurden vor ihrem Verbot in Deutschland und vielen anderen Ländern als Schädlingsbekämpfungsmittel eingesetzt. Zur Stoffgruppe gehören Chlofenotan (DDT), Aldrin, Dieldrin, Endrin, Heptachlor (bzw. -epoxid), Hexachlorbenzol (HCB), Pentachlorphenol (PCP), Methoxychlor, Toxaphen, Endosulfan, Chlordan, Hexachlorcyclohexan (HCH, Lindan).

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Obwohl polychlorierte Biphenyle (PCB) in vielen Ländern schon in den 70er Jahren verboten wurden, überleben die neuro­toxischen Stoffe immer noch in Nahrungsmitteln, im Blut und der Muttermilch. Ihre frühere breite Verwendung und geringe Abbaubarkeit führt zu einer ubiquitären Belastung der Umwelt. Hauptquelle von Organochlor­verbindungen sind fettreiche und tierische Nahrungsmittel. Sie stehen unter Verdacht, den Hormonhaushalt, das Immunsystem und die geistige Entwicklung von Kindern zu beeinträchtigen. Zudem können die Chemikalien die Plazenta durchdringen.

Forscher um Erstautorin Kristen Lyall vom California Department of Public Health haben daher eine Studie durchgeführt mit 545 autistischen, 181 geistig benachteiligten und 418 Kindern ohne geistiges Defizit. Sie wollten den vorgeburtlichen Zusammenhang zwischen diesen Entwicklungsstörungen und verschiedenen PCBs und Organochlorpestiziden (OCP) untersuchen. 

Das Ergebnis: Bei zwei von drei Müttern wiesen die Forscher PCB-Abbauprodukte und Chlorpestizide im Blut nach. Bei der höchsten Belastung durch PCB 138/158 und PCB 153 war das Autismusrisiko der Kinder um 80 % höher als bei der niedrigsten oder gar keiner Belastung. Bei anderen PCBs beobachteten die Autoren ebenfalls ein erhöhtes Risiko, das etwas geringer war. PCB 170 und 180 verdoppelte die Wahrscheinlichkeit für geistige Entwicklungsstörungen im Vergleich zur niedrigsten Belastung.

Hingegen korrelierten OCPs im Blut der Mutter nicht mit einem höheren Auftreten von Autismus. Mittlere Chlorpestizidblutwerte führten aber zu einem deutlich höheren Risiko für geistige Entwicklungsstörungen. „Die Entwicklung des kindlichen Nervensystems wird folglich ab einem bestimmten Level der getesteten Chemikalien im Blut der Mutter negativ beeinflusst“, schlussfolgert Lyall.

© gie/aerzteblatt.de

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